
Sommerreise 2004
April und Mai hatten wir schönes
Wetter, wenig Wind und oft so warm, daß wir
uns
fragten, womit wir das wohl bezahlen müssen. Ja, das Bezahlen
kam später ...
Hermann hatte im Frühjahr
schon 400 sm einhand gesegelt, bevor am 28. Mai (Freitag vor Pfingsten)
unsere Sommerreise losging. So sagte ich ein wenig verschmitzt,
mit Jule (unserer Katze) und mir kämen seine "Ferienkinder"
an Bord. Der Ausdruck "Ferienkinder" blieb während
der ganzen Reise.
Alle haltbaren Vorräte bunkern
wir, wenn das Schiff
Anfang April zu Wasser kommt. So kauften wir an diesem Freitagmorgen
für mindestens eine Woche Obst, Gemüse, Kartoffeln,
Brot usw., unsere kleine "Windrose" war im wahrsten
Sinne des Wortes bis in die letzte Ecke voll gestopft.
Am frühen Nachmittag legten
wir in Glücksburg ab. Das ist immer so, wenn man Ferien hat,
heißt es: Nix wie weg. Mit gemütlichem W 4 - 5 segelten
wir nach Sonderburg. Nächsten Morgen waren wir früh
"auf der Piste", liefen bei schwachem Wind unter Motor
durch den Alsensund und segelten dann mit schöner Brise den
Kleinen Belt bis Middelfart hoch.
Am Pfingstsonntag war es das
Gleiche, anfangs schwachwindig bis Juels-minde, dann West 4 nach
Tunö. Und Sonne wie es sich für Pfingsten gehört!
Der kleine Hafen von Tunö hatte das
erste
Mal in diesem Sommer Hochbetrieb. Die Arhuser Segler machen hierher
ihren Pfingstausflug, mit Grillen und abendlichem Tanz wird fröhlich
gefeiert. Wir waren das einzige deutsche Schiff im Hafen.
Pfingstmontag hatten wir Ost
4 - 5 und viel Dünung auf der Arhus -Bucht. "Ferienkinder"
müssen nicht schaukeln, meinte unser Käptn, und wir
segelten gemütlich nach Ebeltoft. Dieses kleine Museumsstädtchen
ist mal wieder eine Stipp - Visite wert, dachten wir uns.
Aber am Dienstag frischte der
Ostwind auf und nahm zu auf 6-7. Nichts für den Schlag nach
Grenaa und am Mittwoch dasselbe. Am Anfang der Reise hat man noch
nicht viel Geduld, Ebeltoft
waren
wir leid, wir verholten uns in die Oer - Marina. Ich glaub, viele
Segler kennen Oer gar nicht, wir bis dato auch nicht. Allerdings
wurden wir positiv überrascht. Gleich bei der Schleuse gab
uns ein sehr freundlicher Hafenmeister alle Erklärungen.
Oer ist eine Ferienhaussiedlung,
im holländischen Stil angelegt, ca. 600 Bootsplätze,
die selbst im Hochsommer nicht alle belegt sind. Man kann sich
mit den notwendigsten Lebensmitteln versorgen, Restaurants und
sogar ein Schwimmbad sind da. Für Familien mit kleinen Kindern
und Segler, die nicht "reisen" wollen, ist es bestimmt
ganz nett, in Oer Ferien zu machen.
Wir nicht mehr "so ganz
Neuen" möchten aber reisen, und Donnerstagmorgen waren
wir um 7.00 Uhr wieder in der Schleusenkammer, tankten noch Diesel,
und weiter ging's bei fast keinem Wind unter Motor nach Grenaa.
Für Freitag, 4. Juni, sagte
der dänische Wetterbericht Süd 4 - 5 und Regen voraus.
Wir nahmen trotzdem Anlauf auf Saeby, 55 sm waren's am Ende. Die
Aalborg - Bucht hatten wir gut hinter uns gebracht, und von Regen
waren wir verschont geblieben, nur die Sicht war schlecht. In
Saeby mußten wir 140,-- DKK Hafengeld bezahlen, das ist
doch sehr reichlich.
In Saeby hielten wir uns nicht
auf, für
Samstag
war anfangs schwachwindig, dann rasch zunehmend W - NW 5 - 6 angesagt.
Nix wie früh raus aus der Koje und ab nach Skagen. Kaum fest
hatten wir für 3 Tage "Skagen-Wetter" : Starkwind
aus West. Wie schön, wir wollten sowieso ein paar Tage bleiben.
Mal gerade 20 Segelyachten lagen
da, so wenige um diese Zeit haben wir zuletzt Anfang der 80er
Jahre in Skagen erlebt. Es waren ein paar schöne Tage. Wir
haben uns ein Auto gemietet, sind nach Grenen und Hoyen raus-gefahren,
haben uns die große Wanderdüne bei Rabjerg angeguckt.
Liegt man ein paar Tage, lernt
man Leute
kennen, zumindest mein Mann, ist er doch mein "Tor zur Welt".
Ein 25j- Holländer lag da mit einem 9,5 m Schiff "Prinz
Willem". Wir nannten den jungen Mann nun den "kleinen
Prinzen". 2 Monate Zeit hatte er und wollte nach Bergen.
Wir haben ihm gesagt, daß man dafür einen guten Segelsommer
braucht, d. h. nicht viel Starkwind.
2 x waren wir in Bergen, und
ein paar Mal mehr haben wir den Versuch unternommen. An der südnorwegischen
Küste waren wir 15 Segelsommer und können mitreden wie
ruppig es dort sein kann.
Der
harte westl. Wind blieb, und so segelte der "kleine Prinz"
am 9. Juni mit uns nach Marstrand. Am nächsten Tag trennten
sich unsere Wege, er ging Richtung Nord in die Schären. Wir
wollten in diesem Jahr nicht weiter, hatten wir doch für
den 17. Juli eine Einladung zu einer schonen Familienhochzeit.
So machten wir nur ein paar Meilen
Süd und besuchten unsere schwedischen Freunde auf Öckerö.
Die Insel, ehemals von Fischern bewohnt, liegt vor den Toren Göteborgs
und steht mit seinen Vor- und Nachteilen im Einfluß der
Großstadt, vor allem, was die Kriminalität betrifft.
2 x sind schon alte Leute in ihren Häusern erschlagen und
beraubt worden. Nun halten alle die Türen verschlossen. In
Schweden - auf einer Insel - im Sommer!!
Nach 2 Tagen ist alles erzählt,
und der Wetterbericht verkündete für die nächsten
Tage gar nichts Gutes. Ein Wetterschreiber mit seiner 5 - Tage
Prognose ist für die Planung wirklich gut. Man muß
nicht mehr in Hintertupfingen einwehen. Wenn schon einwehen, dann
möchten wir die Hafentage nutzen, um etwas zu unternehmen,
Museen besuchen usw.
Es
kam 3 Tage richtig "dick", West - Nordwest 6
- 7, auch durchstehende 8-9. Wann
gibt es das schon mal im Sommer? Wir hatten uns also Sonntag,
13. Juni, nach Langedrag
verholt und lagen dort exclusiv, jeden Komfort im Hafen und noch
nicht mal Hafengeld bezahlt, das Büro war nicht besetzt.
Die große "Asta" von der Marineschule Mürwik
lag mit uns vor Wind.
Wenn wir auch über den ungewöhnlich
harten Wind staunten, so hatten wir doch jeden Tag Sonne und genossen
das eigentlich schöne Wetter. Wir besuchten Haga, die Göteborger
Altstadt. Hübsche, alte Holzhäuser, eine Gegend mit
viel Milieu, gemütliche Cafés und Restaurants, richtige
Tante - Emma Läden gibt's da noch, einen Türken mit
vielen Gewürzen, ach roch das da gut! Langeweile hatten wir
in den drei Göteborger Tagen nicht, es war schön.
Und
irgendwann geht Petrus auch wieder die Puste aus. Am Donnerstag,
17. Juni, hatten wir SW 3 - 4 und legten frühmorgens in Langedrag
ab. Um genügend Höhe zu haben, um Laesö anzuliegen,
gingen wir bei Tistlarna raus. Den Strom hatten wir zwar mit,
aber im Verhältnis zu dem wenigen Wind viel Dünung,
was wir nur mit mitlaufendem Motor ausgleichen konnten. 9 Std.
brauchten wir nach Vesterö auf Laesö
und trafen es mal wieder gut an.
Auch hier war noch nichts los,
wir lagen hübsch und geschützt unter den rotbraunen
Fischerbuden. Nächsten Morgen kaufte Hermann direkt vom Kutter
Hummerhalen, 1 kg für 50,- DKK, bei dem Preis sind die edlen
Schalentiere schon gar kein Luxus mehr.
Auf Laesö hatten wir mäßiges
Wetter, natürlich wieder Starkwind, dieses Mal Nord - Nordost
6 - 7. Einmal in der Woche Starkwind bürgerte sich in diesem
Segelsommer offenbar ein. Aber es regnete auch öfter, so
daß wir unsere Ausflüge mit dem Bus machten. Die Salzsiederei
haben wir von Byrum aus besucht, das war interessant, vor allem
aber liegt die Siederei landschaftlich reizvoll. Davor breiten
sich die Salzwiesen aus und in Verlängerung das große
Flach. Ein Naturreservat, ein Vogelparadies, ein nicht endendes
Gezirpe und Geschreie.
Sonntag, 20. Juni, legte sich
der Wind nachmittags etwas, inzwischen kam er aus SW 5 -6, und
wir segelten ganz flott die 13 sm nach Saeby.
Als nächstes Ziel hatten
wir uns Anholt vorgenommen, also legten wir Montagmorgen schon
um 6.3o Uhr ab. Wunderschönes, sonniges Wetter, aber Süd
4 - 5 und viel Dünung. Wir brauchten 2 1/2 Stunden bis Laesö
Rende, Hals wäre schon mühsam zu erreichen gewesen,
von dem weiten Weg nach Anholt ganz zu schweigen. Dann stellte
Hermann auch noch fest, daß er das Vorluk nicht richtig
angezogen hatte. Katze Jule machte ihn darauf aufmerksam, daß
es im Vorschiff "regnete". Bettzeug nass usw. Wir drehten
um, und in 1 1/2 Std. waren wir nach 15,2 strapaziösen sm
wieder in Saeby fest und leckten unsere Wunden. Das große
Trocknen begann, die Sonne lachte und half kräftig mit. Aber
es gibt auch überall Bonbons, hier in Form von frischen Erdbeeren,
Erbsen und gerade ausgegrabenen Kartoffeln an der Gartenpforte
gekauft.
Und
der liebe Gott hatte es auch so gewollt, daß wir nach Saeby
zurückkehrten. Abends lief die "Nele V" ein, unsere
lieben, alten Freunde Caroline und Hans Heinrich aus Hamburg.
Er wird im Oktober 87 J., sie im September 8l J. Ob es das noch
mal wieder gibt, daß so ein altes Ehepaar noch den ganzen
Sommer segelt? Natürlich machen die Beiden viele Hafentage,
aber über SMS wissen wir, daß sie noch bis Skagen gegangen
sind.
An
diesem Abend in Saeby haben wir fröhlich zusammen gesessen
und hatten uns so viel zu erzählen. In unserem Alter ist
doch immer die bange Frage, sehn wir uns alle Vier noch mal gesund
wieder? Und so herzlich war auch die Umarmung beim Abschied am
nächsten Morgen. Von Caroline bekam Hermann einen versteinerten
Seeigel, ein wirkliches Geschenk, sucht sie diese Zeugen aus der
Eiszeit doch mit unendlicher Geduld an den Stränden.
So trennten sich am Morgen des
22. Juni schon wieder unsere Wege, die "Nele V" ging
nach Skagen. Wir liefen bei SW 3 - 4 unter Zuhilfenahme der Maschine
nach Anholt. Die gewittrige Luft an der jütländischen
Küste ließen wir hinter uns, im offenen Kattegat schien
die Sonne, und wir hatten sehr gute Sicht, daß wir erst
den Radarturm und bald auch die hohe Küste von Anholt meilenweit
vorher ausmachen konnten. Das war eine schöne Reise.
Im Hafen von Anholt lagen gerade
mal 30 - 40 Schiffe, alle hatten noch gut längsseits an der
Brücke oder den Schlengeln Platz. Die "Ronja" vom
FSC war auch da, es ist immer nett, wenn man jemanden zu einem
anregenden Klönschnack trifft.
Neue
Woche - neuer Starkwind. Süd - SW, also voll auf Hafen und
Mole drauf, das Barometer war auf 977 gefallen, dafür ging
die Windmessanlage auf 45 Kn, 8-9 Windstärken durchstehend.
Es rappelte und pfiff nur so. Leinen wurden zusätzlich ausgebracht.
Wir lagen an der Brücke und hatten noch ein bißchen
Schutz.
In Langedrag hatten wir wenigstens
schönes Wetter gehabt, auf Anholt leider oft Regen. Kam man
morgens vom Duschen, war man ehe an Bord schon wieder feucht,
entweder vom Regen oder von der Gischt, die über die Strandmauer
fegte. Die auf den Strand rollende Brandung war Foto - Objekt
der Segler.
Am ersten Anholt - Tag hatten
wir beim Fischer noch Hummerhalen gekauft. Abends liefen dann
die Kutter aus und kamen morgens nicht zurück. Sie hatten
von dem nahenden Sturm gewußt und waren wohl nach Grenaa
gegangen. Nein, es war kein Anholt - Wetter!
Drei Tage
mußten
wir wieder abwettern. Am Samstag, 26. Juni, hatten wir bei West
4 - 5 , zunehmend 5-6 und mitlaufendem Strom
eine schnelle Reise in den Sund. Der Himmel war bedeckt,
aber kaum Regen, viel Dünung und mäßige Sicht.
Es dauerte lange, bis wir den Kullen sahen.
Am Tag darauf hatten wir Sonntagswetter
wie es sich gehört. Sonne und schwachwindig, wir tuckerten
die paar Meilen nach Humlebaek, um in's Louisiana zu gehn. Louisiana
ist immer ein Erlebnis, dieses Mal besonders. Es lief die
Sonderausstellung
"Jörn Utzon"
. Das ist der dänische Architekt, der das Opernhaus in Sydney
entworfen hat, mit seinen Flügeldächern ein steingewordenes
Symbol für Australien. Es wurden Modelle, Querschnitte und
Zeichnungen von diesem Opernhaus gezeigt, aber auch noch einiges
von seinen anderen Bauwerken. Hochinteressant für Hermann,
den "Mann vom Bau".
Nach einer Tasse Kaffee auf Louisiana's
schöner Terrasse mit Blick auf den Sund gingen wir wieder
an Bord und machten noch die paar Meilen nach Rungsted. Wir fanden
einen freien Platz, wo wir eine gute Woche liegen bleiben konnten.
"Kopenhagener Festtage" waren geplant.
Gleich am Montag buchten wir
Hermann's Reise in's Land der Mittsommersonne. Da die Flüge
über ein Wochenende billiger sind, startete Hermann früh
am Freitagmorgen, 2. Juli. Er sah mit seinem Riesenrucksack aus
wie die jugendlichen Touristen aus Übersee. Von Kopenhagen
ging der Flug über Oslo nach Tromsö, dort ging er auf
das Schiff "Trollfjord" der Hurtigrute. Über Hammerfest,
Ausflug zum Nordkap, nach Kirkenes an der russischen Grenze. Ebenso
die Reise mit dem Schiff zurück nach Tromsö, Hermann
hatte diese 5 Tage prächtiges Wetter, natürlich fast
24 Stunden Sonne und warm, warm ...!!
Shortswetter!
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Da er eine Innenkabine gebucht
hatte, konnte er ein paar Stunden schlafen, wegen der durchgehenden
Helligkeit kriegt man sonst kaum ein Auge zu. Da ist es dann wirklich
schade, daß ein Mensch ab und zu mal schlafen muß,
wo es rund um die Uhr so viele landschaftliche Schönheiten
zu sehen gibt und so viel Interessantes zu erleben ist. Große
Kolonien von Papageientauchern, diese schönen, fast exotisch
aussehenden Vögel hätte ich auch gern gesehn.
Abends am 6. Juli kam Hermann
zurück von dieser beeindruckenden Reise, er hatte viel an
diesem Abend zu erzählen, und heute noch fällt ihm immer
wieder was ein. Und natürlich hatte er mir als Mitbringsel
einen kleinen Papageientaucher aus Keramik mitgebracht.
Ich hatte in den 5 Tagen, wo
Hermann auf Reisen war, mein "Kopenhagen -Festival",
obgleich das Wetter hundsmiserabel war, kalt und Regen. Ich sag's
ja, die Eisbären bekommen in diesem Sommer einen Sonnenbrand,
und unser Kalender merkt nicht mal, daß Sommer ist.
In
Kopenhagen war noch
was vom Hochzeitsfieber, die kleinen dänischen und australischen
Fähnchen lagen noch überall rum. Kronprinz Frederik
hatte am 14. Mai die Australierin Mary Donaldson
geheiratet, und es war ein richtiges Volksfest gewesen. Nur
war im Schloß
Amalienborg
Mary's
Brautkleid ausgestellt.
Das schlechte Wetter konnte mich
nicht abhalten, jeden Tag nach Kopenhagen reinzufahren und in
Museen zu gehen. Das schöne Ny Carlsberg Kunstmuseum ist
leider in Renovierung bis 2006, zugänglich ist z. Zt. nur
der Palmengarten und der französische Teil der Sammlung.
Das dän. Kunstindustrie -
Museum war eine Sonderausstellung "100 Jahre Georg Jensen".
Für diese Silberschmiede haben fast alle großen, dänischen
Designer gearbeitet, und so wurden nur die edelsten Sachen aus
dieser langen Zeit an Schmuck, Uhren und silbernen Gebrauchsgegenständen
gezeigt. Schön, so etwas sehen zu dürfen.
Für Hermann und für
mich ebenso lagen erlebnisreiche Tage hinter uns, unsere Köpfe
surrten das, so daß wir uns freuten, am Mittwoch, 7. Juli,
in Rungsted wieder ablegen zu können.
Mit handigem West 4 - 5 segelten
wir die Küste runter. Die Wohngegend nördlich von Kopenhagen,
fein wie Hamburg - Blakenese, ist vom Wasser aus wirklich hübsch
anzusehen, gepflegte, meist weiße Häuser in großen
Grünanlagen.
So
segelten wir schnell an Kopenhagen vorbei, knapp 3 Stunden fuhren
wir bei Kastrub/Dragöer schon über den Tunnel weg, der
eine Teil der neuen Verbindung Dänemark / Schweden. Ebenso
lag die Brücke, der andere Teil, wunderschön in der
Sonne, eine gewaltige Konstruktion, die fertig gestellt so leicht
und elegant aussieht.
Die Öresund - Verbindung
hat verkehrsmäßig vieles verändert und erleichtert.
Die Küstenbahn von Helsingör nach Kopenhagen fährt
nun weiter über Kastrup-Flughafen und dann nach Malmö
/ Schweden. Der Verkehr ist in Kopenhagen mehr geworden, und man
baut eine supermoderne METRO, 2 Linien sind fertig, Bahnsteig
und Gleise sind bis zum Tunneleingang mit einer Glaswand, die
Türen hat, getrennt. Fährt ein Zug ein, öffnen
sich die Türen vom Zug und die der Glaswand gleichzeitig.
Das paßt. Unfälle ausgeschlossen.
Nach
Dragör ging's über die Köge - Bucht, es war ein
so schöner Segeltag, so gute Sicht, daß man die ganze
Köge - Bucht überschauen konnte und bald die hohe Kreideküste
von Stevnsklint in Sicht kam, obgleich wir noch eine ganze Zeit
drauf segeln mußten. Nach 41 sm waren wir in Rödvig
fest und lobten Petrus für diesen Tag.
Rödvig war proppevoll, Urlaubssegler
aus allen Himmelsrichtungen. Wir fanden einen Platz im Fischereihafen
an der Kaimauer. Katze Jule wird Rödvig in unangenehmer Erinnerung
behalten. Eine Hafenkatze hatte unsere verwöhnte Wohnungskatze
entdeckt und saß ihr auf dem Holzbalken der Kaimauer mit
wütenden Augen gegenüber. Ich konnte mein Katzenkind
zwar noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, aber Jule war so
verängstigt, die hat 2k Stunden nichts gegessen und getrunken.
So einen "ungastlichen"
Hafen muß man schnell wieder verlassen, und das taten wir
am Donnerstagmorgen auch früh um 8.00 Uhr. Mit Ost 4 - 5,
aber viel Dünung, liefen wir raumschots in den Bögeström.
Das ist spannend und so oft wir hier auch schon waren, sind wir
noch nie so achterlich auf dieses flache Gewässer zugefahren.
Ist man erst im Tonnenweg drin, ist alles kein Problem mehr, das
Flach hält die Dünung ab. Einige kleine Schiffe kamen
uns entgegen, wir haben denen zugewinkt, besser umzukehren. Die
schafften es doch gar nicht, bei der Dünung die Fakse - Bucht
aufzukreuzen.
Mit dem schönen Wetter war
es wieder vorbei, es trübte ein, wurde diesig und als wir
nachmittags in Vordingborg festmachten, fing es an zu regnen.
Im kleinen Segelhafen von Vordingborg ist es sehr eng geworden.
Man hat den letzten Platz ausgenutzt, um noch ein paar mehr Liegeplätze
zu schaffen.
An einer Stelle ist das Fahrwasser
nun so schmal, daß nur noch ein Boot passieren kann, das
nächste muß warten.
Am Freitagmorgen des 9. Juli
hatten wir Sprühregen, es war ein Wetter, wo man zu sagt,
daß man keinen Hund rausjagen mag. Wir legten trotzdem ab,
Wind war nicht, wir motorten genau Kurs, und es lief gut. Unsere
Reiseroute hatten wir geändert: Durch den Guldborgsund an
die deutsche Küste.
Nach der Storströmbrücke
wurde es heller, der Regen hörte auf, und unter Femö
hatten wir schon strahlenden Sonnenschein, es war - oh Wunder
- doch tatsächlich mal Shortswetter, Die Brücken öffnen
schnell bei Guldborg und Nyköbing, dieser Sund ist nicht
die schlechteste Verbindung vom Sma-landsfahrwasser nach Süden.
Wir machten es das erste Mal. Gut ausgetonnt, teilweise sehr eng
und flach, einmal zeigte das Echolot nur 1,70 m. Aber alles kein
Problem, es geht gut. So waren wir abends nach fast 43 sm in Gedser
fest.
Gedser
hat einen großen, modernen Yachthafen mit vielen ausreichend
breiten Gästeplätzen, geräumige, saubere sanitäre
Anlagen. Am Hafen sind Ferienhäuser, die aber nicht stören,
sie liegen versteckt in Grünanlagen. Am Strand ist ein schönes
Stück wildwachsender Natur mit Pflanzen, vor allem Blumen,
die man sonst kaum noch sieht, ein Paradies für viele Vogelarten.
Als wir an diesem Freitagabend
den Seewetterbericht hörten, wußten wir, daß
für's Weiterkommen wenig gute Perspektiven da waren. Bis
einschl. den kommenden Mittwoch prophezeite man uns West - NW
6 - 7, Boen 8-9. Was für ein Sommer! In der Nacht hörte
man schon wie es anfing zu klappern, und Samstag wehte es wie
vorhergesagt. Nun hatten wir den 10. Juli und mit den Wetteraussichten
keine Chance mehr, in der kommenden Woche in Flensburg zu sein,
Koffer zu packen und zur Hochzeit am 17. Juli zu fahren. Das Fest
hatte Petrus uns vermasselt, und wir sagten rechtzeitig ab.
Wir wurden zu Strandläufern
in den nächsten Tagen und natürlich zu Windhühnern,
am Hafen gab's mit den anderen Leidensgenossen nur ein Thema:
Wind.
Einmal waren wir mit dem Bus
nach Nyköbing, auf dem Rückweg fuhr der Bus fast eine
Stunde durch eine riesige Ferienhaussiedlung. Marienlyst an der
Ostküste Falsters. In der Ferienzeit sollen hier Zehntausende
Menschen sein, im Winter gerade mal ein paar Hundert. Da alle
Häuser in Grünanlagen liegen mit kleinen Wegen, ist
das ein riesiger Irrgarten. Muß man auch mal gesehen haben.
Man muß allem etwas Positives
abgewinnen können, oder wie heißt es: Arbeite in der
Zeit, so hast Du in der Not. Bis hierhin hab ich diesen Reisebericht
in Gedser geschrieben.
In Gedser bekamen wir ein Mail vom "Kleinen Prinzen",
er war in Bergen gewesen, war mit der Flambahn gefahren usw.,
alles war schön gewesen, hatte viel Wind gehabt und war nun
in Lillesand, um von da zurück nach Dänemark zu gehn.
Tüchtig, tüchtig der junge Mann!!
Mittwoch, 14. Juli: 4 Hafentage
in Gedser hatten wir hinter uns und das in einem Ort, wo sich
wirklich Hasen und Füchse Gute Nacht sagen. Der Wetterbericht
verkündete immer noch West 5-6, Boen 7. Wir wollten das wohl
einfach nicht mehr wahr haben, und an unserem geschützten
Liegeplatz hinter den Bäumen sah das gar nicht so ungemütlich
aus, wir wollten es heute riskieren.
Gut vorbereitet legten wir um
10.30 Uhr ab. Steuerbord stand die Brandung hüpfend auf dem
Sand,
aber schnell waren wir aus dem schmalen, eng ausgetonnten
Fahrwasser im offenen Seeraum. Na ja, so hatten wir uns das nicht
vorgestellt, aber wenn man erst mal draußen ist, muß
man den Kampf aufnehmen. Wir hatten WSW 5-6 und mußten alle
Höhe segeln, die bei der Dünung überhaupt möglich
war, um Warnemünde anzuliegen. Die Wellen machten aus unserer
"Windrose" eine Schiffsschaukel und ein U - Boot, und
ich saß angeleint und steuerte unser wackeres Schiffchen.
Durch den viel befahrenen Schiffahrtsweg
kamen wir gut, die einen gingen vor uns, die anderen hinter uns
vorbei. Es dauerte gar nicht lange, daß wir Warnemünde
und die daraufzu fahrenden Fähren sehen konnten. Mit dem
Ziel vor Augen waren die 25 sm in 4 1/4 Stunden überstanden.
Eine schnelle Reise, das Teakdeck sah aus wie aufgeweicht. Als
wir im Alten Strom hinter den hohen Bäumen festmachten, war
von Wind nichts mehr zu spüren, und an einem Kutter lagen
wir wie in Abraham's Schoß. Die Kutter leben nur noch vom
Hochseeangeln und waren wegen des Starkwindes schon tagelang nicht
mehr draußen gewesen.
Am nächsten Tag setzten
wir uns in die Bahn und fuhren nach Stralsund, wir beschäftigten
uns wieder mit den Bauten der Backsteingotik. Wie schön ist
das Rathaus anzusehn mit der angegliederten Nicolai - Kirche.
Der Wiederaufbau, die Renovierungen machen auch hier gute Fortschritte.
Im Jahr 2000 haben wir unsere Segelreise an die ostdt. Küste
gemacht, nach 4 Jahren sehen wir, was alles getan wurde, wie schön
die einst so stolze Hansestadt Stralsund wieder werden kann.
Am Freitag, l6. Juli, hatte sich
der Wind endgültig ausgetobt, die Sonne schien, und es war
schwachwindig, Morgens guckten wir uns noch Rostock an, nachmittags
motorten wir die 12 sm nach Kühlungsborn. Da hatte man erst
vor ein paar Tagen die letzten Schlengel ausgebracht, so daß
es nun mehr als reichlich Liegeplätze gibt. Die Sanitäreinrichtungen
sind noch in Containern untergebracht, über Winter sollen
dafür
Gebäude
entstehen. Wasser und Strom bekommt man nur mit einer Checkkarte,
die beim Hafenmeister zu kaufen ist. Nirgends eine Wasserstelle,
wo man sich mal eben die Füße abspritzen kann, wenn
man vom Strand kommt. Alles in allem ein unpersönlicher Hafen.
Am nächsten Tag war immer
noch kein Wind, und so fuhren wir mit "Molly" der alten
Dampfeisenbahn, nach Bad Doberan und guckten uns das schöne
Münster an. Auf dem Rückweg machten wir Zwischenstop
in Heiligendamm und ließen es uns auf der Terrasse des Grand
Hotel Kempinski bei Kaffee und Kuchen gut gehn.
Am Sonntag, l8. Juli, hatten
wir "Sonntagsbrise", bei WSW 4 - 5 , Sonne und guter
Sicht segelten wir nach Fehmarn und machten nachmittags in Orth
fest. In dem langen, schmalen Hafen, Liegeplätze an BB, liegt
man recht hübsch, besonders wenn man vorne liegt und auf
die Bucht gucken kann.
Am
Montag war mieses
Wetter, stark diesig, fast regnerisch und West 4 - 5. Wir fingen
an zu kreuzen, von Pontius bis Pilatus wie es so schön heißt.
Dann kriegten wir auch noch eine gute Meile Strom von vorne, das
reichte. Wir drehten um und gingen nach Heiligenhafen. Recht zerknirscht
machten wir in der Riesenmarina fest.
Am Dienstag, 20. Juli, machten
wir uns morgens um 6.oo Uhr auf den Weg, die Sonne schien, anfangs
hatten wir Südost 2 - 3, der schnell zunahm auf 5 - 6. Es
war gute Sicht, richtiges Reisewetter, nach 11 Stunden waren wir
mit 62,5 sm in Glücksburg fest. Beim Einlaufen fing es an
zu regnen, und das tat es den ganzen nächsten Tag weiter.
Wir hatten Glück gehabt mit unserem letzten Reisetag, unsere
Chance genutzt, nach fast 8 Wochen waren wir wieder zu Hause.
Viele Segler schimpfen ja über
diesen Sommer. Wir nicht. Wenn man 45 Segeljahre auf dem Buckel
hat, ist man nicht mehr so wählerisch, da hat man so viele
unterschiedliche Sommer erlebt. Es kann nicht jeden Tag die Sonne
scheinen und auch nicht jeden Segelsommer. Das Schlechte vergißt
man, das Schöne bleibt in der Erinnerung.
In den vergangenen Wochen haben
wir so viel gesehn, erlebt und dazu gelernt, es war schön!