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Im Sommer 1998 haben wir uns verkleinert, von einem 12m - Schiff sind wir umgestiegen auf eine Hallberg Rassy 31, wir sind nämlich nicht mehr so “ganz neu”.
Segler´s Sommerreisen werden bekanntlich im Winter auf dem Sofa geboren. Das Schiff war kaum im Winterlager, da hab ich “schwedische Ostküste” angemeldet. Das sind zwar etliche Seemailen, aber mit dem
kleineren Schiff ist doch alles so viel handiger für uns zwei geworden. Die Träume meines Mannes gingen schnell weiter, Stockholm, Ålands - Inseln ... Im Januar wurden schon mal die notwendigen Papiere für unsere
Katze Jule beantragt. Mit einem Haustier nach Schweden reisen ist heute wirklich kein Problem mehr.
Am 29. Mai starteten wir von Glücksburg und waren darauf gefaßt, daß Petrus uns wohl viele Widernisse in den Weg stellen würde bis wir an unserem Ziel im hohen Norden ankommen, der verregnete
Segelsommer 1998 lag ja gerade erst hinter uns. Aber was für ein Geschenk wurde der Sommer 1999 für uns Segler!!! In 40 Segeljahren haben wir keinen vergleichbaren Sommer erlebt, sonnig waren viele, aber dieses Mal
waren über die ganze Zeit so mäßige Windverhältnisse, daß man wie mit dem Auto reisen, reisen, reisen konnte.
In vier Tagen waren wir schon in Ystad und konnten unsere Katze einklarieren, nach zwei weiteren Tagen hatten wir schon die gefürchtete Hanö - Bucht hinter uns, Hanö ist übrigens eine wunderhübsche,
kleine Insel, ein einigermaßen geschützter Hafen mit gutem Service.
Wenn man die Hanö - Bucht hinter sich hat, dann hat man es fast geschafft, die Durststrecke lag hinter uns. So ging der Weg der WINDROSE stetig weiter mit Tagesetmalen von 30 - 50 Seemeilen.
Außer ein paar gleichgesinnten Rentnerpaaren waren kaum Segler unterwegs. In den Häfen kam selten ein Hafenmeister zum Kassieren, ein paar Mal waren die Serviceeinrichtungen noch gar nicht in Betrieb,
es ist schon gut, wenn man einen eigenen Wasserschlauch hat. In Schweden beginnt der schönste Teil des ostschwedischen Schärengartens, so beschreiben es wenigstens die Claußen´s in ihrem Törnführer, die Meinung
können wir nur bestätigen.
Im Gegensatz zu den kahlen westschwedischen Schären ist auf dieser Seite eine geradezu üppige Vegetation, die unendlich vielen kleinen Inseln sind bewachsen mit Kiefern, Wacholder, Birken und Blumen,
Blumen ...
Richtig schön war es in Figeholm, da hat man gar nicht das Gefühl, in einem Hafen zu sein. Dort erlebten wir den plötzlich aufkommenden Nebel. Wir lagen schon gut angebunden und konnten das so mit
viel Interesse beobachten. Es war sonnig, man merkte die Feuchtigkeit auf der Haut, und ganz schnell hatte der Nebel alles eingehüllt. Unterwegs, mitten in den Schären kann das recht ungemütlich sein, andere
Segler erzählten davon Schauermärchen, uns ist das nicht passiert.
Für uns ging die Reise problemlos und wunderschön weiter, mein Mann sagt immer:
“Jeder bekommt das, was er verdient hat”. Na ja ... Der Gryt´s Skärgard und der St. Anna Skärgard zwischen Västervik und Arkösund sind unbeschreiblich schön. Man liegt in kleinen Buchten vor Anker,
rundum Wald, Vogelzwitscher, da “stört” höchstens ein Fischreiher die Abendruhe. Die Schärenwege sind eng, manchmal glaubt man, es ginge nicht mehr weiter, dann kommt doch noch ein rettendes Seezeichen. Wenn man
dann noch ganz leise unter Segeln da durchziehen kann, Seglerherz, was willst du mehr ...
Und dann diese nicht endende Helligkeit im Juni, die Nächte werden zum Tag. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang ist die liebe Sonne schon ganz schnell wieder da.
Nachdem wir Landsort - ein hübsches, markantes Leuchtturmanwesen - passiert haben, geht es in den Stockholmer Außenschären etappenweise weiter. In Sandhamn, dem Mekka der Stockholmer Segler, kommen
wir am Sonntagmittag an und erleben die Atmosphäre dieses Mekkas hautnah. Eine große Regatta ist gerade zu Ende gegangen, der Hafen ist proppenvoll, wir flüchten uns erstmal an eine Boje, abends hat sich wieder
alles beruhigt.
Den letzten kleinen Sprung zu den Ålandsinseln (30 sm) machen wir von Gräddö aus, das ist leicht nördlich von Kappelskär, dem großen Fährhafen.
Da waren wir also an unserem Ziel, den Ålandsinseln, wovon die Segler mit so glänzenden Augen erzählen. Es ist dort wirklich schön, aber eben auch nicht schöner als das, was wir auf dieser Reise im
ostschwedischen Schärengarten gesehen haben.
Von Mariehamn aus sind wir nach Helsinki geflogen. Schon der Flug war ein Erlebnis, die Maschine flog über die Schären Ålands ./. Turku, bei dem herrlichen Wetter war es toll, die Inselwelt mal aus
der Vogelperspektive zu sehen.
Helsinki ist wirklich eine Reise wert. Erst 1917 die Unabhängigkeit erlangt, ist Finnland in den Zeiten davor abwechselnd von den Russen und den Schweden geprägt worden. Im Reiseführer steht über die
Finnen: “Russen sind wir ja nicht, Schweden wollen wir nie wieder sein, also sind wir Finnen”. Ein Staat also, noch keine 100 Jahre alt, noch immer auf der Suche nach seiner Identität. Auf dem Flughafen lasen wir
eine große Leuchtreklame, die übersetzt heißt: “Die Augen in die Zukunft, die Füße auf der Erde”. In Helsinki waren wir das erste Mal, bestimmt nicht das letzte.
In Mariehamn haben wir unsere Freunde und Vereinskameraden Gerdie und Hinrich Kramer mit ihrer FREIHEIT getroffen, ab da waren wir fast drei Wochen zusammen unterwegs und hatten eine sehr schöne Zeit.
Von Mariehamn ging es zurück über Arholma (eine Lotsenstation mit einem wunderschönen Naturhafen) nach Stockholm. Auf Inseln gebaut nennt man Schwedens Hauptstadt die “Schönheit auf dem Wasser”, das
“Venedig des Nordens”. Nach 1976 und 1994 waren wir jetzt das dritte Mal in Stockholm, und die Augen sehen jedes Mal mehr.
Das Rathaus mit seinem blauen Saal für die Nobelbankette und dem goldenen Sall mit der Mälerkönigin. Gamla Stan, die Altstadt, die an einem schönen Sommerabend so lebendig ist; die Kirchen, die alle
ihren eigenen Charakter haben und natürlich das Vasa - Museum, was für uns Segler doch “ein Muß” ist.
In Stockholm geht man durch eine Schleuse und ein paar Brücken in den Mälaren, ein sehr verzweigtes Süßwassergebiet. Da waren wir natürlich in Mariefred wegen Tucholskys “Schloß Gripsholm”.
In Södertälje wieder durch eine Schleuse raus, ist man schon wieder südlich von Landsort in den Schären. Das ist eine hübsche Abkürzung, und man braucht nicht zweimal den gleichen Weg zu fahren.
In Mem sind wir dann in den Göta - Kanal gegangen, das Abenteuer von 60 Schleusen konnte losgehen. Auch diese Reise zum dritten Mal, viel schöner, viel sonniger als die vorherigen, und wenn man das
Schleusen zum dritten Mal macht, na, dann ist man ja schon Profi.
Es ist auch mal schön, Sommer mitten im Land zu sehen, als Segler erlebt man sonst doch nur den Sommer an den Küsten. An den Kanalufern blühten ganze Felder von Seerosen.
Eine Nacht verbrachten wir vor der Borenshult - Schleuse, es war wie fast immer ein schöner, warmer Sommerabend. Beim Zubettgehen habe ich vergessen, das Küchenfenster zuzumachen. Das war für Jule die
Gelegenheit, auf Jagd zu gehen, nachts um 3.00 Uhr poltert es im Cockpit, unsere Katze kommt stolz mit einer Maus zurück, ein Erlebnis, was sie bis heute nicht vergessen hat.
Wenn man nicht mit Zeitdruck durch den Göta - Kanal düst, kann die Reise interessant und abwechslungsreich sein, die großen Seen geben doch immer wieder die Möglichkeit zum Segeln. Den Vänern haben
wir in besonders guter Erinnerung wegen der leckeren Regenbogenforellen und des Lachses. Hinterher haben wir gelesen, daß Vänern - Fisch ein Geheimtip für Feinschmecker ist. Der Fisch war wirklich gut.
In Karlstadt am Vänern haben wir uns ein Auto gemietet und sind ins Värmland gefahren, ein landschaftlich wunderschönes Gebiet mit vielen Seen und Hügeln, mein Mann hat gleich Skilifte entdeckt. In
Marbacka waren wir im Selma Lagerlöf - Museum, und ich hab in den nächsten Tagen zum wievielten Male “Nils Holgerssons wunderbare Reise mit den Wildgänsen” gelesen.
Auf der Strecke von Spiken nach Vänersborg scheint es nur harten Südwest zu geben, bei uns war es jedenfalls mal wieder so. Gar nicht so viele Meilen, aber ein tagesfüllendes Programm, der Vänern ist
für seine kurze, steile Dünung bekannt, es war sehr ungemütlich.
Auch die großen Schleusen von Trollhättan sind interessant, man fühlt sich ja doch sehr klein darin, das Abwärts - Schleusen aber ist einfach, und es geht sehr schnell, fast wie im Fahrstuhl.
In Göteborg, spätestens in Skagen kam für uns dann die Ernüchterung, bis dahin hatten wir wochenlang als Individualisten gelebt, jetzt waren alle Häfen proppenvoll, die Urlaubszeit hatte
Hochkonjunktur.
Am 4. August sind wir dann mit 1700 Seemeilen im Logbuch und stolz mit den Gastlandflaggen im Want wieder in Glücksburg eingelaufen. Der wunderschöne, sonnige Segelsommer 1999 hatte diese Reise
möglich gemacht.
H. und Ir. Quay
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