"Pings,
ach wie scheun,
wenn
de Natur so greun . ..*'
heißt
es so nett in dem alten Hamburger Lied.
Am
Pfingstwochenende starteten wir zu unserer Sommerreise. Das Frühjahr
war schön und der Mai ungewöhnlich warm gewesen, die
Sonnenhungrigen
lagen in Scharen am Strand von Solitüde. Wenn wir an unsere
vielen Segelsommer zurückdenken, hatten wir im Mai fast immer
Pulloverwetter. Hermann hatte im Mai schon viele Einhandsegeltage
hinter sich, war also gut durchtrainiert.
Die
Kühlkiste voll mit all den Köstlichkeiten des Frühsommers
wie Spargel und Erdbeeren, dazu 20 Pfund neue Kartoffeln, ging's
also los. Es waren nicht gerade "hopperige Pingsn",
aber das Wetter war doch sehr durchwachsen, über Sonderburg,
den Kleinen Belt nach Middelfart, dann nach Juelsminde. Ab und
an ein Schauer oder kurzes Gewitter. Pfingstmontag hatten wir
Starkwind aus NW, an einem Feiertag sollte man nicht so hart
arbeiten, haben wir uns gedacht und blieben in Juelsminde. Geduld
haben lernt man meist erst im Alter, eine gute Eigenschaft, die
sich oft auszahlt.
So
ging am Dienstag bei West 4 die Reise ganz gemütlich weiter
nach Grenaa, 48 sm ohne Anstrengung. Unsere normale Reiseroute
nach Norden geht von Grenaa über die Aalborgbucht nach Saeby
und dann nach Skagen. Jetzt hatten wir eine Verabredung auf Anholt,
Caroline und Hans Heinrich mit ihrer "Nele V" waren
da, sie fast 80 und er im Oktober 86. Die von Wind und Wetter
gegerbten Skageraküberquerer und Norwegenfans sind zahm geworden,
das Alter zähmt alle. Vor 2 Jahren waren sie noch in Bergen,
diesen Sommer ist Anholt der nördlichste Punkt. Der Hafen
in Anholt war Anfang Juni noch ein Seglerparadies, so ca. 30 Schiffe
lagen längsseits an den Schlengeln und der Brücke, von
so was können die Sommerurlauber nur träumen. Dazu wunderschönes
Wetter und die langen Juniabende, so daß man unbedingt auf
den
Berg oder die Mole mußte, um sich an dem herrlichen Sonnenuntergang
zu erfreuen. Der Wind wehte aus NW - N so um die 5, daß
der Törn nach Göteborg nicht so ideal war. Wir genossen
3 Tage Anholt, jeden Tag Hummerhalen vom Fischer und jeden
Abend Abschiedfeiern mit Caroline und Hans Heinrich, von den Gläsern
Wein spricht und schreibt Caroline heute noch.
Es
war so richtig schön.
S
onntag,
15. Juni, ging's bei West 5 weiter nach Norden. Vorbei an Fladen
und Nidingen waren wir nach 9 Stunden und knapp 50 sm an einer
Boje fest in einer gut geschützten Bucht Monster - Hästholmen,
das ist der südlichste Teil der Göteborger Außenschären.
Am nächsten Tag waren es nur noch 26 sm bis nach Lillabommen,
mitten in Göteborg. Da müssen wir immer hin, um Katze
Ju!e beim Zoll einzuklarieren. Ein Witz ist das schon, ich geh
nur in das Büro vom "Tull", bekomme den Stempel,
die Katze hab ich gar nicht mit, da fragt keiner nach. Dabei ist
das im Ohr tätowierte Identitäts - Kennzeichen ein Bestandteil
der Einreisebestimmungen. Das einzig Ungemütliche ist, das
ganze Personal läuft bewaffnet rum, und alle Türen sind
verschlossen, wie im Hochsicherheitstrakt.
Aber
beim anschließenden Shopping in Göteborg ist das Zoll
- Abenteuer schnell vergessen. Die finnischen Marimekko - T-Shirts
haben es mir angetan. Außer natürlich in Helsinki
gibt es so eine tolle Auswahl nur noch in den beiden NK - Kaufhäusern
in Göteborg und Stockholm. Fast alle T-Shirts sind gestreift,
das Design kommt von 1957 und heißt auf finnisch Jokapoika
- Hemd, zu deutsch "Jeder Junge". Marimekko lieferte
damals die Uniform für den geringelten Aufstand gegen die
Konventionen. Es war der Beginn der gesellschaftlichen Veränderungen
in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, und das sollte sich
auch in der Mode ausdrücken.
Das
Letztere und noch vieles mehr war außer Segeln in diesem
Jahr ein Thema für mich. Ich hatte ein Lexikon "Skandinavisches
Design" an Bord, war mit viel theoretischem Wissen voll gestopft,
bei den Landgängen
wurde nun alles beguckt: "Ameisen" - Stühle von
Arne Jacobsen, Tischwäsche von Klässbols (die machen
z. B. alles für die Nobel - Bankette, die schwedischen Botschaften
und natürlich für das Königshaus), Lampen von Poulsen,
Glas von Orrefors, Kosta Boda und Ittala, um nur etwas zu nennen.
Sich damit zu beschäftigen, war sehr interessant für
mich und ist es immer noch. Design hat ja auch etwas mit Kunst
zu tun. Man kann die schönen Sachen ja nicht alle haben,
aber das Wissen darum ist schon toll.
Wir
hatten die Woche vor Mittsommer, unsere schwedischen Freunde von
der Insel Öckerö gingen in Ferien, und am Abend des
l7 Juni trafen wir uns im Naturhafen der Insel Instön in
den Marstrand Schären. Bald nach der Begrüßung
sagte Gunnar uns, es wäre "Kyling" angesagt, also
Starkwind. Morgen müßten wir uns weiter rein verkriechen.
Da wundere ich mich oft, mit wieviel Respekt diese Küstenbewohner
den Naturgewalten begegnen. Als Kinder von Fischern auf einer
Insel direkt am Skagerak geboren, achten sie die Spielregeln anders
als wir. Immer eine Schwimmweste um und Besatzung und Schiffsmaterial
riskiert man nicht aus Spaß. Ausnahmen bestätigen wie
überall die Regel, aber bei uns sind diese Ausnahmen recht
häufig. Die Seenot - Kreuzer sind recht häufig für
Sportboote und deren Leichtsinn unterwegs.
Gunnar
wußte einen sicheren Platz zum Mittsommerfeiern: Almönsund,
gleich hinter der Stenungsund - Brücke
an der Tjörn - Seite. Und Gunnar kam in's Schwärmen,
ein ganz großer, guter Supermarkt wäre auch in der
Nähe. Das können wir als Stadtbewohner nicht so recht
nachvollziehen, aber die Inselbewohner genießen das
Riesenangebot in einem Super - Markt.
Es
ist wirklich schön in Almönsund, da waren wir bestimmt
nicht das letzte Mal. Eine kleine Werft und zu beiden Seiten der
gut geschützten Bucht Schlengel, allerdings die meisten ohne
Wasser und Strom Gunnar behielt Recht, es wehte wirklich 3 Tage.
Der
Super - Markt war nur 5 Minuten Fußweg entfernt und bot
alles Gute für den Mittsommertag, am wichtigsten eingelegte
Heringe. Die schönste Überraschung aber hatte mein lieber
Käptn parat. Im Supermarkt hatte er sich durchgefragt, Erdbeeren
waren einfach zu finden, dann "Boden für Torta".
Am schwierigsten war es für ihn, Sahne auf zutreiben. Was
in Dänemark "Floede" heißt, ist in Schweden
"Grädde", das soll man wissen. Diese Sachen hatte
Hermann sich also klammheimlich besorgt, und in der Mittagspause
spielte er den Konditor. Ich hab gestaunt, mit wieviel Geschick
da eine Erdbeertorte entstand. Am Nachmittag war sie schnell verputzt,
natürlich auch zum Jubel der 3 Jungs von Gunnar und Marie.
Am
Samstag zogen wir dann wieder eigene Wege. Bei West 5-6 kann man
im Innenfahrwasser gut segeln, und so waren wir abends nach einem
schönen Segeltag in Ellös bei Hallberg Rassy fest, "Windrose's"
Elternhaus sag ich dazu. Da lagen schon die neuen Typen 37, 40
u. 43, offiziell noch nicht vorgestellt, die haben wir abends
begutachtet.
Am
Sonntag, 22. Juni, war's mit dem Wind erst mal vorbei, schwacher
Süd, aber schönes Wetter. Mit einer Mittagspause in
der Danmark-Bucht, südlich vom Hamborg - Sund, waren wir
abends in Grebbestad, das ist da abends recht nett an der Segler
- Brücke, schwedischer Sommer - Treff, bunte Shops, die lange
geöffnet haben und unkomplizierte, kleine Restaurants, wo
es vor allem frische Räkor, also Krabben, gibt. Im Hochsommer
ist es schwierig, dort einen Liegeplatz zu bekommen, dann liegen
die Schiffe schon mal in 3er Reihen hintereinander.
Mit
dem Wetterschreiber hat man heute ja die Aussichten der nächsten
5-6 Tage, die ersten beiden stimmen meistens, und wenn man nicht
mehr so ganz neu ist, ist es auch recht gut, die nächsten
Tage wettermäßig, vor allem die Windaussichten
kalkulieren zu können. An der Skagerak - Küste sind
längst nicht alle Häfen und Ankerplätze bei jeder
Windrichtung geschützt. Da legt man sich abends irgendwo
hin und liegt wie in Abraham's Schoß, über Nacht dreht
der Wind, und morgens sitzt man in der Mausefalle.
So
machten wir uns Montag früh auf den Weg, um mittags schon
in Strömstad zu sein. Um die Zeit bekommt man noch gut einen
Platz, ansonsten ist es hier ein Kommen und Gehen, Strömstad
ist Grenzstadt, und die Norweger kommen hier zu Hauf, egal ob
auf dem Wasser- oder Landweg, vieles kaufen sie hier billiger
und am liebsten alles Alkoholische im Systembolaget. In Strömstad
werden 2 Hafentage nicht langweilig. Direkt am Hafen ist eine
schöne Schwimm - Halle, da freut Hermann sich jedes Mal drauf.
Bei Wind und Regen haben wir schon ein paar Mal in Strömstad
gelegen, am Eingang zum Oslofjord halten sich die Wolken fest.
Wenn
wir mal meinen, jetzt ist wirklich gar nichts mehr los, dann sorgt
Katze Jule für Spaß. So ein kleines Schiff bietet einem
Vierbeiner nicht gerade viel Auslauf, aber eine Katze kann ja
außer laufen genauso gut springen. Und Turnkunststücke!
An der Großschot hoch und rauf auf den Großbaum und
rüber balanciert zum Mast. Im Hafen freuen sich die Nachbarn.
Zirkus - Katze!
Nun
hatten wir den 25. Juni, der Wetterschreiber prophezeite für
die nächsten Tage handliche, nördliche Winde. Wir hatten
uns für diese Reise kein Ziel gesetzt, z. B. Oslo oder so.
Ziele brauchen wir uns beim Segeln nicht mehr setzen, erstens
sind wir zu alt dafür, zweitens haben wir unsere seglerischen
Ziele erreicht, 2 x in Bergen, 3 x in Stockholm, Gotland, die
Alandsinseln, die norwegische Südküste und Oslo viele
Male. Was lag also näher, wenn Petrus uns das schon anbot,
als wieder Süd zu machen?
So
sind wir am Nachmittag des 25. Juni bei flottem NW 4 - 5
an den schönen Koster - Inseln vorbei in den Havstensund
gesegelt. Da sind ein paar hübsche Ankerbuchten. Die Lieblingsplätze
der Schweden haben inzwischen auch ein paar stabile Moorings,
um diese Zeit hat man noch Glück, eine zu erwischen. Trotz
vorhandener Ankerwinde ist es doch toll, einfach nur ein Tau an
der Tonne festzumachen.
Der
versprochene leichte NW - Wind kam, und so zogen wir vom Havstensund
den äußeren Schärenweg runter, wieder durch den
malerischen Hamburgsund, an Hunnebostrand vorbei, durch den
engen Soten-Kanal nach Smögen. Es war eine schöne Reise
an diesem Sommermorgen. Die Sonne hellte die nackten Felsen auf,
bei dem wenigen Wind war es eine geradezu friedliche Welt. Aber
wehe, wenn auflandiger Starkwind oder gar Sturm ist und das Skagerak
seine ganze Gewalt rausläßt!!
Smögen
gefiel uns in früheren Jahren besser. Da kamen am Spätnachmittag
bis in die Abendstunden die Fischkutter eingelaufen, 25 bis 30
Stück, einer nach dem anderen lieferte seinen Fang ab, am
meisten "Räkor", die sind das Aushängeschild,
der Leckerbissen der Provinz Bohuslän. Ein riesiger Schwarm
Möwen begleitete die Kutter mit lautem Gekreische. Abends
war noch Auktion, und die Kühltransporter zogen ratternd
in die Nacht. Damals hatte Smögen noch eine tolle, urige
Atmosphäre. Heute ist der kleine Ort für 10 Wochen im
Sommer ein Touristen - Spektakel, aus den rotbraunen Fischerbuden
sind Boutiquen geworden.
Nicht
so extrem wie in Smögen, aber ähnlich ist es in den
anderen Fischerorten auch. Es wird kaum noch gefischt, Krabben
nahe der Küste, aber wenig Fisch. In Dänemark ist es
genauso, aus dem kleinsten Fischerhafen ist heute ein Jachthafen
geworden.
Freitag,
27. Juni, es war schwachwindig, sonnig und warm. Siebenschläfer!
Das war doch ein gutes Omen. Wir machten an Lysekil vorbei, mit
seiner markanten Kirche auf dem Berg, nur 14 sm, um gleich am
Eingang des Geteviksundes vor Anker zu gehen. Hermann baute das
Sonnensegel auf, unseren sogen. Bimbie. Ein fauler Tag. Ja, bis
...
Eigentlich
war schon Feirabend, ich war in der Kajüte am Telefonieren,
und Hermann machte ein kleines Verholmanöver, um noch etwas
geschützter zu liegen oder um mal eine andere Kulisse zu
haben. Keine Hektik, keine Probleme, alles ganz einfach. Dann
machte Hermann etwas, was er sonst nie tut und worüber er
sich bei anderen mokiert: er fährt rückwärts, um
den
Anker einzugraben. Dabei fährt er sich das Tau von Schlauchboot
"Max" in die Schraube. Zum Glück lagen wir nicht
allein in der Ankerbucht. Also haben wir das Tau gekappt, und
ich bin mit "Max" losgerudert zu den Motorbooten, die
am Felsen lagen. Glück muß der Mensch haben. Gleich
der Erste, den ich fragte, hatte eine Taucherausrüstung.
Es waren sportliche und fröhliche, junge Leute. Einmal unter
Wasser und alles war wieder okay. Wir waren wieder manövrierfähig,
und die hilfsbereiten Schweden hatten 4 Flaschen Rotwein und bestimmt
einen lustigen Abend. Tau in der Schraube - für uns war das
ein Novum.
Am
Samstagmorgen stand der junge Schwede schon an Deck und winkte
uns zum Abschied, als wir uns auf den Weg machten. So was ist
auch eine Art Völkerverständigung. Wir liefen durch
das enge Fahrwasser, das manchmal nur Grabenbreite hat, an Basholmen
vorbei nach Henan. Dieser kleine Ort ist vielen Seglern durch
die Najad - Jachten bekannt. Für die Insel Orust ist
es ein zentraler Versorgungspunkt, Bank, Post, Supermarkt, Fischgeschäft,
Bibliothek usw.
Gut
versorgt mit Frisch - Proviant gingen wir am Nachmittag noch weiter
nach Stillingsön, eine idyllische Ankerbucht. Stillingsön
ist eine alte schwedische Sommerfrische mit gepflegten, herrschaftlichen
Jugendstil - Häusern und einem Freibad. Am Sonntagmorgen
gab's eine neue Überraschung. Der Wind hatte auf NO gedreht,
etwas aufgefrischt und war nun auflandig. Alle anderen Boote
lagen an Bojen und dicht nebeneinander, so daß wir nicht
viel Kette draußen hatten. Als wir aus dem Fenster guckten,
tickten wir ein Boot an und rutschten schnell an das nächste
Boot. Gott sei Dank verhakte sich der Anker nicht. Mit viel Geschick
hat Hermann sich da wieder rausgewurschtelt. Mit üblichem
Geschick muß ich eigentlich sagen, ich hab nämlich
einen wirklich tüchtigen Kapitän, so was gibt einer
Bordfrau Sicherheit.
Das
Malheur war schnell vergessen bei dem herrlichen Segelwind,
NO
4 - 5, eine Sonntagsbrise. Es ging zügig durch den
Askerö-Fjord an Stenungsund vorbei. Mittags waren wir in
Marstrand, schwedisches Segler - Mekka. Dort war es mit Liegeplätzen
eng. Es waren Match - Races, und 2 Schlengel waren für die
Regatta-Segler reserviert. Da müssen sich die Urlaubssegler
behelfen, auch wir waren froh, einen Platz, wenn auch ohne Strom
und Wasser, zu bekommen.
Der
Wetterbericht kündigte ein Schlechtwettergebiet an. Am Montag,
30. Juni, legten wir früh ab. Hatten wir tags zuvor noch
strahlendblauen Himmel gehabt, so war es nun griesgrau. Aber
nach 4 Stunden waren wir gut in Langedrag fest. Hier konnte
man es aushalten, und hier mußten wir es auch erst mal aushalten.
Regen, Regen, Regen ...
3 Tage
blieben wir in Langedrag. Morgens sind wir mit der Straßenbahn
nach Göteborg reingefahren, eingekauft oder ein Museum besucht,
Mittag gegessen im NK - Kaufhaus. Nach 3 Tagen mochte mein lieber
Mann aber keine chinesischen Nudeln mehr sehn. Ich fand das eigentlich
ganz gut, normalerweise wird bei uns an Bord jeden Tag gekocht.
Clubkameraden
sorgten für ein bißchen Unterhaltung, die "Ole"
mit Koch's sen., "Penelope" mit Koch's jun. und "Fix
und fertig" mit Familie Dirk Petersen. Alle drei Schiffe
waren erst am Anfang ihrer Ferien und darum von dem schlechten
Wetter noch weniger begeistert als wir.
Am
Freitag, 4. Juli, sind wir aufgebrochen Richtung dänische
Küste. Wir hatten Nordwind so um die 4, als wir ablegten.
Es war ungemütlich, grau in grau, noch bei Vinga haben
wir uns überlegt, ob wir uns das antun sollen. Für 4
Windstärken hatten wir viel Dünung, der Anlauf ist groß
aus dem Skagerak, aber es ließ auch vermuten, daß
weiter draußen mehr Wind war. Es war ein mühseliges
Vorwärtskommen. Nach 3 Stunden frischte der Wind auf, Nord
5 - 6. Es lief gut, aber
bei
der vielen Dünung konnten wir nicht auf Höhe segeln
und mußten Skagen als Ziel vergessen. Abends waren wir nach
51 sm müde, aber zufrieden in Saeby fest. Wie das so ist,
am Tag darauf war es schwachwindig und plattes Wasser, da
hätten wir bequem rübermotoren können. Und doch,
das seglerische Erlebnis war viel, viel schöner gewesen.
Der
Samstag war ein strahlender, warmer Sommertag, wir genossen ihn
in Saeby. Der Sonntag wurde wirklich eine Sonntags - Segelreise.
Anfangs hatten wir nur West 2-3, der aber langsam zunahm auf 5
Es wurde ein wunderschöner Segeltörn über die Aalborg
- Bucht, blauer Himmel, gute Sicht, es lief, daß das Seglerherz
lachte. Nach knapp 60 sm waren wir nach 10 1/2 Stunden abends
in Grenaa.
Die
Windrichtung paßte weiter. Tags darauf konnten wir bei W
- 5 nach Langör segeln. Dieser Naturhafen auf Samsö
ist einer unserer Lieblingsplätze. Eine urige Landschaft
in einem Naturreservat. Hier ist das Seglerleben noch individuell
und wird es auch immer bleiben, es ist kein Platz für viele.
In Langör tritt keiner dem anderen auf die Füße,
in dem kleinen Hafen ist es zu jeder Zeit gemütlich. Langör
hat sein eigenes Seglervolk, man muß sich mit Wenigem zufrieden
geben, nur ein Kiosk, um Brot und Kleinkram zu kaufen, aber an
einer Gartenpforte gibt es Kartoffeln, Zwiebeln, Salat und Tomaten.
In
Langör lag wieder unsere "Nele V". Welch eine Freude
auf beiden Seiten! Caroline und Hans Heinrich waren 3 Wochen auf
Anholt gewesen, ein paar Tage in Grenaa, und nun genossen sie
Langör. Und wir mit ihnen! Wieder blieben wir 2 Tage zusammen
und hatten viel, viel zu erzählen. Und abends haben wir Abschied
gefeiert. Ja, ja, wer weiß, wann und wo wir uns wiedersehen
werden...
Am
Mittwoch, 9. Juli, machten wir weiter Süd, während unsere
beiden "Graugänse" noch in Langör blieben.
Mit NW 4, zunehmend 5, liefen wir flott unter Halbwinder an Fynshoved
vorbei, unter der Store Belt Brücke durch nach Nyborg. Ein
schöner Segeltag, wieder hatten wir 46 sm auf dem Log. In
Nyborg gibt's viel zu sehn. Das ganze Hafenmilieu ändert
sich. Durch
den Brückenbau sind die Fähren weggefallen. Auf dem
ehemaligen Fährterminal entsteht jetzt "Venezia in Scandinavia".
Ein Seniorenheim ist schon fertig, Wohnhäuser werden
gebaut, ganz locker angeordnet, dazwischen Kanäle (Venezia!).
Restaurants sollen entstehen, es wird Seglern wie Landlubbers
etwas geboten. Eine gewaltige Investition, die hoffentlich
zum Leben erweckt wird und sich bezahlt macht.
Mit
Karamell - Kränzen von Konditorei Gert (die müssen sein!)
segelten wir am Donnerstag weiter nach Thurö und hatten einen
schönen Nachmittag und Abend auf Anker.
Freitag,
11. Juli, war wieder ein kleines Verholmanöver, es war gewittrige
Luft, bei SW 3 kamen wir halb gesegelt,
halb motort nach Faaborg. Dieses Städtchen mag ich besonders
gern, weil es so typisch dänisch ist. Die kleinen, geduckten
Häuschen, oft noch in Fachwerk, im Juli die blühenden
Stockrosen davor, die kleinen Seitengassen mit Kopfsteinpflaster.
Ein Städtchen wie eine Puppenstube, aber auch kein Museum
wie Aerösköbing.
Auch
in Faaborg tut sich was. Venezia scheint z. Zt. der dänische
Architekten - Traum zu sein! Jedenfalls wird auf dem Gelände
der ehemaligen Gelting - Fähre auch gebaut, Kanäle
gezogen, Brücken, eine recht hübsche Sache, wenn's fertig
ist. Segler laufen ja meist nicht gern und weit, aber hier können
sie promenieren, Klönschnack machen und ihr Schiff immer
noch im Auge haben. Landratten wird es bestimmt anziehen, die
begucken sowieso gern das bunte Seglervolk.
Samstagmorgen
wehte es frisch aus West 5-6. Anfangs bedeckt, später klarte
es auf. Bis Alsen - Süd lief es prächtig, ja fast gemütlich.
Dann ging das Kreuzen los. Die Außenförde ist bei frischem
Westwind ein knubberiges Pflaster. Na ja, mit jedem Meter weiter
wird die Dünung weniger - ein Trost -, und wenn man nach
Hause will, dann ist so ein sportlicher Abschluß auch okay.
Vor Hörup Hav lagen wir ruhig vor Anker, der Wind legte sich
abends, und der Wetterbericht kündigte ein umfangreiches
Hoch an.
Davon
bekamen wir am Sonntag, 13. Juli, auf dem Weg nach Glücksburg
schon eine Ahnung, schwachwindig und sehr warm. Es war der Beginn
der ungewöhnlichen Hitzeperiode 2003.
Wir
hatten wieder eine wunderschöne Sommerreise, erlebnisreiche
Tage an Bord, sportliche Segeltörns, interessante Häfen
und idyllische Ankerplätze, Begegnungen mit vielen netten
Menschen.
Schiff
und Besatzung sind heil nach Hause gekommen. Was soll man sich
mehr wünschen? Ja doch, daß der liebe Gott es gibt,
daß es noch ein paar weitere Sommerreisen gibt. 2 Wochen
später wurde mein lieber Mann 76 Jahre "jung".


Ir. Quay September 2003