
Nordsee 39,
Werft Dübbel und Jesse
Der
Hanseat 68 wurde verkauft am 29. Juli 76, für eine Nordsee 39 hatten
wir ein Angebot von der Werft Dübbel + Jesse, unser Verkauf muß
sich rumgesprochen haben, denn Konstrukteur Dübbel rief an, wann
die Werft mit dem Auftrag rechnen könnte, z.Zt. hat die Werft keinen
Anschlussauftrag.
Wir wollten eine Yacht nach unseren Vorstellungen, da war die Entscheidung
gefallen, nur in Alu, bei der Werft Dübbel + Jesse..
Die Planung begann: 
39 Fuß, 1,80 m Tiefgang, Mittelcockpit 2,00 m lang, ordentliche
Backskiste, zwei Vorstage, zwei Spibäume; zwei 65 er Lewmarwinden
selbstholend, E-Ankerwinde, Badeleiter, Teakdeck, Radar, (aus England
geholt) Selbststeueranlage, Grenzwellensender, große Achterkajüte
mit Stehhöhe + Waschtisch, große Pantry, großes WC,
aber keine Dusche, Lackierung hellblau.
Eine Segelyacht für uns, die ohne Mannschaft gesegelt werden kann,
wenn man jung ist.
Es war eine wilde
Zeit, immer zur Werft nach Norderney und die letzte Fähre noch
kriegen. Wir machten selbst Bauaufsicht ohne eine entsprechende Ausbildung.
Dazu kam noch, dass die Werft während unserer Bauzeit Aufträge
für den anstehenden Admiralscup in Cowes
/England
bekam.
Jan Pott, Lork Schiering. Flensburg, (Rum Fabrikant) Tina I.Punkt, Friese
Hamburg; Saudade, Otto Büll aus Hamburg.
Zur Kiellegung wurde ich angerufen von der Werft, ob ich erscheinen
werde, wenn nicht, ein paar Kisten Bier reichen auch.
Am 24. März 1977 war Bootstaufe, Taufpatin war meine Frau Irmgard.:
Ich taufe Dich auf den Namen „Windrose“, ich wünsche
Dir und Deiner Besatzung allzeit Gute Fahrt und immer 4 Fuß Wasser
unterm Kiel.
Die „Windrose“ wurde zu Wasser gelassen. Der Mast wurde
gesetzt und aufgerüstet.
Abends war Feier mit den Werftleuten in der Werfthalle.
Ein Feuerwehrschlauch wurde montiert, auf meine Frage an Herrn Jesse,
warum?
Du kennst keine Insulaner! Das wirst Du noch erleben, war nicht verkehrt.
Die erste Probefahrt
sollte auch gleich Überführungsfahrt nach Holland sein.
Herr Jesse + ein Macker mit Namen Scharlachberg war mit an Bord. Freitags
bei Hochwasser ging’s los. Kein Wind, also unter Motor.
Mitternacht, wir hatten die erste holländische Tonne erreicht,
Wind kam auf aus SW, nun sollte gesegelt werden, stellte ich fest, der
Teppich schwamm, Jesse wollte das nicht glauben, als ich das rauf rief.
Die Ursache konnte nicht gefunden werden, zurück nach Norderney.
Morgens um 6 waren wir westl. von Norderney, kein Wind mehr, aber Nebel.
Vom Tochterboot des Seenotkreuzers wurden wir reingelotst.
Der Ankerkettenkasten war nicht dicht.
Die zweite Überführung
mit gleicher Besatzung, am Donnerstag vor Ostern. Es ging gut los, die
Wettervoraussagen waren gut, aber es war noch April.
Der Leuchtturm Terschelling „Brandares“ war in Sicht mit
seinen vier Sektoren.
Aber nicht mehr lange, der erste Schneeschauer kam. Das Wetter wurde
immer ungemütlicher.
An Einpassieren des Seegats war nicht zu denken, die Mannschaft fragte,
was nun?
Meine Antwort: Vor der Insel-Vlieland auf Anker und warten, gut war,
dass der Wind von Land kam, oder zurück nach Helgoland, Begeisterung
habe ich damit nicht auslösen können.
Ich rief „Brandares“
an, der wollte nicht glauben dass eine SY draußen war, „Windrose“,
was kann ich für Sie tun? Wir brauchen einen Lotsen! Das ist sehr
teuer, ca.1.200,- Gulden, es ist Ostern, der Kapitän muß
erst seine Mannschaft suchen.
OK. Wir warten, bekamen aber von „Brandares“ Anweisung,
was zu beachten ist.
Von einer Tonne zur anderen und immer hin und her, mit Motorhilfe, gut
unter der Insel halten. Bleiben sie auf Standby, ich melde mich wieder.
Meine Leute hatten sich den Karfreitag anders vorgestellt.
Also Großsegel reffen, den Motor an und Kurs zwischen den Tonnen
halten,(noch kein GPS)
Der Motor wollte aber trotz wiederholtem Versuch und Fachmann an Bord
nicht anspringen.
Nach gut 30 Minuten
meldete „Brandares“ sich wieder, in einer Std. kann der
Lotse erst ablegen. Wir meldeten, auf der „Windrose“ kann
der Motor nicht gestartet werden, trotz Fachmann an Bord.
„Brandares“ antwortet, das ändert die Situation „Windrose“,
nun haben wir einen Seenotfall, ich bestelle den Lotsen ab, und mobilisiere
den Seenotkreuzer. Aber es dauert genau so lange.
Ok, wir warten, die ganze Küste bis Hindeloopen hörte uns,
denn es war Ostern, die SY waren schon besetzt.
Das Wetter wurde ruhiger, aber die Schneeschauer öfter und die
Sicht schlechter.
Dann nach Stunden rief „Brandares“ wieder, „Windrose“
der Seenotkreuzer ist bei Euch und sieht Euch nicht, auch nicht auf
dem Radar.
Moment „Brandares“, ich schieße weiß, dann aber,
„Brandares“, weiß haben wir nicht, wir schießen
rot. Nein, nein „Windrose“, Moment, ich melde mich wieder.
Dann eine Durchsage: Vor Terschelling ist eine SY und ein Seenotkreuzer,
die sich nicht finden können wegen der Sicht, die SY schießt
rot, weil, und sofort, und usw.
Schuss und rot,
der Seenot-Kreuzer stand keine 200 m neben uns, wir wurden auf den Haken
genommen und ab Richtung Terschelling, hinter der Insel war blauer und
sternenklarer Himmel, die Sicht war klar, die ganzen Feuer zu einzelnen
Wattfahrwassern waren sichtbar wie auf einem Verschiebe-Bahnhof.
Wir wurden längsseits genommen und konnten so nachts auch liegen
bleiben.
Zwei Flaschen Scharlachberg und Handgeld für die Bordkasse habe
ich zum Kreuzer gebracht, meine Leute versorgten die SY.
Ich kam an Bord und hatte keine Mannschaft mehr, die Beiden lagen in
den Kojen und koksten im Vorschiff.
Ich machte den großen Suppentopf mit Fleischeinlage warm, von
Irmgard gekocht, deckte den Tisch, holte Bier aus dem Schapp und habe
das Luk über die Schläfer weit aufgemacht, es schneite wieder.
Die Jungs kamen, es wurden noch schöne Stunden. Morgens zum Wecken
lagen 20 cm Schnee an Deck.
Ein Starterkabel wurde ausgewechselt, und weitere 2o Jahre sprang der
Motor an.
Wir machten uns
mit der SY vertraut auf dem Ijsselmeer, die Spi wurden gesetzt auf zwei
Spibäumen und dann Hoch am Wind, bis Deck zu Wasser war, wir wollten
wissen, was auf uns zukam, auch das Manövern mit Rad, vorher immer
Pinne, wollte gelernt sein.
Segelten auf dem Ijsselmeer das Flewo-Race mit, eine Familien -Regatta,
eine Woche von Hafen zu Hafen.
Viele Sommer-Reisen wurden gemacht, nach Bergen und Stockholm, es war
eine Yacht, wo man hinschaute. Wir waren 20 Jahre mit der SY „Windrose“
glücklich.
1997 haben wir die
SY an eine Münchener Familie verkauft und sind überzeugt,
auch da wird die Yacht gepflegt.
Wegen zunehmenden Alters haben wir uns verkleinert, nun haben wir eine
HR 31, die ich auch Einhand segeln kann..