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Sommerreise 2005
"Windrose"s Kapitän war nicht zufrieden mit dem Beginn der Segelsaison, im Vergleich zu den letzten Jahren zählte mein Mann ein Minus in den bisher gesegelten Meilen. (2004 bis Anfang Juni 400 sm) Das Boot war zwar schon am 12. April zu Wasser gekommen, war auch fix und fertig ausgerüstet, aber ein bißchen auf der Förde gesegelt, mal nach Sonderburg, das war bis Ende Mai alles. Es war lange kalt und ungemütlich. So wurde es auch ein Start mit Hindernissen, am 3. Juni sollte es losgehn, der Wetterbericht prophezeite 3 Tage "ruschiges" Wetter, Regen und viel Wind. Das muß man sich doch nicht antun, wenn man nicht mehr "so ganz neu" ist.
Am 8. Juni legten wir endlich in Glücksburg ab, aber nun bei strahlendem Sonnenschein. Dafür hatten wir so wenig nördlichen Wind, daß wir den ganzen Tag unter Motor liefen, man kann eben nicht alles haben. Abends waren wir in Middelfart, das waren immerhin 49 sm und ein gutes Stück von Zuhause weg.
Tagszuvor hatten wir noch ein neues Schlauchboot, einen neuen "Max", bekommen. Der lag vorne an Deck, da paßte er im Gegensatz zum alten Boot gut hin und brauchte nicht geschleppt werden. "Der faule Hund" hab ich dann öfter gesagt.
Am nächsten Morgen war es sehr warm und diesig, kein Wind, aber als Entschädigung 1,5 sm mitlaufenden Strom. Das schaffte! Wir sausten nur so an den Brückenfeilern der Kongebro- und Fredericia-Autobahnbrücke vorbei. Eine Stunde nach dem Ablegen waren wir schon am Strib.
Nachmittags um 3.00 Uhr waren wir in Tunö fest, da lagen mal gerade 15 Schiffe. War das schön! So hatten wir Tunö, "Klein-Anholt" wie die Segler es gern nennen, noch nicht erlebt. Wir haben es genutzt und gleich einen Hafentag eingelegt, sind um die Insel spaziert zwischen blühendem
Ginster und wilden Rosen. Der junge Sommer riecht so gut. Abends haben wir neue Kartoffeln geschmort, die natürlich nicht schlechter sind als die berühmten Samsö - Kartoffeln von der Nachbarinsel.
Am Samstag, 11. Juni, hatten wir endlich was zum Segeln. NW 4 - 5 schönes Wetter, es machte so richtig Spaß, über die Arhus - Bucht zu segeln, die Katamaran-Fähren rauschten vor und hinter uns vorbei, und bald schon hatten wir den Hjelm an Steuerbord. Es wäre ja auch zu schön gewesen an diesem Tag, wir waren halb die Djursland - Küste hoch, da schlief der Wind ein, kam aus Nord, und wir hatten ein Gewitter wie die Faust im Nacken. Wir erreichten Grenaa, ohne "Prügel" zu bekommen. Als Erstes haben wir unseren Dieseltank wieder voll gemacht.
Für Sonntag, den 12. Juni, sagte unser Wetterschreiber SW 3 voraus. Na ja, Segel und mitlaufende Maschine, das würde für die 60 sm über die Aalborg - Bucht nach Saeby reichen. Als wir aus Grenaa ausliefen, sah ich an Fornäs die Dünung laufen. Komisch, bei so wenig Wind? Als wir an der Ecke waren, hatten wir West 4, der schnell zunahm. Windstärke und -richtung waren ja nicht so verkehrt, aber die Dünung war strapaziös und nahm uns einiges an Geschwindigkeit. Das war nichts für die große Strecke, die wir uns vorgenommen hatten.
Wir drehten ab und nähmen Kurs auf Anholt, das lief "wie die Feuerwehr" wie man so schön sagt. Raumschots und mit viel Dünung wurden wir in den Hafen geschoben. Unter Segel, das ist sicherer und bergen konnten wir sie bequem im Hafen, da war noch nichts los. So an die 20 Schiffe lagen längsseits an den Schlengeln. Das wäre der Traum für die Segler, die in den Schulferien Anholt besuchen.
Der 13. Juni war wirklich ein "13." Es wehte aus SO mit 6 Windstärken. Als wenn das nicht genug wäre, genauso viel regnete es auch, und kalt! Aber Anholt hat ja Trostpflästerchen: Hummerhalen. Hermann hat sie angelandet. 1 kg hat er zum Fischer gesagt und 40, DKR bezahlt. Der Fischer hat immer ein bißchen Bier getrunken und kann nicht wiegen, d. h. er macht die Plastiktüte halbvoll, und wir haben Hummerhalen "satt".
Für so ein Festessen wird Petrus manche Unart verziehn. Am Dienstag blieben wir auch noch auf Anholt, es schauerte nur ab und zu. Wir konnten auf der wunderschönen Insel rumlaufen, u.a. zum Kaufmann im Dorf.
Mittwoch, 13. Juni, tat Petrus dann so, als wenn nichts gewesen wäre. Offensichtlich kannte der Wettermacher in diesem Jahr nur Starkwind oder Flaute, das Mittelmaß hatte er nicht in seinem Repertoire. Jetzt liefen wir mit Großsegel und Maschine bei schwachem Süd und alter Dünung nach Saeby. Dazu war sehr gute Sicht, daß wir sogar Teile von Laesö sehen konnten, das hat man nicht oft, die Insel ist flach, und wegen der vorgelagerten Untiefen ist man weit davon entfernt. Der Leuchtturm Laesö Rende kam ganz früh in Sicht. Für 48 sm war das eine angenehme Heise.
Da der Hafenplatz in Saeby nicht mehr von den Fischern und der Berufs-Schiffahrt genutzt wird, baut die Gemeinde oder Investoren alles für touristische Zwecke um, nur leider dürfen die Autos da weiter rumflitzen. In dem schmalen Hafen ist das für die Segler eine arge Belästigung. Aber der kleine Ort ist immer noch nett mit den gepflegten, typisch dänischen Häuschen, fast alle ockergelb gestrichen. Am schönsten ist es im Juli, wenn vor den Häusern die Stockrosen in üppiger Pracht blühn.
Trotz dieser schönen Beschreibung hielten wir uns nicht in Saeby auf, sondern machten am nächsten Tag noch die letzten 20 sm nach Skagen. Bei Südost 3 und 1,8 bis 2 sm mitlaufendem Strom waren das wahrlich geschenkte Meilen mit Sonne inclusive.
Im letzten Jahr waren wir 11 Tage früher in Skagen, da war das Hafen -Milieu sehr viel angenehmer. Jetzt war es eine Woche vor Mittsommer, und die Norweger und Schweden waren auf Getränke - Einkaufstour, sie verkonsumierten aber auch rund um die Uhr. Für jemanden, für den Alkohol ein Genussmittel in einer sehr geringen Menge ist, sind diese Wikinger nur schwer zu ertragen. Es ist schade, denn Skagen als Ort ist wirklich nett, das Treiben im Hafen ist interessant zu beobachten, und die wunderschöne Dünen- und Heidelandschaft auf diesem schmalen Zipfel Jütlands, das Aufeinandertreffen von Skagerak und Kattegat, all das sind einen längeren Aufenthalt wert.
Wir beließen es bei 2 Tagen, das Wetter war "so Olala" gewesen, immer wieder ein Schauer, das war vielleicht auch ein Grund gewesen, daß wir uns hier neues Ölzeug kauften.
Nun nutzten wir den einen sonnigen Tag, Sonntag, 19. Juni, um gemütlich nach Göteborg rüberzutuckern. Es war zwar anfangs diesig, die Dampfer waren jedoch rechtzeitig auszumachen. Wir hatten platte See, nichts rührte sich, nach 5 1/2 Std. passierten wir schon das prächtige Leuchtturmanwesen von Vinga, brauchten aber noch volle 2 Std., um in Langedrag festzumachen. Der Weg rein nach Göteborg ist weit, aber nie langweilig, es gibt so viel zum Gucken. In Langedrag fest haben wir erst mal unser Schlauchboot getauft, "MAX" kam endlich in's nasse Element. Den Montag nutzten wir für Shopping in Göteborg und schönes, skandinavisches Design begucken. Ob Haushaltswaren, Glas oder Textilien und Möbel, die Skandinavier haben ihren eigenen besonderen Stil, für den sie weltweit bekannt sind, und ihre Produkte sind gute Exportartikel.
Bis jetzt konnten wir von dieser Segelreise sagen, jeden Tag anderes Wetter, jeden Tag anderer Wind, heute Sonne, morgen Regen. Das Barometer schaffte es nicht, mal in die "Hoch" - Zahlen zu kommen, ich hab schon scherzhaft gesagt, es ist kaputt.
Ja, Dienstag, 21. Juni, regnete es dann mal wieder. Trotzdem sind wir in's Ölzeug gestiegen und sind bei Süd 4-5 schnell nach Ockerö, eine Insel im Göteborger Schärengarten, gesegelt. Erstens waren wir wieder bei unseren Freunden zu Mittsommer eingeladen. Zweitens stand uns eine sehr, sehr unangenehme Reparatur bevor. Seit Tagen ließ sich das WC nicht mehr auf dem einfachen Weg abpumpen, sondern nur noch über den Fäkalientank. So konnte das ja nicht für die ganze Reise bleiben.
Zuerst hofft man mal, daß die Blockade durch Gras, Papier oder angesogene Plastiktüte kommt. In Öckerö fanden sich mit Hilfe unseres Freundes Gunnar schnell Leute, die halfen, das Schiff zu krängen. Nichts war festzustellen, und es blieb nichts anderes, als das Schiff aus dem Wasser zu nehmen, um das WC auseinander-zubauen, Schläuche ab usw. Die Schweden waren ausgesprochen hilfsbereit, einer wußte gleich einen Monteur, der bei Maxi / Nimbus arbeitet, teuer, aber gut. Uns war's egal, Hauptsache Hilfe.
Es dauerte zwar noch bis in die Abendstunden, bis der gute Mann kam. Der Mikael wußte, was er wert war, Stunde 800,- SEK. Die Arbeit war schlichtweg eine Biesenschweinerei, was anderes kann man dazu nicht sagen. Die Rohre waren verstopft von Kalkstein. Nach einer guten Stunde hatte Mikael 1.000, Kronen und wir wenigstens wieder alles sicher zusammengebaut. Danach haben wir geputzt, geputzt und geputzt.
Am nächsten Tag haben wir im Supermarkt etliche Flaschen billigen Essig gekauft und damit das WC gespült. Das hatten wir geschafft, alles war piccobello. An den Hafenmeister bezahlten wir noch mal 1.000, Kronen für's Slippen, und die "Windrose" war wieder im Wasser. Die Nacht hatten wir hoch und trocken auf dem Hafenplatz verbracht. So ein Abenteuer!
Abends zuvor ließ Gunnar sich nicht davon abbringen, daß das Schlauchboot unbedingt an Deck gehievt werden mußte. Es wären auf der Insel schon 3Schlauchboote gestohlen worden. Auch auf Öckerö, auch in Schweden ist die Welt nicht mehr heil. Donnerstag, 23. Juni, haben wir beide erst mal relaxed, jeder auf seine Weise. Hermann blieb auf Öckerö, Gunnar hatte frei und Zeit für ihn. Ich bummelte noch mal durch Göteborg und kaufte guten Proviant in den Salu-hallen. Denn Freitag, 24. Juni, war Mittsommer, das ist hier genauso wichtig wie Weihnachten, Geschäfte und Betriebe sind geschlossen, am Freitag sind gerade mal die Lebensmittelgeschäfte bis Mittag geöffnet. In Schweden wird Mittsommer an dem Wochenende gefeiert, das dem 24. am nächsten ist. Die Norweger feiern immer am 24., auch wenn das mitten in der Woche ist. Dieses Jahr feierten wir also auch am richtigen Tag, der 24. fiel auf einen Freitag.
Öckerö hat einen kleinen Dorfplatz mit einem Heimatmuseum, oder in Deutschland würden wir dazu Freilichtmuseum sagen. Ein paar alte Häuser sind von ihrem Grundstück nach hier versetzt worden mit der Original-Einrichtung. Alles ist niedriger, die Menschen waren früher kleiner. Ein Fischerhaus, eine Bäckerei, einen Kramerladen gibt's zu besichtigen.
Auf diesem Dorfplatz treffen sich am Mittsommernachmittag die Inselbewohner. Es gibt Kaffee und Kuchen und Eis für die Kinder. Musikanten spielen alte schwedische Volksweisen, und es wird um den Maibaum getanzt. Wir dürfen schon 15 Jahre mitfeiern. Anfangs war es noch stimmungsvoller. Die Mädchen und jungen Frauen trugen fast alle Blumenkränze im Haar, und es wurde fleißiger getanzt. In diesem Jahr waren es nur noch ein paar kleine Mädchen, die festlich geschmückt waren. Die jungen Leute interessieren sich immer weniger für die Traditionen, auch hier auf der Insel. Schade! Nach 2-3 Stunden ziehn alle wieder heim, und es wird bis spät in die Nacht fröhlich im Familien- und Freundeskreis weitergefeiert. Der Abend beginnt mit dem traditionellen Hering mit Pellkartoffeln. Marie und Gunnar hatten für uns auch noch Räkor (Krabben) aufgetischt, die sind kaum irgendwo frischer und schmackhafter als an Bohuslän's Küste.
Am Samstagmorgen sind alle müde. Wir hatten nicht lange mitgefeiert und waren früh auf den Beinen. Um 9.oo Uhr legten wir ab und verließen für dieses Jahr das gastliche und hilfsbereite Öckerö. Wir machten Süd und waren an diesem 25. 6. morgens fast allein "auf der Piste". Nur ein paar Inselfähren waren unterwegs. Der Wind wehte schwach aus West, anfangs war es bedeckt, dann wurde es ein schöner, sonniger Tag. Wir liefen gemütlich durch den inneren Schärenweg und hatten um 11.30 Uhr schon den Kungen querab. Gottskär, querab von Nidingen, war unser Tagesziel. Nidingen ist das älteste schwedische Leuchtturmanwesen und sehr, sehr hübsch anzusehn. Gottskär liegt geschützt in den Schären im Kungsbacka Fjord und ist ein alter Badeort. Der Wetterschreiber verkündete uns für die nächsten Tage West 6-7. So was müssen alte Leute ja nicht unbedingt haben, also machten wir uns Sonntag, 26. Juni, auf den Weg nach Varberg.
Vorbei ging's am weit sichtbaren Atomkraftwerk von Ringhals bei Buahamn. Wir sehn diese Art der Stromerzeugung ja immer noch mit gemischten Gefühlen. In Schweden klärt man mehr auf, man macht die Anlagen zugänglich, Information, Experimentier-Räume, in einem Werk ist sogar ein Kunstmuseum untergebracht.
Nach nur 22 sm waren wir in Varberg fest. Der Wetterbericht hatte Recht, Montag tobte Petrus sich mal wieder aus, dazu gab es kräftige Schauer. Wir hatten die Kuchenbude (für Nichtsegler: Persenning über dem Cockpit) aufgebaut und ließen es uns gut gehen.

Varberg ist auch wieder das, was man in Schweden unter einem Badeort versteht. Schöne, gepflegte Kuranstalten im Jugendstil, ein Warm- und ein Kaltbadehaus, Badezeiten getrennt nach Männlein und Weiblein. Auch einen FKK - Strand gibt es, aber auch wie vor getrennt. Wo da wohl noch das Reizvolle ist? Aber so moralisch kann Schweden sein... Die Stadt Varberg besteht meist aus Holzhäusern, was ihr einen gemütlichen Charakter verleiht. Die Einkaufsmöglichkeiten lassen nichts zu wünschen übrig. Ganz gut ist das große Fischgeschäft am Hafen, große Auswahl und natürlich der berühmte Falkenberg - Lachs, der unweit von hier gefangen wird. Varberg hat eine tägliche Fährverbindung nach Grenaa, wovon die Stadt sicher auch wirtschaftlich profitiert. Bas Bemerkenswerteste aber ist die große Festung, vom Wasser aus kann man schon durch sie Varberg gar nicht verfehlen. Das alte Mauerwerk wird ständig renoviert und bausicher gehaltem, man kann überall spazieren gehen in den Sommermonaten finden hier jeden Abend Konzerte statt. Wir hatten keine Kuranlagen nötig. Für uns Segler war gerade ein neues Sanitärgebäude fertig geworden, und das war super. Vor den WC's waren zwar keine Türen und auch nicht vorgesehn, sondern nur Vorhänge, aber was soll's, das ist vielleicht die neueste Mode...
Dienstag, 28. Juni, wehte morgens immer noch der kräftige Westwind, aber der Wetterbericht kündete nachlassend an. So machten wir noch ein paar Einkäufe, u. a. "Fisch satt". Nach einem frühen Mittagessen legten wir gut gestärkt um 12.oo Uhr ab. Wir hatten West 5 noch viel Dünung, aber es war bei Sonnenschein und guter Sicht wunderschön, die Küste runterzusegeln. Als wir die Landecke mit dem Leuchtturm Tylön zu fassen hatten, konnten wir Halmstad schon sehen, und nach weiteren 1 1/2 Stunden waren wir nach 38 sm um 19.00 Uhr in Halmstad fest. Halmstad ist eine alte Hafenstadt, heute sehr modern ausgebaut mit Lotsenstation und regem Schiffsverkehr. Ich war abends zu müde, um mir die sicher interessante Stadt noch anzuschauen. Hermann ist losspaziert und hat Karten für's Logbuch besorgt zur Erinnerung, mal in Halmstad gewesen zu sein.
Am nächsten Morgen, 29. Juni, legten wir um 8.00 Uhr ab. Wir standen so ein bißchen auf Treiben, in den Sund reinzukommen, mein Mann wollte von Kopenhagen aus wieder eine Norwegen - Reise unternehmen. Es war ein schöner, sonniger Tag, anfangs schwachwindig. Aber schon zwischen Torekov und der kleinen Inselgruppe Hallands Väderö hatten wir schnell West,und es wurde ein richtig schöner Segeltag. Vor allem wird es unvergesslich bleiben, bei so prächtigem Wind und Wetter dicht unter dem Kullen gesegelt zu sein. Die meisten Segler kämpften sich aus dem Sund raus Richtung Norden, und wir segelten mühelos mit halbem Wind und schiebendem Strom nach Helsingör. Bei solchen Bedingungen sind 43 sm ein Spaß!
Donnerstag, 30. Juni, war es morgens schon sehr warm, und wir hatten nur noch Südost 2. Na ja, die 11 sm nach Rungsted waren wir schnell motort, zumal die Küste nördl. von Kopenhagen, die dänische Riviera, so schön anzusehen ist. Wir hatten Glück und fanden schnell einen Platz, der für längere Zeit frei war und uns auch gefiel für einen 1-wöchigen Aufenthalt. Immerhin sollte ich hier ja mit Katze Jule auf der "Windrose" bleiben. Der Hafenmeister in Rungsted ist sehr hilfsbereit. Ganz selbstverständlich übernahm er es, für meinen Mann die Fähre nach Oslo zu buchen. Also fuhr Hermann am 1. Juli spätnachmittags ab mit der DFDS - Fähre mit Zwischenstop in Helsingborg nach Oslo. Da ging's gleich weiter mit der Bahn, 8 Std. über die Hardanger Vidda. Was sind das für Strecken in Norwegen! Kein Wunder, daß da das Flugzeug ein ganz wichtiges Verkehrsmittel ist. 2000 km sind es von Lindesnes zum Nordkap, dazu die Fjordeinschnitte und fast alles Gebirge, da kommt man an Land nicht schnell voran. In Myrdal ist Hermann in die berühmte Flambahn umgestiegen, die hinunterführt nach Flam zum Aurlands - Fjord, einem Ausläufer vom Sognefjord. Es ist eine reine Touristikfahrt, immer wieder wird angehalten, damit die gewaltigen "Vossen", die Wasserfälle fotografiert werden können. In Flam übernachtete Hermann, am nächsten Morgen ist er über den Fjord gefahren und dann mit dem Bus die berühmte Stalheimen - Strecke hoch nach Voss. Wir haben diesen Ausflug 1980-mal gemacht, als wir mit der großen "Windrose" Nordsee 39 in Bergen waren.
Von Voss ging's mit der Bahn nach Bergen, das ist nicht weit. In Bergen übernachtete Hermann im SAS - Hotel, das liegt an Bryggen, der Fotografierkulisse. Wie so oft - es regnete. Früher sagte man, wenn die Leute ohne Regenschirm in Bergen rumlaufen, scheuen die Pferde. Wetter schlecht und unsere norweg. Freunde sind auf ihrer Insel im Oslo - Fjord, da hält Hermann nichts in Bergen. Auch eine Reise weiter nach Norden ist uninteressant, das Wetter in Nordnorwegen ist genauso unbeständig. Also flog mein Mann zurück nach Oslo und stieg abends schon wieder auf die DFDS - Fähre zurück nach Kopenhagen. Das war in diesem Jahr ein kurzer Ausflug nach Norwegen. Wir trafen uns am Dienstagmorgen am Hauptbahnhof, der große Bucksack kommt in's Schließfach, und zusammen genießen wir noch ein paar Stunden "Wonderful Copenhagen". Was möchte ein Freizeitkapitän wohl gerne machen? Hafenrundfahrt! So schlecht ist das auch gar nicht, man sieht alles aus einer anderen Perspektive. Interessant zu sehn sind die Kanäle von Christianshavn (ein Stadtteil, erbaut von Christian IV., das Kanalsystem sollte Amsterdam ähneln). Eine beeindruckende Architektur hat die neue Staatsbibliothek, genannt der "schwarze Diamant",

weil sie ganz schwarz verkleidet ist.
Attraktion in diesem Jahr ist die im Januar festlich eröffnete "Operaen", das modernste Opernhaus der Welt. Das moderne Gebäude vom Architekten Henning Larsen liegt auf Holmen in Christianshavn, gegenüber von Schloß Amalienborg und genau in der Achse von Schloßplatz und Marmorkirche.

Die Oper ist ein Geschenk des superreichen, 92-jährigen Dänen A.P. Maersk Mc-Kinney Möller. Er hat sie seinen Landsleuten geschenkt und sich selbst damit ein Denkmal gesetzt.
Für mich war es in diesem Jahr kein Kopenhagen - Festival wie 2004. Ich hatte nur 3 Tage Zeit, und die lagen über's Wochenende. Vor allem aber war es viel zu warm, da war es mit meiner Unternehm-ungslust nicht weit her. Der Däne sagt, es wird sich schon was weisen. D. h. er jammert nicht, wenn's mal nicht so läuft sondern geht's gelassen an. Das ist offenbar eine gesunde Strategie, Dänemark glaubt an die Zukunft und baut und baut. Schräg gegenüber der neuen Oper entsteht das neue Schauspielhaus, Museen werden neu- oder umgebaut. Überall wird renoviert vom Hauptbahnhof bis zum Parlament, von den Kaianlagen bis zur U - Bahn. Es rührt sich was in unserem Nachbarland.
Mittwoch, 6. Juli, verließen wir das gastliche Rungsted, es war sehr warm und kein Wind. Mittags schon waren wir in Gilleleje, einem der schönsten Häfen in Dänemark. Es liegt bilderbuchmäßig unter der Steilküste mit dem Nakkehoved Feuer. Gilleleje hat noch immer den größten Fischereihafen der Insel Seeland, eine funktionierende Werft, wo immer ein paar Kutter auf dem Helgen liegen. Die ganze Backbord - Seite vom Hafen hat man für die Segler ausgebaut, auch in der Hochsaison gibt's keinen Platzmangel mehr. Der kleine Ort mit seinen reetgedeckten Fischerhäusern ist zum Fotografieren schön.
Am 7. Juli ging's nach Odden - Havn, tagsdarauf nach Langör auf Samsö. Jeden Tag sehr warm und kein Wind. Anfangs hatten wir uns gefreut, daß wir so bequem um Nord - Seeland West machen konnten und nicht den umständlicheren Weg durch's Smalands - Fahrwasser nehmen mußten. Nun aber wurde die Wärme, um nicht zu sagen Hitze, vor allem für mich zur Belastung. Alles was über 25 Grad ist, das sind nicht mehr meine Wohlfühl - Temperaturen. Dabei muß man mir zugutehalten, daß bei Regenwetter meine Stimmung keineswegs beeinträchtigt ist.
Wir hatten "Bimbie", unser Sonnensegel, aufgebaut, um uns vor der Sonne zu schützen. 30 Grad in der Kajüte waren "normal", beim Kochen 37 Grad, das war zu viel. Jeden Tag warm und kein Wind, wir wollten nach Hause, und das waren wir dann auch in 3 Tagen: Marup - Bucht./. Fanö-Sund ./. Glücksburg. Am 11. Juli, 21.oo Uhr, waren wir wieder in unserem Heimathafen fest.

Das war ein Urlaubsabbruch wegen zu viel Wärme. Geplant waren noch 2 Wochen in der Arhus - Bucht und der dänischen Südsee zu schippern. Es hat nicht sollen sein. Unter dem Strich gesehen aber müssen wir dankbar sein, daß wir in unserem Alter noch so schöne Segelreisen machen dürfen. Schiff und Besatzung wieder heil angekommen, dann ist alles okay.
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