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Sommerreise 2003

"Pings, ach wie scheun,

wenn de Natur so greun . ..*'

heißt es so nett in dem alten Hamburger Lied.

Am Pfingstwochenende starteten wir zu unserer Sommerreise. Das Früh­jahr war schön und der Mai ungewöhnlich warm gewesen, die Sonnenhun­grigen lagen in Scharen am Strand von Solitüde. Wenn wir an unsere vielen Segelsommer zurückdenken, hatten wir im Mai fast immer Pulloverwetter. Hermann hatte im Mai schon viele Einhandsegeltage hinter sich, war also gut durchtrainiert.

Die Kühlkiste voll mit all den Köstlichkeiten des Frühsommers wie Spargel und Erdbeeren, dazu 20 Pfund neue Kartoffeln, ging's also los. Es waren nicht gerade "hopperige Pingsn", aber das Wetter war doch sehr durchwachsen, über Sonderburg, den Kleinen Belt nach Middelfart, dann nach Juelsminde. Ab und an ein Schauer oder kurzes Gewitter. Pfingstmontag hatten wir Starkwind aus NW, an einem Feier­tag sollte man nicht so hart arbeiten, haben wir uns gedacht und blieben in Juelsminde. Geduld haben lernt man meist erst im Alter, eine gute Eigenschaft, die sich oft auszahlt.

So ging am Dienstag bei West 4 die Reise ganz gemütlich weiter nach Grenaa, 48 sm ohne Anstrengung. Unsere normale Reiseroute nach Norden geht von Grenaa über die Aalborgbucht nach Saeby und dann nach Skagen. Jetzt hatten wir eine Verabredung auf Anholt, Caroline und Hans Heinrich mit ihrer "Nele V" waren da, sie fast 80 und er im Oktober 86. Die von Wind und Wetter gegerbten Skageraküberquerer und Norwegenfans sind zahm geworden, das Alter zähmt alle. Vor 2 Jahren waren sie noch in Bergen, diesen Sommer ist Anholt der nördlichste Punkt. Der Hafen in Anholt war Anfang Juni noch ein Seglerparadies, so ca. 30 Schiffe lagen längsseits an den Schlengeln und der Brücke, von so was können die Sommerurlauber nur träumen. Dazu wunderschönes Wetter und die langen Juniabende, so daß man unbedingt auf den Berg oder die Mole mußte, um sich an dem herrlichen Sonnenuntergang zu erfreuen. Der Wind wehte aus NW - N so um die 5, daß der Törn nach Göteborg nicht so ideal war. Wir genossen 3 Tage Anholt, jeden Tag Hummerhalen vom Fischer und jeden Abend Abschiedfeiern mit Caroline und Hans Heinrich, von den Gläsern Wein spricht und schreibt Caroline heute noch.

Es war so richtig schön.

Sonntag, 15. Juni, ging's bei West 5 weiter nach Norden. Vorbei an Fladen und Nidingen waren wir nach 9 Stunden und knapp 50 sm an einer Boje fest in einer gut geschützten Bucht Monster - Hästholmen, das ist der südlichste Teil der Göteborger Außenschären. Am nächsten Tag waren es nur noch 26 sm bis nach Lillabommen, mitten in Göteborg. Da müssen wir immer hin, um Katze Ju!e beim Zoll einzuklarieren. Ein Witz ist das schon, ich geh nur in das Büro vom "Tull", bekomme den Stempel, die Katze hab ich gar nicht mit, da fragt keiner nach. Dabei ist das im Ohr tätowierte Identitäts - Kennzeichen ein Bestandteil der Einreisebestimmungen. Das einzig Ungemütliche ist, das ganze Personal läuft bewaffnet rum, und alle Türen sind verschlossen, wie im Hochsicherheitstrakt.

Aber beim anschließenden Shopping in Göteborg ist das Zoll - Abenteuer schnell vergessen. Die finnischen Marimekko - T-Shirts haben es mir an­getan. Außer natürlich in Helsinki gibt es so eine tolle Auswahl nur noch in den beiden NK - Kaufhäusern in Göteborg und Stockholm. Fast alle T-Shirts sind gestreift, das Design kommt von 1957 und heißt auf finnisch Jokapoika - Hemd, zu deutsch "Jeder Junge". Marimekko liefer­te damals die Uniform für den geringelten Aufstand gegen die Konven­tionen. Es war der Beginn der gesellschaftlichen Veränderungen in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, und das sollte sich auch in der Mode ausdrücken.

Das Letztere und noch vieles mehr war außer Segeln in diesem Jahr ein Thema für mich. Ich hatte ein Lexikon "Skandinavisches Design" an Bord, war mit viel theoretischem Wissen voll gestopft, bei den Landgängen wurde nun alles beguckt: "Ameisen" - Stühle von Arne Jacobsen, Tischwäsche von Klässbols (die machen z. B. alles für die Nobel - Bankette, die schwedischen Botschaften und natürlich für das Königshaus), Lampen von Poulsen, Glas von Orrefors, Kosta Boda und Ittala, um nur etwas zu nennen. Sich damit zu beschäftigen, war sehr interessant für mich und ist es immer noch. Design hat ja auch etwas mit Kunst zu tun. Man kann die schönen Sachen ja nicht alle haben, aber das Wissen darum ist schon toll.

Wir hatten die Woche vor Mittsommer, unsere schwedischen Freunde von der Insel Öckerö gingen in Ferien, und am Abend des l7 Juni trafen wir uns im Naturhafen der Insel Instön in den Marstrand Schären. Bald nach der Begrüßung sagte Gunnar uns, es wäre "Kyling" angesagt, also Starkwind. Morgen müßten wir uns weiter rein verkriechen. Da wundere ich mich oft, mit wieviel Respekt diese Küstenbewohner den Naturgewalten begegnen. Als Kinder von Fischern auf einer Insel direkt am Skagerak geboren, achten sie die Spielregeln anders als wir. Immer eine Schwimmweste um und Besatzung und Schiffsmaterial riskiert man nicht aus Spaß. Ausnahmen bestätigen wie überall die Regel, aber bei uns sind diese Ausnahmen recht häufig. Die Seenot - Kreuzer sind recht häufig für Sportboote und deren Leichtsinn unterwegs.

Gunnar wußte einen sicheren Platz zum Mittsommerfeiern: Almönsund, gleich hinter der Stenungsund - Brücke an der Tjörn - Seite. Und Gunnar kam in's Schwärmen, ein ganz großer, guter Supermarkt wäre auch in der Nähe. Das können wir als Stadtbewohner nicht so recht nachvoll­ziehen, aber die Inselbewohner genießen das Riesenangebot in einem Super - Markt.

Es ist wirklich schön in Almönsund, da waren wir bestimmt nicht das letzte Mal. Eine kleine Werft und zu beiden Seiten der gut geschützten Bucht Schlengel, allerdings die meisten ohne Wasser und Strom Gunnar behielt Recht, es wehte wirklich 3 Tage.

Der Super - Markt war nur 5 Minuten Fußweg entfernt und bot alles Gute für den Mittsommertag, am wichtigsten eingelegte Heringe. Die schönste Überraschung aber hatte mein lieber Käptn parat. Im Supermarkt hatte er sich durchgefragt, Erdbeeren waren einfach zu finden, dann "Boden für Torta". Am schwierigsten war es für ihn, Sahne auf zutreiben. Was in Dänemark "Floede" heißt, ist in Schweden "Grädde", das soll man wissen. Diese Sachen hatte Hermann sich also klammheimlich besorgt, und in der Mittagspause spielte er den Konditor. Ich hab gestaunt, mit wieviel Geschick da eine Erdbeertorte entstand. Am Nachmittag war sie schnell verputzt, natürlich auch zum Jubel der 3 Jungs von Gunnar und Marie.

Am Samstag zogen wir dann wieder eigene Wege. Bei West 5-6 kann man im Innenfahrwasser gut segeln, und so waren wir abends nach einem schönen Segeltag in Ellös bei Hallberg Rassy fest, "Windrose's" Elternhaus sag ich dazu. Da lagen schon die neuen Typen 37, 40 u. 43, offiziell noch nicht vorgestellt, die haben wir abends begutachtet.

Am Sonntag, 22. Juni, war's mit dem Wind erst mal vorbei, schwacher Süd, aber schönes Wetter. Mit einer Mittagspause in der Danmark-Bucht, südlich vom Hamborg - Sund, waren wir abends in Grebbestad, das ist da abends recht nett an der Segler - Brücke, schwedischer Sommer - Treff, bunte Shops, die lange geöffnet haben und unkomplizierte, kleine Restaurants, wo es vor allem frische Räkor, also Krabben, gibt. Im Hochsommer ist es schwierig, dort einen Liegeplatz zu bekommen, dann liegen die Schiffe schon mal in 3er Reihen hintereinander.

Mit dem Wetterschreiber hat man heute ja die Aussichten der nächsten 5-6 Tage, die ersten beiden stimmen meistens, und wenn man nicht mehr so ganz neu ist, ist es auch recht gut, die nächsten Tage wetter­mäßig, vor allem die Windaussichten kalkulieren zu können. An der Skagerak - Küste sind längst nicht alle Häfen und Ankerplätze bei jeder Windrichtung geschützt. Da legt man sich abends irgendwo hin und liegt wie in Abraham's Schoß, über Nacht dreht der Wind, und morgens sitzt man in der Mausefalle.

So machten wir uns Montag früh auf den Weg, um mittags schon in Strömstad zu sein. Um die Zeit bekommt man noch gut einen Platz, ansonsten ist es hier ein Kommen und Gehen, Strömstad ist Grenzstadt, und die Norweger kommen hier zu Hauf, egal ob auf dem Wasser- oder Landweg, vieles kaufen sie hier billiger und am liebsten alles Alkoholische im Systembolaget. In Strömstad werden 2 Hafentage nicht langweilig. Direkt am Hafen ist eine schöne Schwimm - Halle, da freut Hermann sich jedes Mal drauf. Bei Wind und Regen haben wir schon ein paar Mal in Strömstad gelegen, am Eingang zum Oslofjord halten sich die Wolken fest.

Wenn wir mal meinen, jetzt ist wirklich gar nichts mehr los, dann sorgt Katze Jule für Spaß. So ein kleines Schiff bietet einem Vierbeiner nicht gerade viel Auslauf, aber eine Katze kann ja außer laufen genauso gut springen. Und Turnkunststücke! An der Großschot hoch und rauf auf den Großbaum und rüber balanciert zum Mast. Im Hafen freuen sich die Nach­barn. Zirkus - Katze!

Nun hatten wir den 25. Juni, der Wetterschreiber prophezeite für die nächsten Tage handliche, nördliche Winde. Wir hatten uns für diese Reise kein Ziel gesetzt, z. B. Oslo oder so. Ziele brauchen wir uns beim Segeln nicht mehr setzen, erstens sind wir zu alt dafür, zweitens haben wir unsere seglerischen Ziele erreicht, 2 x in Bergen, 3 x in Stockholm, Gotland, die Alandsinseln, die norwegische Südküste und Oslo viele Male. Was lag also näher, wenn Petrus uns das schon anbot, als wieder Süd zu machen?

So sind wir am Nachmittag des 25. Juni bei flottem NW 4 - 5 an den schönen Koster - Inseln vorbei in den Havstensund gesegelt. Da sind ein paar hübsche Ankerbuchten. Die Lieblingsplätze der Schweden haben in­zwischen auch ein paar stabile Moorings, um diese Zeit hat man noch Glück, eine zu erwischen. Trotz vorhandener Ankerwinde ist es doch toll, einfach nur ein Tau an der Tonne festzumachen.

Der versprochene leichte NW - Wind kam, und so zogen wir vom Havstensund den äußeren Schärenweg runter, wieder durch den maleri­schen Hamburgsund, an Hunnebostrand vorbei, durch den engen Soten-Kanal nach Smögen. Es war eine schöne Reise an diesem Sommermorgen. Die Sonne hellte die nackten Felsen auf, bei dem wenigen Wind war es eine geradezu friedliche Welt. Aber wehe, wenn auflandiger Starkwind oder gar Sturm ist und das Skagerak seine ganze Gewalt rausläßt!!

Smögen gefiel uns in früheren Jahren besser. Da kamen am Spätnach­mittag bis in die Abendstunden die Fischkutter eingelaufen, 25 bis 30 Stück, einer nach dem anderen lieferte seinen Fang ab, am meisten "Räkor", die sind das Aushängeschild, der Leckerbissen der Provinz Bohuslän. Ein riesiger Schwarm Möwen begleitete die Kutter mit lautem Gekreische. Abends war noch Auktion, und die Kühltransporter zogen ratternd in die Nacht. Damals hatte Smögen noch eine tolle, urige Atmosphäre. Heute ist der kleine Ort für 10 Wochen im Sommer ein Touristen - Spektakel, aus den rotbraunen Fischerbuden sind Boutiquen geworden.

Nicht so extrem wie in Smögen, aber ähnlich ist es in den anderen Fischerorten auch. Es wird kaum noch gefischt, Krabben nahe der Küste, aber wenig Fisch. In Dänemark ist es genauso, aus dem kleinsten Fischer­hafen ist heute ein Jachthafen geworden.

Freitag, 27. Juni, es war schwachwindig, sonnig und warm. Siebenschläfer! Das war doch ein gutes Omen. Wir machten an Lysekil vorbei, mit seiner markanten Kirche auf dem Berg, nur 14 sm, um gleich am Eingang des Geteviksundes vor Anker zu gehen. Hermann baute das Sonnensegel auf, unseren sogen. Bimbie. Ein fauler Tag. Ja, bis ...

Eigentlich war schon Feirabend, ich war in der Kajüte am Telefonieren, und Hermann machte ein kleines Verholmanöver, um noch etwas geschützter zu liegen oder um mal eine andere Kulisse zu haben. Keine Hektik, keine Probleme, alles ganz einfach. Dann machte Hermann etwas, was er sonst nie tut und worüber er sich bei anderen mokiert: er fährt rückwärts, um den Anker einzugraben. Dabei fährt er sich das Tau von Schlauch­boot "Max" in die Schraube. Zum Glück lagen wir nicht allein in der Ankerbucht. Also haben wir das Tau gekappt, und ich bin mit "Max" losgerudert zu den Motorbooten, die am Felsen lagen. Glück muß der Mensch haben. Gleich der Erste, den ich fragte, hatte eine Taucherausrüstung. Es waren sportliche und fröhliche, junge Leute. Einmal unter Wasser und alles war wieder okay. Wir waren wieder manövrierfähig, und die hilfsbereiten Schweden hatten 4 Flaschen Rotwein und bestimmt einen lustigen Abend. Tau in der Schraube - für uns war das ein Novum.

Am Samstagmorgen stand der junge Schwede schon an Deck und winkte uns zum Abschied, als wir uns auf den Weg machten. So was ist auch eine Art Völkerverständigung. Wir liefen durch das enge Fahrwasser, das manchmal nur Grabenbreite hat, an Basholmen vorbei nach Henan. Dieser kleine Ort ist vielen Seglern durch die Najad - Jachten be­kannt. Für die Insel Orust ist es ein zentraler Versorgungspunkt, Bank, Post, Supermarkt, Fischgeschäft, Bibliothek usw.

Gut versorgt mit Frisch - Proviant gingen wir am Nachmittag noch weiter nach Stillingsön, eine idyllische Ankerbucht. Stillingsön ist eine alte schwedische Sommerfrische mit gepflegten, herrschaft­lichen Jugendstil - Häusern und einem Freibad. Am Sonntagmorgen gab's eine neue Überraschung. Der Wind hatte auf NO gedreht, etwas aufge­frischt und war nun auflandig. Alle anderen Boote lagen an Bojen und dicht nebeneinander, so daß wir nicht viel Kette draußen hatten. Als wir aus dem Fenster guckten, tickten wir ein Boot an und rutsch­ten schnell an das nächste Boot. Gott sei Dank verhakte sich der Anker nicht. Mit viel Geschick hat Hermann sich da wieder rausge­wurschtelt. Mit üblichem Geschick muß ich eigentlich sagen, ich hab nämlich einen wirklich tüchtigen Kapitän, so was gibt einer Bordfrau Sicherheit.

Das Malheur war schnell vergessen bei dem herrlichen Segelwind,

NO 4 - 5, eine Sonntagsbrise. Es ging zügig durch den Askerö-Fjord an Stenungsund vorbei. Mittags waren wir in Marstrand, schwedisches Segler - Mekka. Dort war es mit Liegeplätzen eng. Es waren Match - Races, und 2 Schlengel waren für die Regatta-Segler reserviert. Da müssen sich die Urlaubssegler behelfen, auch wir waren froh, einen Platz, wenn auch ohne Strom und Wasser, zu bekommen.

Der Wetterbericht kündigte ein Schlechtwettergebiet an. Am Montag, 30. Juni, legten wir früh ab. Hatten wir tags zuvor noch strahlend­blauen Himmel gehabt, so war es nun griesgrau. Aber nach 4 Stunden waren wir gut in Langedrag fest. Hier konnte man es aushalten, und hier mußten wir es auch erst mal aushalten. Regen, Regen, Regen ...

3 Tage blieben wir in Langedrag. Morgens sind wir mit der Straßen­bahn nach Göteborg reingefahren, eingekauft oder ein Museum besucht, Mittag gegessen im NK - Kaufhaus. Nach 3 Tagen mochte mein lieber Mann aber keine chinesischen Nudeln mehr sehn. Ich fand das eigent­lich ganz gut, normalerweise wird bei uns an Bord jeden Tag gekocht.

Clubkameraden sorgten für ein bißchen Unterhaltung, die "Ole" mit Koch's sen., "Penelope" mit Koch's jun. und "Fix und fertig" mit Familie Dirk Petersen. Alle drei Schiffe waren erst am Anfang ihrer Ferien und darum von dem schlechten Wetter noch weniger begeistert als wir.

Am Freitag, 4. Juli, sind wir aufgebrochen Richtung dänische Küste. Wir hatten Nordwind so um die 4, als wir ablegten. Es war ungemüt­lich, grau in grau, noch bei Vinga haben wir uns überlegt, ob wir uns das antun sollen. Für 4 Windstärken hatten wir viel Dünung, der Anlauf ist groß aus dem Skagerak, aber es ließ auch vermuten, daß weiter draußen mehr Wind war. Es war ein mühseliges Vorwärtskommen. Nach 3 Stunden frischte der Wind auf, Nord 5 - 6. Es lief gut, aber

bei der vielen Dünung konnten wir nicht auf Höhe segeln und mußten Skagen als Ziel vergessen. Abends waren wir nach 51 sm müde, aber zufrieden in Saeby fest. Wie das so ist, am Tag darauf war es schwach­windig und plattes Wasser, da hätten wir bequem rübermotoren können. Und doch, das seglerische Erlebnis war viel, viel schöner gewesen.

Der Samstag war ein strahlender, warmer Sommertag, wir genossen ihn in Saeby. Der Sonntag wurde wirklich eine Sonntags - Segelreise. Anfangs hatten wir nur West 2-3, der aber langsam zunahm auf 5 Es wurde ein wunderschöner Segeltörn über die Aalborg - Bucht, blauer Himmel, gute Sicht, es lief, daß das Seglerherz lachte. Nach knapp 60 sm waren wir nach 10 1/2 Stunden abends in Grenaa.

Die Windrichtung paßte weiter. Tags darauf konnten wir bei W - 5 nach Langör segeln. Dieser Naturhafen auf Samsö ist einer unserer Lieblingsplätze. Eine urige Landschaft in einem Naturreservat. Hier ist das Seglerleben noch individuell und wird es auch immer bleiben, es ist kein Platz für viele. In Langör tritt keiner dem anderen auf die Füße, in dem kleinen Hafen ist es zu jeder Zeit gemütlich. Langör hat sein eigenes Seglervolk, man muß sich mit Wenigem zufrieden geben, nur ein Kiosk, um Brot und Kleinkram zu kaufen, aber an einer Gartenpforte gibt es Kartoffeln, Zwiebeln, Salat und Tomaten. In Langör lag wieder unsere "Nele V". Welch eine Freude auf beiden Seiten! Caroline und Hans Heinrich waren 3 Wochen auf Anholt gewesen, ein paar Tage in Grenaa, und nun genossen sie Langör. Und wir mit ihnen! Wieder blieben wir 2 Tage zusammen und hatten viel, viel zu erzählen. Und abends haben wir Abschied gefeiert. Ja, ja, wer weiß, wann und wo wir uns wiedersehen werden...

Am Mittwoch, 9. Juli, machten wir weiter Süd, während unsere beiden "Graugänse" noch in Langör blieben. Mit NW 4, zunehmend 5, liefen wir flott unter Halbwinder an Fynshoved vorbei, unter der Store Belt Brücke durch nach Nyborg. Ein schöner Segeltag, wieder hatten wir 46 sm auf dem Log. In Nyborg gibt's viel zu sehn. Das ganze Hafenmilieu ändert sich. Durch den Brückenbau sind die Fähren weggefallen. Auf dem ehemaligen Fährterminal entsteht jetzt "Venezia in Scandinavia". Ein Senioren­heim ist schon fertig, Wohnhäuser werden gebaut, ganz locker ange­ordnet, dazwischen Kanäle (Venezia!). Restaurants sollen entstehen, es wird Seglern wie Landlubbers etwas geboten. Eine gewaltige In­vestition, die hoffentlich zum Leben erweckt wird und sich bezahlt macht.

Mit Karamell - Kränzen von Konditorei Gert (die müssen sein!) segelten wir am Donnerstag weiter nach Thurö und hatten einen schönen Nachmittag und Abend auf Anker.

Freitag, 11. Juli, war wieder ein kleines Verholmanöver, es war gewittrige Luft, bei SW 3 kamen wir halb gesegelt, halb motort nach Faaborg. Dieses Städtchen mag ich besonders gern, weil es so typisch dänisch ist. Die kleinen, geduckten Häuschen, oft noch in Fachwerk, im Juli die blühenden Stockrosen davor, die kleinen Seitengassen mit Kopfsteinpflaster. Ein Städtchen wie eine Puppenstube, aber auch kein Museum wie Aerösköbing.

Auch in Faaborg tut sich was. Venezia scheint z. Zt. der dänische Architekten - Traum zu sein! Jedenfalls wird auf dem Gelände der ehe­maligen Gelting - Fähre auch gebaut, Kanäle gezogen, Brücken, eine recht hübsche Sache, wenn's fertig ist. Segler laufen ja meist nicht gern und weit, aber hier können sie promenieren, Klönschnack machen und ihr Schiff immer noch im Auge haben. Landratten wird es bestimmt anziehen, die begucken sowieso gern das bunte Seglervolk.

Samstagmorgen wehte es frisch aus West 5-6. Anfangs bedeckt, später klarte es auf. Bis Alsen - Süd lief es prächtig, ja fast gemütlich. Dann ging das Kreuzen los. Die Außenförde ist bei frischem Westwind ein knubberiges Pflaster. Na ja, mit jedem Meter weiter wird die Dünung weniger - ein Trost -, und wenn man nach Hause will, dann ist so ein sportlicher Abschluß auch okay. Vor Hörup Hav lagen wir ruhig vor Anker, der Wind legte sich abends, und der Wetterbericht kündigte ein umfang­reiches Hoch an.

Davon bekamen wir am Sonntag, 13. Juli, auf dem Weg nach Glücksburg schon eine Ahnung, schwachwindig und sehr warm. Es war der Beginn der ungewöhnlichen Hitzeperiode 2003.

Wir hatten wieder eine wunderschöne Sommerreise, erlebnisreiche Tage an Bord, sportliche Segeltörns, interessante Häfen und idyllische Ankerplätze, Begegnungen mit vielen netten Menschen.

Schiff und Besatzung sind heil nach Hause gekommen. Was soll man sich mehr wünschen? Ja doch, daß der liebe Gott es gibt, daß es noch ein paar weitere Sommerreisen gibt. 2 Wochen später wurde mein lieber Mann 76 Jahre "jung".


Ir. Quay September 2003