Zurück

Zurück

    

                                          

             Segeltörn im Sommer 2001

Für unsere große Sommerreise waren wir eigentlich spät dran, aber in Flensburg war noch so viel los gewesen: Rum -Regatta, Klassiker - Festival, 5,5er Weltmeisterschaft - - - alles war schön!
Unser Ziel für den diesjährigen Törn sollte Oslo sein. Von Ende der 70er bis Anfang der 90er Jahre waren wir jeden Sommer in Norwegen, 2 x nach Bergen, sonst die Südküste.
Nach 9 Jahren sollte es also ein Wieder sehn mit dem Land der Mittsommer - Sonne geben. Und ein Wieder sehn mit unserer Flaschenpost - Freundin!

Mein Mann mit seinem fröhlichen Naturell steckt ja immer voller Einfälle, und so hatte er 1987 im Oslofjord eine Flaschenpost losgelassen. Die Flasche strandete auf der Insel Soendre-Aaroey südlich von Tönsberg.
Man sollte meinen, dass es den folgenden Zufall gar nicht gibt.
Doch mein Käpt'n ist ein Glückskind, die Flasche wurde gefunden von einer Dame, gebürtig aus Darmstadt, verheiratet mit einem Norweger, und sie ist Professorin für Deutsch an der Wirtschaftshochschule in Bergen.
Mit ''unserer Gerda" hat sich im Laufe der Jahre eine enge Brieffreundschaft entwickelt, und so motivierte uns die Freude auf dieses Wieder sehn zu der langen Reise.

Am 12. Juni sind wir in Glücksburg bei schnellen West 5 – 6 gestartet. Die nächsten Tage war der Wind dann ganz zahm. Vielleicht gönnte Petrus uns "Altersbonus"? Jedenfalls waren wir in 5 Tagestörns in Skagen, es lief alles wie am Schnürchen. So schnell waren wir in jungen Jahren nicht nach Norden gekommen. Im Kattegat muss man schnell einen Hafentag einlegen, wenn der Wind zu stark aus nördlichen Richtungen kommt . In Skagen haben wir uns bloß einen Tag aufgehalten, "Versandet Kirche", "Maler des Lichts im Skagen - Museum" und den wunderschöne Sonnenuntergang in Hoeyen geguckt, da versinkt die Sonne noch wirklich im Meer. Das alles ist immer noch sehr, sehr schön, bloß das Leben am Hafen kann man inzwischen vergessen, fast nur noch trinkende "Wikinger" Für die norweg. und schwed. Segler ist Skagen ein Ort zum Alkohol-Einkauf und leider auch viel zu viel Konsum davon.

So sind wir nach Göteborg rübergesegelt, wieder leichter Wind und wunderschönes Wetter. Da haben wir beim Zoll erst mal unsere Katze einklariert, es ging wie jedes Jahr problemlos.

Mittsommer haben wir bei schwedischen  Freunden auf Ockerö gefeiert, einer kleinen Insel eben nördl. von Vinga. Bei dieser netten Familie durften wir nicht das erste Mal mitfeiern, nur in diesem Jahr meinte Petrus es nicht gut mit uns Ausgerechnet bei Erdbeertorte und Tanz um den Mittsommer - Baum fing es an zu regnen. Dabei wird dieses Fest so hübsch und familiär bei den Schweden gefeiert. Die Mädchen mit ihren Kränzen aus Sommerblumen im Haar sind wirklich nett anzusehen. Auf den Inseln wird noch ein schönes Stück Tradition gepflegt.

Weiter ging's nach Ellös zum Hafen von Hallberg Rassy. 100%-ig einverstanden ist wohl kaum einer mit seiner Werft, aber wir freuen uns immer über die Sauberkeit und Ordnung auf dem Gelände, dass das trotz bester Auftragslage möglich ist. Was wir sonst zu beanstanden haben, na ja, der Erfolg gibt den Rassy's wohl Recht.
Die nächste Nacht haben wir im Havstensund vor Anker gelegen. Es gibt da ein paar hübsche Möglichkeiten zu ankern, umgeben von Naturschutz-Reservaten.

Auch wenn man schon so oft durch den Schärengarten gezogen ist, faszinierend ist es immer wieder. Im Juni muss man noch Navigation machen, da sind noch nicht viele Segler unterwegs. (In der Ferienzeit geht es wie an der Perlenkette rauf und runter)
Ein Seezeichen nach dem anderen wird auf der Karte abgehakt, sonst könnte man mal nicht wissen, wo man ist, die Felseninseln sind sich doch sehr ähnlich. Nach unseren vielen Reisen an dieser Küste wissen wir natürlich "im Groben", was eins nach dem anderen kommt. Der Stress ist raus, und wir haben beim Segeln Zeit, uns an den Naturschönheiten zu freuen.
Die kleinen Inseln im äußeren Schärengürtel sind fast nackte Felsen, vom aufbrausenden Wasser des Skageraks gewaschen und poliert, hier haben viele Seevogel ihre ungestörten Plätze. Wo es nur ein bisschen geschützter ist, wachsen krüppelige Wacholder und Birken, aus den Felsspalten gucken Blümchen wie in einem Steingarten.
Fährt man durch das oft sehr enge Schärenfahrwasser, meint man manchmal, es geht nicht mehr weiter, und an genau diesem Punkt taucht dann wieder ein Leuchtturm oder ein anderes Seezeichen auf.
Vom Havstensund waren es nur noch 12 sm bis Strömstad, dort haben wir uns mit Freunden vom FSC, den Krämer 's mit ihrer "Freiheit", getroffen die waren schon auf der Rückreise von Oslo.

Am nächsten Tag sind wir bei leichtem Wind in den Oslofjord gesegelt nach Söndre-Aaröy zu unserer Flaschenpost - Freundin, über Handy angemeldet stand unsere Gerda schon fröhlich mit norweg. Flagge und ihrer Krücke winkend vor ihrem Haus, seit einem halben Jahr wartet sie nämlich auf eine Hüftoperation. Auch das ist das wohlhabende Norwegen. Mit dem Ölboom seit Anfang der 70er Jahre hat das Land inzwischen eines der höchsten Pro-Kopf - Einkommen erreicht. Diese Entwicklung ist offensichtlich zu schnell gegangen, der "Baedecker" schreibt dazu, es gibt große Probleme mit dem Umweltschutz und der Infrastruktur, so gibt es auch Mängel in der gesundheitlichen Versorgung.

Das Einkommen der Norweger ist zwar höher als bei uns, dafür ist das meiste aber auch sehr viel teurer. Für eine Schachtel Erdbeeren haben wir NKK 55,-- bezahlt, das sind umgerechnet 9,00 D.M  Das Wiedersehn mit Gerda und ihrer Familie war rundum fröhlich und voller Freude, wir haben die Stunden auf ihrer Insel sehr genossen. In Tönsberg gab es ein Wiedersehn mit einem alten Bekannten, Rolf Nordgrov von der Victoria - Bäckerei. Sein Großvater hat das Brot gebacken für Roald Amundsen das dieser als Proviant auf seine Polar-Expeditionen mitnahm. Es ist steinhartes Vollkornbrot, wir haben es auch oft gegessen. Nach so viel Feiern sind wir bei achterlichem Südwest 4 - 5 nach Oslo gesegelt. Im Oslofjord staunen wir immer über die großen Wassertiefen, das Echolot zeigt oft gar nichts mehr an, für so große Tiefen ist es nicht vorgesehen. In den langen Oslofjord (ca. 50 sm) reinzusegeln, lohnt sich nur, wenn man in Oslo etwa unternehmen will. Ein Teil des Fjords ist nicht sehr breit, die Felsküsten sind hoch, so dass man da nur mit achterlichem Wind wirklich gut segeln kann.
Der innere Oslofjord ist wie ein großer See mit Inseln, hier kann man sehr schön segeln, auch gut aufkreuzen. Wir waren eine Woche in Oslo, die "Windrose" lag bestens versorgt beim KNS in Bygdply hier beim Königlichen Segelclub gibt's sogar einen Parkplatz für "Seine Majestät" und einen roten Teppich zum Klubhaus.

Mein Mann ist sehr unternehmungslustig, er war 4 Tage unterwegs, abwechselnd mit Flugzeug und Hurtigrute (Postdampfer) zu den Lofoten und nach Trondheim.
Die Reise mit dem Schiff an der nordnorweg. Küste, der Zauber der Mittsommer Sonne, 24 Std. Licht, ein Polarkreis-Zertifikat (die Bestätigung v. Kapitän der "Nordlys", über den Polarkreis gefahren zu sein), der Besuch des Nidaros - Domes (die einzige gotische Kirche im Norden und norwegische Krönungskirche), all das wird meinem Mann unvergesslich bleiben.

Ein "Muss" für einen Oslo - Besuch sind die Schiffahrts - Museen auf Bygdpöy Fram" (Amundsen und die Polar - Expeditionen) "Kon Tiki" (Thor Heyerdal), "Wikinger - Schiffe" und auch das "Nordische".
Das Aushängeschild der Stadt Oslo ist das große Rathaus, dessen Silhouette schon von weitem beim Einlaufen grüßt, unten hat es eine riesige Halle ausgeschmückt mit interessanten Wandmalereien, hier wird alljährlich der Friedensnobelpreis überreicht.

Als Kunstfreund muss man natürlich ins Munch - Museum. Wo sonst als in Oslo bekommt man mehr von diesem eigenwilligen Maler des Expressionismus und Symbolismus zu sehn?
In Oslo wird der norweg. Tourismus total vermarktet. Hier gibt's Postkarte vom Geirangerfjord, den Lofoten, vom Nordkap usw.

Die gewaltigen Naturschönheiten sind Norwegen's größtes Kapital: Die tiefen Fjorde, schneebedeckte Berge und Gletscher, Wasserfälle, die brausend und auch wieder zart wie ein Schleier herunterfallen.

Zum Schluss über den Oslo - Aufenthalt etwas, worüber sich besonders jedes Kind freut. Die meisten von uns kennen von Selma Lagerlöf "Nils Holgerssons wunderbare Reise", der kleine Junge reist auf dem Rücken einer Graugans über Schweden.
Ebensolche Graugänse kamen in Bygdöy jeden Abend an unser Boot. Auf der "Windrose" gibt's immer Futter für die Gefiederten.
Enten und Schwäne verschwinden schnell wieder, wenn nicht mehr gefüttert wird. Nicht so die Graugänse, sie leisteten uns den ganzen Abend leise schnatternd Gesellschaft.
Als wir am 5. Juli frühmorgens in Oslo ablegten, gackerte eine "Akka" hinter uns her.

Hatten wir auf der Hinreise unseren schon beschrieben Altersbonus kriegten wir es anfangs auf der Rückreise von vorn und mussten uns in Geduld üben. Im äußeren Oslofjord mussten wir kreuzen bei SW 6, aber unverhältnismäßig hoher Dünung, dass wir uns eben nördl. von Horten in eine sehr schmale Bucht verkrochen haben. An beiden Seiten waren hohe Felswände, 40 m Ankerkette hatten wir draußen, und noch immer rappelte es im Rigg Abends wurde es ruhiger, und wir haben uns in eine andere Bucht verholt, lieblicher anzusehn mit schönen Holzhäusern und kleinen Wiesen. Die Abendsonne (bis 23.00 Uhr) tauchte alles in schimmerndes Rotgold.
Von da an legten wir wieder um 7.00 Uhr oder noch  früher ab, der Wind ist hier nach Mittag wesentlich stärker. So sind wir wieder gut im westschwed. Schärengarten gelandet. In der Danmark - Bucht (nahe dem Hamburgsund) auf Anker liegend bekamen wir ein starkes Gewitter, bei ein paar Booten hielt der Anker nicht, es ging aber alles gut ab.
In Smögen waren wir 4 Tage bei SW 6-7 eingeweht. Wir lagen vorn bei der Segelmacherei Syversen bestens versorgt, haben aber durch die einlaufende Dünung tüchtig geschaukelt. Der Bobo Syversen ist schon fast ein Freund, er gibt meinem Mann sein Auto, damit er zum Golfplatz fahren kann Eine richtig nette Familie!
Dies Mal hat er uns ganz tolle Segeljacken geschenkt. Gelb mit ein bisschen Blau, Schwedenfarben hat Bobo gesagt und dabei gelacht.
So haben wir auch diese Windtage gut überstanden, es war schönes Wetter, und Langusten und Krabben gab's "satt".
Irgendwann ist man die schönsten Hafentage leid, und man wird leichtsinnig. Bei WSW 5 ging das richtig gut los, aber im Schärenweg kurz vor Lysekil bekamen wir ein Gewitterschauer mit 30/32 m/sec. Wind, dazu prasselnder Regen, dass man kaum noch etwas sehen konnte.
Da war ich schon froh, dass etliche Schweden - Boote in unserer Nachbarschaft waren. Ich hab mir gedacht, die werden sich in ihren Steinen wohl gut auskennen und hab mich ein bisschen daran orientiert.
Überhaupt ist der Wind in den Schären nicht so kalkulierbar wie bei uns .Z..B. sind wir von Marstrand losmotort bei SO, der kaum eine Windstärke hatte und Nieselregen. Kurz vor der Inselgruppe Rörö / Björkö / Ockero hielt der Regen auf, und der Wind ging ruckartig auf SW und hatte 19 m/sec noch zunehmend blies er dann den ganzen Tag weiter.

Von solchen Situationen haben uns schwedische Segler schon öfter erzählt. Ein traumhafter Ankerplatz zwischen den Steinen ist auf einmal gar nicht mehr traumhaft.

Unsere Rückreise ging dann zügig mit schwachem Wind und viel Sonne über Laesö nach Anholt, Seglertreffpunkt und Sommerparadies für Groß und Klein. Wir haben Anholt genossen genauso wie einen wunderschönen Sommertag in Langör. Diese Ankerbucht im Norden Samsös gehört wohl zu den hübschesten und urigsten in Dänemark.

Es war rundum eine wunderschöne Reise, die günstigen Wind- und Wetterverhältnisse haben es uns leicht gemacht, wir haben viel gesehn und erlebt.
Seglerleben ist bunt und schön!

Irmgard Quay