Irmgard’s 50.
Segelsommer
Vorweg sei gesagt, es war wieder ein
guter und erlebnisreicher Segelsommer.
Es ist gut in unserem Menschendasein
eingerichtet, dass meist nur das
Intressante und Beeindruckende in
Erinnerung bleibt.

Die „Windrose“ ist am 7. April ins
Wasser gekommen, seit Jahren mal wieder
„nach“ Ostern, denn das war dieses Jahr
schon 23. und 24. März. Das Schiff war
schnell ausgerüstet, nach so vielen
Jahren geht das wie am Schnürchen. Und
Einräumen und Ausrüsten macht immer
Spass, die Vorfreude auf die neue Saison
motiviert.
Im April haben wir oft Ostwind und
schönes Wetter. Hermann hat auf der
Förde „geübt“, d.h. mal bis Minde und
zurück, mal bis Langballig usw.
Ansegeln war schon am 26. April, weil
Anfang Mai ein Fest das andere ablöste:
1. Mai = Vatertag und Christi
Himmelfahrt und am 11. Mai schon
Pfingsten.
Man muß die Feste feiern wie die
Feste fallen. So früh wird das alles
erst wieder im Jahr 2160.
Am 29. April ist Hermann „auf Tour“
in die Schlei gegangen. Er sagt, am 1.
Mai war die Kappeler Brücke 3/4 Std.
geöffnet, so viele Segelboote wollten
durch. Eine endlose Karavane. Na; die
wartenden Autofahrer werden bestimmt
geschimpft haben: „Ssss… -
Segelbootfahrer“ Ich bin mit dem Auto
nach Grauhöft gekommen, wo wir uns mit
unseren jungen Fahrdorfer Freunden
getroffen haben.

Von nun an lebt mein Käptn fast den
ganzen Sommer an Bord. Im Mai macht er
dän. Südsee und immer wieder die Schlei.
„Hoch Markus“ beschert uns Anfang Mai
einen Vorgeschmack auf den Sommer. 24 /
25 Grad warm. War das früher um diese
Zeit auch so warm? Ich mein, wenn wir in
Juni nach Norden zogen, war das
Pulloverwetter. Pfingsten waren Jule und
ich mit an Bord, Sonderburg / Dyvig und
zurück, schönes Wetter, hat Spaß
gemacht.
In Schleswig ist dieses Jahr
Landesgartenschau. Da haben wir uns im
Mai die Frühjahrsbepflanzung angeschaut.
Hübsch! Die ganze Schleiregion hat sich
zusammengetan und ist sehr rege in der
Tourismuswerbung. Z.B. hat man eine
Jahreszeitschrift „Mohltied“ her raus
gebracht. Darin werden Restaurants und
Cafe’s vorgestellt, darunter eine
Tortenkönigin. Obgleich wir keine großen
Kuchenesser sind, hat uns das neugierig
gemacht, und wir sind auf Probier-Tour
gegangen. Da ich der „Windrose“ mit dem
Auto oft hinterher gefahren bin, konnten
wir viele Ausflüge machen. Unser
diesjähriger Cafe’ – Favorit ist das
Cafe’ Krog in Ulsnis.

Ja, ich komme viel mit dem Auto
hinterher, und Hermann hat ein
„Zimmermädchen“. D.h. ich bringe saubere
Wäsche und frischen Proviant und wenn
ich komme ist das ein bisschen so, als
wenn eine Fähre zur Insel kommt und
anlandet. Bevor ich wieder fahr, mach
ich Müsli – portionen, Bütterkes auf
Vorrat und bereite Essen vor,
Paprikagemüse usw.,. da lässt es sich
als Einhandsegler leben.
Im Logbuch steht Ende Mai: der
Wonnemonat Mai war für die Segler super
gut. Hermann hat fast den ganzen Monat
an Bord verbracht, und auch ich war
viele Tage auf der „Windrose“, dass ich
schon Vorräte aufstocken musste, bevor
wir auf Sommerreise gingen.
Am 6. Juni war es dann so weit. Bei
hochsommerlichen Temperaturen starteten
wir. Jeder „normale“ Mensch freute sich
ja über die Wärme und Trockenheit der
letzten 5 Wochen. Mir aber geht’s wie
den Landwirten und Gärtnern: ich stöhn.
Alles was über 25 Grad ist, ist mir zu
viel
.
Bei Ost 3 bis schwachwindig geht es in
Tagesetappen nach Sonderburg, Damp und
Großenbrode. Am 4. Tag hat der Wind auf
NW 3-4 gedreht, und nach 22 sm sind wir
nachmittags in Timmendorf auf Pöel fest.
Oh, oh, das kann ein schaukeliger Hafen
sein. Ich hatte es beim Festmachen schon
geahnt, vom Liegeplatz frei auf die See,
auf die Wismar Bucht gucken zu können,
das kann nicht gut gehen. Der
Seewetterbericht „versprach“ auch prompt
W-SW 5-6 und als ich in der Koje lag,
hörte ich es schon „klödern“. Morgens
gab es statt Ausflug nach Wismar einen
schnellen Aufbruch und eine noch
schnellere Reise nach Warnemünde. So
waren wir am 10. Juni am frühen
Nachmittag im feinen Hohe Düne
Yachthafen fest..
In Timmendorf hat Hermann das Schiff
für die Nacht zwischen den Pfählen und
Kaimauer so frei gebunden, dass wir ohne
Manöver zu jeder Zeit flüchten konnten.
Am nächsten Tag hörten wir. über UKW
„Pappa 07“ einen Segler fragen, der noch
in Timmendorf lag: Ob die 5-6 aus West
wirklich kommen. Wir haben geschmunzelt,
richtig gemacht.
5 Sterne Yachthafen Hohe Düne: Ein
Yachthafen der Superlative von den
Ausmaßen und allem Drumherum.Erbaut vom
Norweger Löksiek mit Zuschüssen von
Europa usw. Noble sanitäre Anlagen mit
ital. Mosaik und Mahagoni. Das Schönste:
Jeden Morgen, wenn wir zum Duschen
gingen, war unser erster Blick, welches
Kreuzfahrtschiff wohl gekommen war. „
Aida Bella“ usw.
+ reger Fährverkehr, alle waren sie
auf der Warnow zum Greifen nahe. Sehr,
sehr schön anzusehen.
11. Juni, unser Hochzeitstag, das
musste doch eigentlich nur ein guter Tag
werden. Aber, aber……..
Wir holten unseren verpassten Ausflug
nach Wismar nach. In Rostock beim
Einsteigen in die Bahn bin ich, sagen
wir das mal so, tüffelig. Ich stolper
rein und schlag mir tüchtig das
Schienenbein auf. Das sollte doch wohl
Strafe genug sein, nein, als ich auf dem
Boden lieg, schlägt mir die autom. Tür
in’s Kreuz.

Wir sind trotzdem nach Wismar
gefahren, und es war ein wunderschöner
Tag. An die Meck-Pomm.-Küste waren wir
ja mal wieder gegangen wegen der
Backsteingotik. Das ist eine großartige,
beeindruckende.Hinterlassenschaft der
Hanse. Nicht umsonst sind Wismar und
Stralsund zum Weltkulturerbe ernannt
worden. Wir waren lange in der
Nicolai-Kirche, und Hermann hat
fotografiert. St.Georgen macht große
Fortschritte im Wiederaufbau, wird aber
leider nicht mehr für Gottesdienste,
also für ihren eigentlichen Zweck
genutzt werden, sondern für Konzerte und
andere weltliche Veranstaltungen. Als
Mahnung bleibt der Turm von St.Marien,
wir sollen nie vergessen, was der Krieg
angerichtet hat.
Am Donnerstag, 12. Juni, ich hatte
schon ziemlich Schmerzen im Kreuz, haben
wir noch einen Dampfer-Ausflug auf der
Warnow nach Rostock gemacht. Die dortige
Marienkirche war schließlich auch
„dran“, und mal die Aker-Werft in ihrem
ganzen Umfang, die vielen Fähranleger
aus der Nähe und mit den Erklärungen von
„He lücht“ zu sehen, war sehr
interessant.
Am Freitag, 13. Juni, machten wir die
langen 42 sm von Warnemünde nach Barhöft
in die Bodden. Seit Darßer Ort nicht
mehr angelaufen werden kann wegen
Versandung ist das für kleine Schiffe
eine lange Strecke. Wir hatten West 4-5
zunehmend, und da es immer an der Küste
lang geht, wurden die gut 9 Stunden
nicht langweilig.
Barhöft ist Station für den Lotsen,
den Seenotkreuzer und die Küstenwacht.
Ein kleiner Hafen direkt am
Naturschutzgebiet des Boddens gelegen.
Ein ausgesprochener freundlicher und
hilfsbereiter Hafenmeister versorgt die
Segler vorzüglich.
Am nächsten Tag sind wir bei W 5,
also gegenan, nach Barth in die Bodden
gegangen. Eine kurze, holperige See. Mir
wurden die 12 sm zur Unendlichkeit.
Sitzen konnte ich nicht vor Schmerzen,
ich hab in der Kajüte gestanden und mich
festgehalten. Und hab mir meine Gedanken
gemacht. Eine Rippenprellung hatte ich
schon ein paar Mal, da war „mein Fell“
aber nach 2 Tagen blaurot. Jetzt tat es
so weh, dass ich nicht auf der Seite
liegen konnte und jede Erschütterung weh
tat aber zu sehen war nichts. Rippe
gebrochen? Ich vermutete es, aber das
wollte ich mir doch lieber vom
Orthopäden absichern lassen.

Sonntag, 15, Juni, bin ich mit der
Bahn nach Fl. gefahren, und Montagfrüh
war ich beim Arzt. Es war so, das
Röntgenbild zeigte es: Die Zugtür hatte
mir eine Rippe durchgeschlagen, 6 Wochen
rechnet man für den Heilungsprozess. Als
ich dem Arzt sagte, dass ich am nächsten
Tag wieder an Bord wollte, sagte er
gedehnt: „Na, ja“. Er hat sich wohl sein
Teil gedacht und gab mir noch mit auf
den Weg, leichte Arbeit zu machen.
Ich wusste nun, was los war und
akzeptierte es. Wenn man darin steckt,
ist es einfach so, aber im
Rückblick sprech ich schon von „den
schrecklichen 4 Wochen“

Am 17. Juni bin ich also nach
Stralsund gefahren, wo Hermann mich am
Bahnhof abholte. Dieser praktisch
denkender Mensch hatte schon einen
Leihwagen organisiert. Es war ja klar,
dass diese Sommerreise nun ganz anders
verlaufen würde.
Barhöft wurde für ein paar Tage
Ausgangspunkt für unsere Ausflüge. Wir
fühlten uns da so richtig wohl, vor
allem wegen dem netten, tüchtigen
Hafenmeister. Er half, wo er nur konnte.
Mittwoch verbrachten wir den ganzen
Tag in Stralsund. Erst waren wir in der
Marienkirche, auch da wird immer noch
renoviert, das wird auch noch lange so
weitergehen, es fehlen einfach die
finanziellen Mittel. Ganz schlecht steht
es um St Jacobi, wird auch nicht mehr
als Kirche genutzt.
Am besten zurecht ist der
Rathaus-Komplex mit der angrenzenden
Nicolai Kirche. Es ist einfach das
Vorzeigestück der Stadt Stralsund, die
Fotos davon sind in der Werbung. Der
Anblick von Rathaus und Kirche vom
Marktplatz gesehen ist wirklich
beeindruckend.

Donnerstag, 19. Juni, sind wir über die
neue, imposante Brücke gefahren. Man
kann verstehen, dass Rügen eine
heißgeliebte Ferieninsel der Deutschen
geworden ist und vor allem zum
Einzugsgebiet der Berliner Ausflügler
gehört. Die wunderschönen Alleenstraßen,
oft noch mit Kopfsteinsteinpflaster, die
vielen kleinen Orte, wo die Zeit
stehengeblieben scheint, die
Seebärenkultur. Aber vor allem die
schöne Landschaft! Wir sind oft am
Straßenrand angehalten, haben gestaunt
über die Felder voller Mohn und
Kornblumen und uns gefreut. In der DDR
hatte man kein Geld für
Unkrautvernichtungsmittel. Da konnte man
nicht so viel kaputt machen. Ich habe
oft bewundert, was für Blumen noch so
einfach am Wegesrand wachsen und habe
mich an Kinderzeiten erinnert. Schön,
einfach schön!
Freitag, 20. Juni, waren wir noch mal
in Stralsund. Mit immer mehr Wissen,
inzwischen hatten wir wohl 6 Bücher über
Bachsteingotik an Bord, ließen wir noch
mal „Stolz und Herrlichkeit der Hansen“
auf uns wirken. Eine Pracht, die über
Jahrhunderte bewahrt wurde. Zum Schluß
haben wir im Citti – Markt noch tüchtig
eingekauft, bevor es am nächsten Tag
nach Hiddensee weitergehn sollte.
Es war sonnig und West 5, richtig
schöner passender Segelwind, als wir
Samstagmorgen, 21 Juni, in Barhöft
ablegten. So schön zu segeln, dass es
mir in der Seele weh tat. Ich konnte ja
nicht mal richtig sitzen im Cockpit,
geschweige denn Ruder gehen. „Das
Ripperl“! So was passiert ausgerechnet
mir, die sowieso nur wegen des Segelns,
d.h. am Ruder sitzen, an Bord ist.

So waren wir mittags, Samstag, 21.
Juni, in Vitte auf Hiddensee fest. Mit
dem Hafenmeister „von ganz oben“ kamen
wir nun „nach unten“, aber wir wussten
es ja schon. Wir kannten „ihn“, den
Hafenmeister von Vitte, von unserer
Segelreise im Jahre 2000. Dieser Mann
läuft nur dem Geld hinterher, und er
lässt sich alles ungewöhnlich hoch
bezahlen. Service biete er kaum, für
Brötchen muß man ein ganzes Ende in’s
Dorf laufen. Aber dieser Hafenmeister
ist in Seglerkreisen an der ganzen Küste
bekannt. Nur, was der allzu gut weiß,
wer als Segler nach Hiddensee will,
kommt an Vitte nicht vorbei, die anderen
Häfen bieten wenige Liegeplätze.
Wir waren noch nicht lange in Vitte
fest, da legte auch die Comfortina 35
des Commodore des FSC, Enno Brink, mit
Herrenbesatzung an. Jedenfalls hatte
mein Mann viel zu erzählen und bekam die
neusten Vereinsnachrichten.
Ich war auf Hiddensee, dem „söten
Länneken“ in meinem Radius sehr
eingeschränkt, ich konnte auch nicht Rad
fahren, d.h. das Gehoppel wollte „Ripperl“
nicht. Hermann war den ersten Tag mit
dem Rad auf dem Dornbusch und hat schöne
Bilder mitgebracht. Hiddensee ist
autofrei, landschaftlich schön, die
Insel ist etwas Besonderes, hat immer
Künstler angezogen und diese inspiriert.

Wir sind viel gelaufen, laufen konnte
mein Ripperl am besten. Am Strand waren
wir ein paar Mal, haben aber keinen
Bernstein gefunden, vielleicht braucht
man dafür mehr Ruhe und ein Auge zum
Suchen nicht mal einen „Hühnergott“ hab
ich gefunden, das sind Steine mit einem
durchgehenden Loch, die man also
aufhängen kann.
Ein paar Bernsteine und einen
Hühnergott hab ich mir in einem
speziellen Laden gekauft. So „unnett“
wie der Hafenmeister in Vitte ist, so
nett ist dieser Bernstein-mann, ein
Künstler in seinem Beruf und auch ein
Lebenskünstler.
Montag und Dienstag (23. und 24.
Juni) hatten wir Starkwind, richtig
Starkwind, dass sogar Hermann sagte:
„Viel Wind“. Küstenradio DP 07 machte
laufend Windreklame: SW auf West drehend
7, in Boen 10. Die „Windrose“ hat in der
Box geschaukelt und schief gelegen.
Wir saßen wie auf Kohlen, wollten weg
von Vitte und standen laufend mit
unserem Freund in Fahrdorf in
Verbindung, der im Internet „Ugrib us“
die Wetterentwicklung verfolgte.
Dienstagabend kündigte Kai uns für
den nächsten Tag ein „Zeitfenster“ an,.
an diesem Mittwoch sollte es
schwachwindig sein, aber am Abend schon
wieder anfangen aus W – SW zu wehen. Wir
waren früh „in den Puschen“ und legten
um 5,30 Uhr in Vitte ab. Der Wind war
wirklich umlfd. schwach, und ich betete,
daß dieses Zeitfenster halten würde. Wir
nahmen Kurs auf Warnemünde, genossen
noch mal vom Wasser aus den Dornbusch,
so ist der Anblick nämlich fast am
schönsten. Wir sind so klein, und die
mächtige Steilküste liegt über uns mit
dem hübschen, weißen Leuchtturm und der
leuchtenden, roten Mütze oben drauf.
Mittags hatten wir Darßer Ort querab.
Die „Maximum“, auch vom FSC, war an
diesem Morgen von Stralsund gestartet
und auch auf dem Weg nach Warnemünde.
Wir hielten über Handy Kontakt.
Nachmittags um 15,30 Uhr waren wir
wieder in Hohe Düne fest, ich natürlich
ziemlich erleichtert. Zwei Stunden
später kamen auch unsere Freunde, und
wir hatten einen fröhlichen Abend.

Wir lagen noch nicht ganz in der
Koje, da sang der Wind sich schon wieder
aus ein, und morgens pfiff es wieder aus
West. Kai hatte Recht behalten mit
seinem Zeitfenster. 26 – 27 – 28. Juni
viel Wind und teilweise auch Regen.
Hermann fing wohl langsam an zu
überlegen wie diese Reise weiter gehen
sollte. Er wollte, musste und sollte
segeln. Seine wahrhaft rettende Idee:
unser Auto muß her. Gedacht, gesagt und
auch ruck – zuck getan. Am Samstag (28.
Jun) brachte uns ein Nachbar das Auto
und fuhr am selben Tag mit dem Zug
zurück. Nun hatte jeder von uns sein
Fortbewegungsmittel, und es wurde eine
ganz andere, aber sehr, sehr
interessante Reise. Gleich am nächsten
Tag, Sonntag 29. Juni, ging unsere
Kombi-Reise los. Bei uns war es ein
Riesenvorteil, dass Hermann ein sehr
geübter und tüchtiger Einhandsegler ist.
Mein Käpten freute sich, wieder
vogelfrei zu sein und segelte an diesem
Tag nach Kühlungsborn.
Über Handy standen wir in Verbindung,
und als er anlegte, war das
„Zimmermädchen“ auch da.
Das spielte sich schnell ein und
klappte prima auf der ganzen Reise.
Ich ging dann wieder an Bord, und es
war wie immer, aufräumen, kochen, kleine
Pause. Und danach kam unsere zweite
Schicht. Wir setzten uns in’s Auto und
machten Sightseeing.
So fuhren wir am Spätnachmittag nach
Bad-Doberan und guckten uns die
Abtei-Kirche an, auch ein Paradebeispiel
von Backsteingotik. In dieser Basilika
ist noch fast das ganze mittelalterliche
Inventar erhalten. Im Gegensatz zu den
anderen Stadtkirchen liegt die Doberaner
nicht eingeengt zwischen anderen
Gebäuden, sondern frei in einem Park auf
dem ehemaligen Klostergelände. Auch vom
Kloster stehen noch Gebäude, die aber
sehr baufällig sind. Es wundert, dass
die Doberasner Kathedrale noch nicht zum
Weltkulturerbe erklärt worden ist. Das
kommt bestimmt noch und würde dieses
prachtvolle Gebäude der Backsteingotik
noch mehr aufwerten.

Montag, 30. Juni, machten wir Hafen
und Ausflugtag. Kühlungsborn ist gar
nicht so klein, wir haben vor allem den
Kur- und Bäderteil abgefahren. Danach
waren wir zum Salzhaff nach Rerik.
Dieser alte Fischerort hat eine
beeindruckende Kirche, sehr schöne
Kalkmalereien und wertvolles Inventar.
Wohl mit Recht war ein Aufpasser in der
Kirche, der uns erzählte, daß diese
reiche Ausstattung von den Gutsherren
des Umlandes gekommen ist. Die Kirche
von Rerik wird auch im Baedecker als
sehenswert beschrieben.
Dienstag, 1. Juli, wurde ein warme,
vor allem sehr langer Tag. Anfangs war
es schwachwindig, dann SO 3-4, Hermann
wollte eigentlich nach Boltenhagen, aber
das erschien ihm als großer Umweg wegen
der Ansteuerung von Süden. Ich habe mir
die neue Marina von Boltenhagen
angeguckt, eine noch sehr nüchterne
Feriensiedlung, wo noch gar nichts los
war. Nein, da brauchten wir wirklich
nicht hin, wir hatten nichts verpasst.
Hermann nahm Kurs auf Fehmarn, und
ich hatte viel Zeit. Ich guckte mir noch
mal Wismar an, aß im Schatten der
Wasserkunst genüsslich mein Bütterken,
stand lange vor der Ruine von St.-Marien,
deren gewaltiger Turm neben St.--Georgen
mahnend in den Himmel ragt. Ich zündete
noch mal Kerzen an in St-Nicolai und
betete. Die schmucken, renovierten
Häuserzeilen beguckte ich mir noch mal
in aller Ruhe, Wismar ist sehr, sehr
schön.
Dann machte ich mich auf „die Socken“
ich musste ja noch die ganze Lübecker
Bucht umfahren. Mein Ziel war erst mal
das Kloster Cismar bei bei Grömnitz.
Cismar gehört zu den Schlesw.-Holst.
Landes Museen und zeigt sehr oft schöne
Ausstellungen, dies mal leider nicht.
Aber ich war da trotzdem gut aufgehoben.
Es war ein ziemlich warmer Tag und da
ich mit dem Auto ja viel schneller war,
hatte ich reichlich Zeit. Ich setzte
mich draußen in’s Kloster-Cafe.
Beschattet von großen Bäumen habe ich
viele Postkarten geschrieben. Ich bin
ein „Schreiberling“, und so denke ich
auf Reisen an alle guten Freunde. Im
Kloster ist ein Kunstgewerbeladen, und
darin entdeckte ich ein weiches Kissen.
Für diesen Bericht so gar nicht wichtig,
aber für mich erzählenswert. Dieses
Kissen war für mich von nun an „die“
Stütze für mein Ripperl, ich hab es
heute noch im Auto.
Unterwegs hab ich meist in Hofläden
eingekauft, es mangelte uns nie an
frisch gepflückten Erdbeeren und anderen
Köstlichkeiten. Gut ausgerüstet hab ich
in Heiligenhafen nicht so lange warten
müssen, um 18,30 Uhr machte Hermann mit
der „Windrose“ fest. Müde waren wir
beide nach unseren langen Tagesreisen,
ausnahmsweise gingen wir essen. Gut
war’s nicht, aber manchmal muß das auch
egal sein.
Ein Tag reisen + ein Hafentag, das
war unser Rythmus. Den nächsten Tag, 2.
Juli, blieben wir also in Heiligenhafen.
1000 Liegeplätze – ein Meer von Booten
und Masten, und am Ende des Moores ist
auch noch ein großes Feriendorf.
Touristen über Touristen. Wir haben
alles abgefahren und es uns beguckt.
Also: Segeln hat doch immer noch
wesentlich mehr Individualismus als
camping usw, das haben wir ganz dankbar
festgestellt. Nach Fehmarn sind wir auch
rübergefahren, haben uns die stattliche
Kirche in Burg angeguckt. Vor allem aber
bin ich Schleswig-Holsteinerin endlich
über die Fehmarnsund-Brücke gefahren.
Bisher immer nur unter durch.
Donnerstag, 3. Juli, sind wir früh
aufgestanden, Hermann wollte heute über
die Hohwachter Bucht nach Laboe. Mir war
früh aufstehen immer gerade recht, das
Ripperl konnte am schlechtesten liegen,
die Nächte waren schlimm. Es war ein
sehr warmer, sonniger, gewitteriger Tag
und Ost
5 – 6. Um 7,15 Uhr legte die
„Windrose“ ab und war um 14,15 Uhr in
Laboe fest. Ich fuhr über Nebenstraßen
dorthin, und man lernt immer dazu. Hatte
ich doch gemeint, Laboe ist ein Teil von
Kiel, nein Laboe gehört zur Probstei.
An diesem Tag hatte ich viel Zeit,
viel zu viel Zeit in der Wärme. Ich war
immer auf der Suche nach einem
schattigen Parkplatz, in Laboe ist nicht
viel Auswahl. Wo Schatten war, war
Halteverbot oder ein anderer war schon
da. Ich hab mich in eine Siedlung
verkrümelt und bei offener Tür
geschlafen. Wer sollte mich schon
klauen?
Freitag war Hafentag in Laboe. Der
Käpten erholte sich von den Törn über
die Hohwachter Bucht, die „Ritterin der
Landstraße“ erholte sich von dem warmen
Vortag. Morgens waren wir mit dem
Ausflugdampfer nach Strande, und
nachmittags fuhren wir Wentorf,
Möltenort, Heikendorf usw. ab. Wir haben
viel, viel gesehn auf dieser Reise. In
Laboe haben wir in dem neuen
Baltic-Yachthafen gelegen, sehr modern
und gepflegt und ein guter Service.
Sonntags, 5 Juli, hatte Hermann eine
kurze Reise, 13 sm nach Damp bei West 4
waren nicht weit, es war warm und
diesig. Um 8,15 Uhr abgelegt und um
11,30 Uhr war die Windrose schon wieder
fest. Hermann ist gerne in Damp, vor
allem das Baden und anschließend Massage
bei Frau Fricke gefällt ihm. Man kann
schön spazieren gehen, und es sind dort
immer unterhaltsame Veran-staltungen.
Der Käptn sagt: „die tun was“.
Am Sonntag, 6.Juli, fuhren wir nach
Hause. Es war schwachwindig, warm und
schwül. Motoren musste wir heute also
beide, aber um 14,30 Uhr war die
„Windrose“ auch in Glücksburg fest.
Damit war der erste Teil des
Segelsommers 2008 zu Ende gegangen..
Hermann wollte sich die 12 er Regatta
angucken und anschließend die der
Folkeboote. Wie lange würde er es wohl
an Land aushalten? 2 Tage!! Am 9. Juli
legte er nachmittags „mit frischem
Proviant versehen“ wieder ab. Einhand,
die „Windrose“ gehörte ihm mal wieder
allein.
Eine Woche hielt sich die „Windrose“
auf der Schlei auf bei meist frischem
West und Südwest – Wind. Am 16. Juli,
legte die „Windrose“ Richtung Norden ab.
Bei W –NW 5-6 ging es in 2 Tages-reisen
nach Middelfahrt. Am 18.Juli war Petrus
die Puste ausgegangen und legte einen
Tag Pause ein, schwachwindig. Damit kam
Hermann aber gut bis Julsminde, am
nächsten Tag hatte der Wind auf SO 5-6
gedreht, und ab ging’s nach Tunö.. Alle
Nordländer hatten nun Schulferien, und
so voll waren jetzt auch alle Häfen.
Trotzdem machte Hermann einen Hafentag,
Kartoffeln an der Straße kaufen usw.

Montags, 21 Juli, gab’s NO 5-6, und
die „Windrose“ legte ab Richtung Arhus.
Er machte Mittagspause auf Anker in der
Begtrup Vig und war am frühen Abend in
Marselisborg fest.
Es war prächtiges Hochsommerwetter,
und Hermann hatte eine Verabredung mit
seinen „Ferien-kindern“. (Auch auf die
Gefahr, der eingeschränkten Freiheit) Am
Mittwoch, 23. Juli, bin ich mit Jule im
Auto nach Marselisborg gefahren, und der
2. Teil unserer gemeinsamen Segelferien
begann, die sogen. Geburtstagtour.
Nachdem alle Mitbringsel verstaut waren,
legten wir ab. Raus aus der großen Stadt
und auf Anker.
Es begannen wunderschöne 10 Tage,
jeden Tag sonnig und warm und immer
mäßiger östlicher Wind. Wir machten
Pendelverkehr in der Aarhus
Bucht, Samsö, Knebel Vig, abends lagen
wir fast immer auf Anker, in einen Hafen
ging’s nur, um frisches Obst und Gemüse
und Brot zukaufen. Und Bademeister waren
wir, weil’s so warm war. Herrlich!

29. Juli – Geburtstag: Hermann wurde
81 Jahre „jung“, und so sah auch der
Geburtstagtisch aus. Viele fröhliche
Pakete und oben drauf ein großes Schild
„18“. Und dieses jugendliche Alter
verkündet Hermann dann auch bei den
vielen telefonischen Glückwünschen. Im
Logbuch steht:
Hoch soll Hermann leben, und Gott
beschütze ihn! Wir verbrachten diesen
schönen Tag in Nappedam, ganz am Ende
der Arhusbucht.
Am Mittwoch, 30 Juli, verspürte vor
allem ich Lust auf ein bißchen
Großstadtluft. Das Auto stand doch da,
und es war interessant, das Hafengelände
abzufahren, wo scheinbar ohne Ende
gebaut wird, mal das Container-Terminal
aus der Nähe zu sehen. Ich machte meinen
Stadtbummel, ging in den Dom, kaufte bei
Salling einen Haufen gute Lebensmittel
und war rundum zufrieden. Ein
Bilderbuchabend in Marselisburg schloß
diesen schönen Tag ab. „Luft wie Sied“
und eine lange Schlange an der Soft-Ice
– Bude.
Am Donnerstag, 31 Juli, hatten wir
nur sehr schwachen SO, trotzdem machten
wir uns auf den Weg. Die
Wetter-Prognosen verkündeten für die
nächsten Tage Witterungsumschwung, d.h.
SW- Wind, Schauer und kühler, vorbei
war’s mit dem Sommerwetter. Wir genossen
noch den letzten schönen Sommerabend auf
Anker in der Selvig – Bucht vor Samsö.
Freitag, 1. August, hatten wir einen
Parade – Segeltag, 36 sm standen abends
zu Buche, und es war das reinste
Vergnügen gewesen. Wir meinen, wir sind
noch nie so gut und so schnell von Samsö
nach Middelfahrt gekommen. SO 4 – 5 und
das schöne Wetter reichte auch noch,
abends zog es dann zu, und der Wind
drehte. Da waren wir fest und hatten
einen gemütlichen Abend mit Gretel und
Hanni Koch, die mit ihrer „Ole“ in
Middelfahrt lagen.
Am Samstag, 2. Aug., verholte Hermann
vom Stadthafen in den Yachthafen
Middelfahrt, während ich mit dem Zug
nach Arhus fuhr und das Auto nachholte.
Es war windig und ungemütlich geworden.
Sonntag gab’s WSW 5-6 mit Schauerböen,
und wir haben eine schnelle Reise, bis
Aerosund noch am Wind segelnd liefen wir
dann nach Lyö ab, 33 sm waren’s am Ende.
Wir legten uns so weit wie möglich an’s
Reff auf Anker und lagen ruhig.

Montag, 4. Aug., hatte Petrus das
dann richtig auf die Segler abgesehen.
Mit W 6 -7 blies er, und das Baro ging
in den Keller. Wir machten Anker auf und
liefen „wie die Feuerwehr“ in den
Swendborgsund. Vor Troense gingen wir
erst auf Anker, die Plätze an der Brücke
waren alle belegt, es lagen ja viele
„vor Wind“. Aber auf Anker konnten wir
nicht bleiben, unsere Batterien gingen
in die Knie, so dass wir uns abends nach
Thurö verholten.
In Thurö fühlten wir uns wohl und
wetterten hier den 5. Aug. ab. Wir waren
auch beschäftigt, erst mal holten wir
das Auto von Middelfart und waren dann
mobil. Als Segler sieht man immer nur
die Küsten, und der Radius am Hafen ist
klein. Wir sind über Fünen gefahren und
haben festgestellt, dass es eine
landschaftlich schöne Insel ist, sehr
hügeligch, viel Wald, kleine Seen und
schmucke, typisch dänische Dörfer.
Am 6. August haben wir einen Ausflug
nach Kopenhagen gemacht, mit dem Auto
nach Nyborg und dann weiter mit der
Bahn. Die Zeit reichte nicht für
Museumsbesuche, aber mal die Stroget
rauf und runter, das muntere Treiben von
Nyhavn sehn und die Kostbarkeiten bei
Royal Copenhagen, all das ist doch
Lebensfreude.

Donnerstag, 7. Aug, musste die
„Windrose“ mal wieder bewegt werden und
wenn’s nur eine Seemeile rüber an die
Brücke von Troense war. Ich bin mit dem
Auto das erste Mal über die
Svendborgsund – Brücke gefahren, das war
eine ganz andere Perspektive. Dann sind
wir an dem Tag über Tasinge gefahren,
waren in der Kirche deren Turm uns immer
von allen Seiten grüßt. Wir sind über
die Brücken nach Langeland gefahren,
haben in Spodsberg einem Fischer einen
großen Steinbutt abgeluckst für 20 DKR.
Freitag, 8.Aug., regnete es oft, und
wir hatten einen böigen WSW 4 – 5.
Trotzdem wollte Hermann los, ich glaube,
nach ein paar Wochen auf See wollte er
auch mal wieder nach Hause und wenn auch
nur auf Stippvisite. Jedenfall segelte
die „Windrose“nach Faarborg, und ich
fuhr mit dem Auto dorthin.
In Faaborg saßen wir wieder fest, es
wehte aus SW, wenigstens hatten wir
einen guten Liegeplatz und ein Auto „vor
der Tür“. Um im Alter nicht unter die
Räder zu kommen, müssen wir noch was
lernen: Mit Geduld und Zufriedensein im
Hafen liegen zu bleiben, abwarten bis
Wind und Wetter günstiger werden. Das
fällt uns noch schwer, bei uns war das
ganze Leben und auch die Segelei immer
„Action“ und „Brumm – Brumm“.

Montag, 11.Aug., war’s mit der Geduld
vorbei. Hermann legte ab mit Ziel
Flensburg. Ich war mit dem Auto mittags
wieder zu Hause, Hermann kam nur bis
Mommark, der harte SW hatte ihm einen
Strich durch die Rechnung gemacht.
Das Barometer fiel und fiel, am
nächsten Morgen wehte es wieder aus SO 5
– 6. Hermann startete schon um 6.00 Uhr,
und nach den ersten mühseligen Meilen
gings flink in die Förde, mittags war
die „Windrose“ wieder beim FSC fest.
2 Tage zu Hause die langen,
jedenfalls Hermann während der
Segelsaison, und so ging’s am Freitag 15
Aug., wieder los. Von nun an hatten wir
bis Ende Sept. ein buntes, wunderschönes
Zigeunerleben. Dän. Südse und immer
wieder die Schlei.
In Damp musste Hermann mal ohne
Frühstück flüchten. Bei allen östlichen
Winden ist der Hafen wenig geschützt,
und lt. Hermann braucht man „3 Hände“
zum Kaffeekochen. Oh weh……..
Ich bin mit „Jule“ alle paar Tage
hinterher gefahren, wir hatten ein
schönes und sehr abwechslungsreiches
Leben. Die anderen Segler und Urlauber
schimpften über das mäßige Wetter, es
war ja seit Anfang August kein
Sommerwetter mehr geworden. Wir haben
das gar nicht so empfunden, weil wir so
viel Autoausflüge gemacht und uns viel
Interessantes angeschaut haben. Unsere
Welt war in diesem Sommer so groß.

2-mal waren wir auch in Kalvö, seit
ein paar Jahren mein Lieblingsort in der
dän. Südsee. Ich mag Kalvö sehr, die
kleine Halbinsel am Ende der Genner
Bucht. Für mich ist Kalvö wie ein Stück
„kleine, heile Welt“. Ein Naturreservat
wild bewachsen mit Mischwald und viel
Gestrüpp. Ein gepflegter Spazierweg
führt am Wasser entlang rundherum, am
Wegesrand wachsen Himbeeren, Brombeeren
und Holunder, was im September zum
Naschen einlädt Einen richtigen Hafen
hat Kalvö nicht, der ansässige
Seglerverein hat zwei Brücken, wo es an
den Kopfenden Gastliegeplätze gibt.
Außer bei östlichen Winden liegt man da
sehr ruhig. Wenn man im Cockpit sitzt,
kann man über die ganze Genner bucht
gucken. Ein kleiner Anleger für
Kleinfischer rundet das Idyll ab.
Einfach schön!
Von Kalvö aus haben wir auch Ausflüge
gemacht: Nach Christiansfeld,
Hadersleben, Lögumkloster, Ribe, Tondern
usw. Christiansfeld liegt südl. von
Kolding und ist im 19. Jahrhundert von
einem dän. König nach plan gegründet
worden. Und zwar holte er sich aus
Böhmen die sogen. Herrnhuter, eine
christliche Glaubensgemeinschaft, die
sehr bescheiden, fast asketisch lebte.
Alle waren Handwerker, Tischler,
Schmiede, Bäcker usw. So entstand die
heutige Brudergemeinde.
Diese Herrnhuter brachten die
Honigkuchen nach Dänemark, leider ist
nur noch eine Bäckerei übrig geblieben,
aber da kaufen wir immer ein paar
Päckchen dieser Leckerei. Sehenswert
sind in Christiansfeld natürlich die
alten Brüder – Gebäude, besonders
beeindruckend die fast schmucklose
Kirche.
Nach Hadersleben fahren wir fast
jedes Jahr und gucken ganz interessiert
bei der X – Yacht – Werft vorbei. Ein
sehr sauberes Firmengelände, wo sehr
organisiert und modern gearbeitet wird.
Unsere brave, kleine „Windrose“ mag
es uns verzeihen, dass wir andere
Schiffe begucken.
Auch
im südl. Dänemark, das ja lange Zeit
deutsch war, sieht man sehr schöne
Backsteinkirchen, z.B. auch hier in
Hadersleben, wo die kreative dän.
Königing die Priestergewände und
Altartücher in fröhlichen Farben
entworfen hat. Sehr beeindruckt hat uns
der Kloster – Komplex von Lögumkloster
gegründet von Zisterzienser Mönchen.
Schöne alte Gewölbe, stilvoll renoviert
und gepflegt. Ein großzügig ausgelegter
Kirchenraum, der sich für Konzerte
geradezu anbietet und dafür auch viel
genutzt wird.
Nicht weit von Lögumkloster liegt
Bredebro mit der weltbekannten
Schuhfabrik ECCO. Wo wir schon in der
Nähe waren, haben wir dort auch
eingekauft. Nicht billiger, aber eine
große Auswahl.
Ist man schon mal an der Westküste,
dann ist der Dom in Ribe ein Muß. Das
Jahrhunderte alte Gebäude ist oft
renoviert worden, und man kann fast
sagen „mit der Zeit“. Heute hat der Dom
auffallend bunte Kirchenfenster und
Mosaikarbeiten um den Altar.
Auf dem Weg nach Ribe haben wir einen
Abstecher zur kleinen Insel Mandö
gemacht, den Namen haben wir vorher noch
nie gehört. Die Insel ist nur bei
Niedrigwasser oder 1 – 2 Std. vorher und
nachher zu erreichen. Dann kann man
sogar mit dem PKW rüberfahren oder mit
einem Bollerwagen und Traktor davor. Als
wir da waren, lief das Wasser auf, so
dass wir nicht nach Mandö rüberfuhren.

Ein anderer Ausflug führte uns nach
Tondern, Mögeltondern und Höyer. In
Tondern reizte uns das Wegener Museum im
ehemaligen Wasserturm. Einmal auf dem
„runden Stuhl“ sitzen, der es zu
Weltruhm brachte, weil Kennedy im Weißen
Haus drauf gesessen hat. Tondern hat
eine prachtvoll ausgestatte Kirche, die
noch übertroffen wird von der Dorfkirche
in Mögeltondern.
Nach Tondern führte Hermann noch
etwas ganz anderes. Hier war er 1945 als
Siebzehnjähriger im Lazarett, iin den
Gebäuden des Lehrerseminars war es
damals dafür hergerichtet worden. Die
Gebäude stehn mit unwesentlichen
Veränderungen noch genauso wie damals,
werden nur anders genutzt. Hermann’s
Blicke zu den Fenstern der Aula ließen
manche seiner Gedankengänge ahnen…..
Gepflegt wurde Hermann damals im
Lazarett von einer ebenso jungen Dänin
namens Ina Clausen. Von einem früheren
Telefonat mit der Mutter wusste Hermann,
dass Ina schon 1972 viel zu früh
verstorben war. Wir besuchten Ina’s Grab
in Höyer. Ja, was wäre gewesen, wenn
nicht Krieg gewesen wäre? Vielleicht
hätte es eine deutsche – dänische Liebe
gegeben, das Schicksal wollte es anders.
Hermann nahm in den Tagen darauf Kontakt
mit Ina’s Kindern auf. Anfang Oktober
kam es sogar zu einem interessanten
Treffen in Tondern.
Ende September waren wir von Kappeln
aus 3-mal in der Geltinger Birk. Wir
hatten schönes, sonniges Herbstwetter
und hatten Freude an dem bunt gefärbten
Laub, an den Wildgänsen, die im Moor
Rast machten und sich voll futterten für
die lange Reise in’s Winterquartier.
So hatten wir von Mitte August bis
Ende September ein buntes Leben. Hermann
hatte immer wieder sportliche Segeltörns
und war zufrieden, wenn die
„Ferienkinder“ kamen und sich der
Horizont erweiterte mit Landausflügen.

Am Ende dieses Segelsommers stehen
1939 sm zu Buche, so viele wie seit
Jahren nicht mehr, 99 Segeltage, da
hätte es ruhig noch einer mehr sein
können, dann wären die 100 voll gewesen.
Mit wenigen Tagen Ausnahme hat Hermann
von Mitte Mai bis Ende September auf der
„Windrose“ gelebt. Ein herrliches Sommer
– Zuhause!!!! Am 28. September war auf
der Förde bei West 4 – 5 + Sonne
Absegeln, und dann war der Segelsommer
auch wirklich vorbei.
Unter’m Strich können wir nur sagen,
das gebrochene Ripperl hatte
letztendlich viel für sich. Wir haben
unser Schicksal angenommen und sehr viel
für sich. Wir haben unser Schicksal
angenommen und sehr viel aus der Saison
2008 gemacht. Möge es der Herrgott
geben, dass es uns im nächsten Jahr
ähnlich gut geht.
Irmgard Quay
21. Nov. 2008
Wintereinbruch: Der erste Nachtfrost
in SH minus 4°
