

Mein Hobby “Kunst”
Die Grundvoraussetzung für ein lebenswertes Rentner - Dasein ist natürlich Gesundheit, aber genauso wichtig ist geistige Fitness, ohne die ist schnell "der Dampf" raus, und die Langeweile macht sich breit.
Nein, Golfspielen wollte ich wirklich nicht anfangen, da hat mein lieber Mann Recht. Ich war so viele Jahre berufstätig gewesen, die Schreibtischarbeit hatte meinen Tagesablauf bestimmt. 18 - Loch Golf, das gesellschaftliche Leben dazu, da hätte ich mich wieder angebunden.
Aber ausgerechnet durch das Golfspielen meines Mannes fand ich "mein Hobby". Ende der 80er Jahre lernte mein Mann beim Golfclub Eurach / Obb. ein kunstinteressiertes Ehepaar kennen, zu dem wir einen "Draht" bekamen.
Die Dame war damals dabei, sich intensiv mit Picasso zu beschäftigen. Einen interessanteren Künstler hätte ich mir zum Start gar nicht wünschen können. Erst mal hab ich etliche Bücher über das Leben Picassos gelesen, u. a. von seinen ehemaligen Lebensgefährtinnen Fernande Olivier und Francoise Gilot. Ich lernte, mit welchen Menschen, Künstlern er in welcher Zeit zu tun hatte. Immerhin wurde "der" Maler des 20. Jhdts. über 90 Jahre alt, über ihn gibt's wirklich viel zu lesen. In den Büchern und Ausstellungskatalogen, die mir meine Kunstfreundin zur Verfügung stellte, hab ich mir die Bilder angesehen, verglichen, ich lernte, sie zeitlich einzuordnen.
Bei Picasso wissen viele nicht, was für ein guter Zeichner er war. Picasso war wirklich ein Genie.
Ich lernte "die Handschrift" eines Malers, die hat nämlich jeder Künstler. Es gibt Vorlieben für bestimmte Objekte und Themen, Farben, Größe der Bilder. Und natürlich malt der ganz junge Künstler auch anders, als wenn er in mittleren Jahren oder alt ist. Mitbestimmend für die "Handschrift" ist auch die Gemütsverfassung oder mit welchen anderen Künstlern er Umgang hat. Ich las möglichst immer die Biographien.
Mein Kunststudium begann mit der klassischen Moderne, Impressionismus, Expressionismus. Das Erste war eigentlich sehr einfach, Renoir, Monet, Pissaro, Sisley usw. - alle sind sie doch schön anzusehen. Dann der Pointillismus von Seurat und Signac, ein Farbtupferchen neben dem anderen. Gauguin mit seinen Südsee - Motiven. Cézanne, der eigentliche "Vater der Moderne", der anfing, das Gegenständliche aufzuheben. Van Gogh, der beide Vorgenannten unendlich bewundert hat.
Auch der Expressionismus, allen voran der Blaue Reiter mit Marc, Kandinsky, Münter usw.
Ich hatte es leicht, viel lernen zu dürfen. Mein lieber Mann ermöglichte und unterstützte schlichtweg alles. Meine Kunstbibliothek hat inzwischen einen solchen Umfang, da würden die allermeisten Buchhandlungen neidisch werden.
1992 fuhren wir nach Paris und sahen uns alle Museen an vom Louvre bis zum Centre Pompidou. Meine Güte, haben unsere Köpfe "geraucht"! Anfangs haben wir schon sehr gestaunt, man war ja doch noch recht "grün" hinter den Ohren. Aber wir lernten beide. Je mehr man sieht, so schult sich das Auge.
Ich hab mir alles angesehen, was nur irgend ging, alle großen Kunsthäuser in Deutschland, die Retrospektiven, die Sonderausstellungen. Einmal war ich an einem Tag nach Frankfurt hin und zurück, bloß um mir im Schirn eine Frieda Kahlo - Ausstellung anzusehen. So war ich auch in Tübingen bei "Cézanne", es war wunderschön.
So manche Golfreise ließ sich mit Kunst verbinden und umgekehrt. Das Gleiche gilt für die Segeltörns im Sommer. Kopenhagen, Stockholm, Göteborg, Oslo, alle bieten sie viel Sehens- und Lernenswerte. Sehr schön ist auch Skagen mit den sogen. Malern des Lichts.
Im Winter geht mein Mann Ski laufen, und ich darf dann nach Zürich, um mich u. a. mit Alberto Giacometti zu beschäftigen. Oder nach Bern, da gibt's viele Bilder von Paul Klee.Seit einigen Jahren ist im Frühjahr und Herbst Italien unser Reiseland.
Dadurch bin ich in eine ganz andere Kunstrichtung gekommen. Nun sind Gotik und Renaissance dran. Viel, viel zu lernen! So alt kann ich gar nicht mehr werden, um mal alles zu wissen, was ich gern möchte.
Das Schöne und Interessante ist, daß hier Malerei, Bildhauerei und Architektur eng beieinander sind. Michelangelo z. B. beherrschte alle 3 Künste genial.
Das Interesse für die Architektur der Renaissance, z. B. die Kuppeln der Peterskirche in Rom und des Doms von Florenz hat auch wieder meinen Mann in die Kunststudien einbezogen. Jahrhundertealte Marmor- und Mosaikarbeiten faszinieren auch den "Mann vom Bau".
Kürzlich hab ich 3 1/2 Stunden in Florenz angestanden, um in die Uffizien reinzukommen, Tizian, Raffael, Botticelli usw. bewundern zu dürfen. Es gibt mittlerweile einen richtigen Kunsttourismus, oft leider auch nach dem Motto: Dabei sein ist alles.Holland und Belgien haben wir bereist und uns mit der flämischen Malerei und Architektur beschäftigt. Das Rijsmuseum in Amsterdam mit den alten holländischen Meistern, allen voran Rembrandt, Franz Hals, Vermeer. In Belgien hat uns vor allem der Marktplatz in Brüssel begeistert, dann Gent, vor allem aber Brügge mit dem Memling - Museum usw.
So sind wir heute auch viel gemeinsam unterwegs in Sachen Kunst.
Wir waren in Rom, Florenz, Siena, Pisa und Lucca, in Mailand und Ravenna und immer wieder in Venedig.
Die Beschäftigung mit der Kunst gibt uns beiden viel. Gesprächsstoff ist immer da, und das ist doch gut so.
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Picasso (1951)
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Mutter und Kind
Franz Marc (1912)
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Blaues Pferdchen
Botticelli (1445-1510)
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Der Frühling
Johannes Vermeer (1632-1675)
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Das Mädchen mit der Perle