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Sommerreise 2010

Windrose’s“ Segelsommer 2010


 

Die Eintragungen im Logbuch erzählen in diesem Jahr erst mal von dem ungewöhnlich langen und kalten Winter 2009/10. Am Sonntag, 7.Febr., haben wir einen Ausflug nach Kappeln gemacht, haben uns Winter in Angeln und an der Schlei beguckt. Es ist wie in Flensburg, überall Schneeberge an den Straßen, und alles ist vereist. Seit Mitte Dezember haben wir „Winter“, einzig 1. u. 2. Weihnachtstag hat es geregnet, das fand Petrus wohl witzig.


 

In den Zeitungen gab es nur ein wichtiges Thema: „Europa sitzt in der Kältefalle“, „Deutschland erlebt einen Jahrhundert – Winter“ usw.

Von unseren Kamelien war längst nichts mehr zu sehen. Hermann erfand immer neue Verbauungen, und trotzdem gefror die Erde in den Kübeln. Ein Thermometer mit Außenfühler hatte Hermann gekauft, so daß wir drinnen ablesen konnten wie kalt es im Kamelienhaus war. Abends der letzte Blick auf’s Thermometer, morgens der erste. Am Ende hatten drei Kamelien das Zeitliche gesegnet, das war schade, aber zu verkraften bei 25 Stück.


Am 25. Febr. gab’s endlich wieder Plus-Grade. Wenigstens schon am Tag. Die Verkleidung von den Kamelien wurde weniger. Mit jedem Tag mehr Wärme berappelten sich die Kamelien und zeigten bald – oh Wunder der Natur – ihre ersten Blüten.
Nicht nur Segeln, auch Gärtnern kann glücklich machen.

Ja, der Winter hatte sein Dasein „überstrapaziert“. Beim Spazierengehen guckten und guckten wir das Eis auf der Förde weg. Es dauerte….

In der Woche 15. März wird es leicht Frühling, 11Grad über Tag, ach ist das schön! Hermann und Dirk fahren jeden Morgen nach Freienwillen in die Lagerhalle, um an den Schiffen zu arbeiten. Nachmittags fahr ich ab und zu mit, um aufzuräumen und die Schränke auf Vordermann zu bringen.


 


 


Am 19. März ruft Kai aus Fahrdorf an: „Das Eis ist weg, wir haben wieder Wasser“ Welche Freude ist das in diesem Jahr! Förde und Schlei sind wieder eisfrei, wir dürfen wieder segeln!
Eis weg, Schnee weg und Schneeglöckchen und Krokusse blühen.

Am 14. April kommt die „Windrose“ zu Wasser, spät wie lange, lange nicht. Am 20. und 22. April wird auf der Innenförde „Probe“ gesegelt.

Am 23. April legt Hermann bei W – NW 4 -5 beim FSC ab. Mittags geht bei mir das Telefon: „Ich bin um die Ecke“, soll heißen, die „Windrose“ war um die Schwiegermutter (Ist jetzt ein Turm) rum Richtung Außenförde. Um 17 Uhr war beim ASC in Kappeln festgemacht, Hafen-Meister Willi, Karl und Maria, alle waren sie da.

Zum Schlafen an Bord war’s noch zu kalt, also mit dem Bus nach Hause und nächsten Morgen wieder genauso zurück nach Kappeln. Da war leider kein Wind, also nach Fl. Zurück motort, aber wenigstens schon mal eine Tour gemacht.


Am 29. April startet Hermann bei W 4 sonnig und warm in’s Mai-Wochenende und ist abends in Sonderburg, also das erste Mal in dieser Saison über Nacht an Bord. Am nächsten Tag wird’s schon mal sportlicher. Bei W – SW 4 – 5 und Boen 6 -7 geht’s nach Kappeln, wo wir zusammen den 1. Mai verbringen. Am 2. Mai geht’s zurück nach Fl..


Die „Windrose“ hat einen unternehmungslustigen Kapitän. Am 4 Mai geht’s bei NW 6 – 7 in Boen, sonnig, aber kalt nach Hörup und am nächsten Tag bei leichtem Wind zurück.

 

Am 8. Mai und bei 8 Grad Temperatur ist Ansegeln auf der Förde. Das ist schuppig, außerdem kein Wind. Da legen viele nicht ab, wir auch nicht, Hermann hat schon ausreichend angesegelt.

Dank Dirk’s tatkräftiger Hilfe bekommt die „Windrose“ eine elektrische Winde montiert. Das ist nun für den alten, aber sehr, sehr rüstigen und tüchtigen Kapitän Hermann eine große Arbeitserleichterung. Es macht nun sssst, und schon läuft das Großsegel rein und raus und dicht.

Im Mai segelt Hermann viel auf der Schlei, es ist so schön mit den blühenden Rapsfeldern. Am 13. Mai – Himmelfahrt komm ich u.a. mit 2 Fl. Chianti an Bord, Vatertagtour nach Stauertwedt und Kaffee und Kuchen bei Cafe’ Krogh, Wetter schön, alles super. Ich schlafe an diesem Wochenende an Bord und find das ganz fix kalt. Da hilft die Heizung auch nicht, in der Hundekoje macht sich das kalte Wasser bemerkbar, immerhin hatten wir im März noch Eis.

Das Pfingstwochenende 22/23/24. Mai verbringen wir im Alsen, Sonderburg- Dyvig und zurück. In Dyvig ist das neue Hotel fertig, dazu eine gepflegte Hafenanlage, wo es sich lohnt festzumachen. Auch hier hofft man sicher auf einige Festlieger. Vor Jahren stand man auf der Warteliste, um einen Liegeplatz zu bekommen. Das ist vorbei. Es sind viele Marinas und Anlegebrücken gebaut worden. Und das Segelvölkchen ist überaltert, es kommen nicht so viele junge Fahrtensegler nach. In Stauertwedt z.B. sind 3 Plätze nicht vermietet, und ein Clubmitglied sagte: Was wird erst, wenn wir Alten nicht mehr leben. Bis auf 3 Plätze sind hier alles Rentner nachdenkenswert.


Am 27. Mai macht Hermann von Schleimünde über Marstal nach Thunö eine sogen. „Sonntagsreise“ und abends 46,8 sm auf dem Log. Das hat gelaufen!! Bis zu unseren Ferien wird „vor der Haustür“ gesegelt, also Schlei, Damp, Förde. Als unsere gemeinsame Tour am 13. Juni losgeht, hat die „Windrose“ schon 578 sm gesegelt. Das ist doch eine Leistung für einen fast 83 j. Kapitän. Vor der Reise war ich noch bei Dr. Nolde, der fragte, warum ich meinen Mann nicht mitgebracht hätte. Ich habe gesagt, der segelt. Gegenfrage: „Auf Herrentour?“ „Ja, ja, so kann man das sagen, aber alleine“ Dr. Nolde guckte auf die Karteikarte, Jahrgang 1927, und staunte nicht schlecht.

Wir wissen es zu schätzen, daß wir es so gut haben dürfen. In Ulsnis an der Schlei waren wir zum Gottesdienst in der hübschen Dorfkirche und haben dem lieben Gott Dankeschön gesagt. Aber nicht nur dort, sonst auch…..

Am Sonntag 13. Juni legt die „Windrose“ mit kompletter Besatzung in Glücksburg ab. Wir haben W – NW 5 – 6 mit Schauerböen und sind am Spätnachmittag in Dyvig fest. Tags drauf werden richtig Meilen gemacht, um 8,15 in Dyvig abgelegt und nach 47,5 sm um 17,45 in Julsminde fest.

Da ist am Dienstag, 15. Juni, mit nur 19,2 sm ein richtiger Katzensprung nach Tunö. Ich weiß nicht, ob die Dänen so viel Geld mehr verdienen als wir, daß das denen nicht weh tut. Für uns ist das viel Geld 140.- DKR = 20 € Hafengeld und Duschen auch noch 10 DKR statt der üblichen 5 DKR. Und Strom extra noch.
Ja, ja, die Fischer und die Bauern…….. Aber wenigstens gab’s hier wieder beutelweise Kartoffeln in die Vorratskiste. Samsö und Tunö sind berühmt für ihre Frühkartoffel, Boden und Klima sind dafür günstig. Sogar bei der Kronprinzenhochzeit im Mai 2004 soll es Samsö . Kartoffeln gegeben haben..
Auf dem Weg nach Norden geht’s es immer zügig voran, da werden noch keine Hafentage eingelegt. Bei schönem, sonnigen Wetter ging’s mit W – SW 3 -4 an der hübschen Djursland – Küste nach Grenaa.
Warum Grenaa kein Ort zum Verweilen ist, liegt wohl viel daran, daß das Städtchen fast 3 km vom Hafen entfernt ist. Das Hafengebiet ist mit dem Fährterminal ungemütlich. Lystbadehaven, also Seglerhafen, das muß man zugeben, hat immer ausreichend Plätze, ist absolut geschützt, ordentliche sanitäre Anlagen und vor allem einen erwähnenswert netten Hafenmeister.

Am Donnerstag, 17 Juni, war es bedeckt, SW 2 – 3, und es hieß „Schaukeln für Anholt“.

Bis Fornaes hatten wir platte See. Hermann war schon am Kartoffelschrubben und wollte unterwegs kochen. Dann aber bekamen wir eine stark querlaufende Dünung, Schaukeln „von Grönland nach Gibraltar“ könnte man das spöttisch nennen.


Schaukeln ist schnell vergessen, wenn Hermann mit einer großen Tüte Hummerhalen vom Fischer kommt.. Anholt ist Anfang – Mitte Juni, also ohne Ferienbetrieb wunderschön. Es ist Frühsommer, der Ginster blüht, Glockenblumen und Grasnelken, alles was auf dem kargen Inselboden gedeiht. Und oben auf der Bank sitzen, auf das weite Kattegat gucken, wer kommt und wer geht, und wer nicht kommt, das macht Spaß. Der neue Shop – Betreiber ist freundlich, gut ausgerüstet, man verhungert nicht auf Anholt.


3 Tage Anholt sind superschön, aber auch dann heißt es wieder „Reise, Reise“….. Bei der Strecke von 25 sm von Anholt nach Grenaa ist man fast nie ohne Landsicht. Anholt ist noch nicht ganz verschwunden, dann kann man schon die Steilküste um Grenaa ausmachen.


Am Dienstag, 22 Juni, segeln wir mit schönem West 3 – 4, zunehmend 5, nach Ebeltoft. Immer wieder schön an der Küste längs zu segeln, den Hjelm in der Sonne, es wird nicht langweilig, immer ist was zum Gucken. Nachmittags sind wir im Museumsstädtchen Ebeltoft, wo Hermann beim Ausrüster am Hafen chices, rotes Henri Lloyd – Ölzeug bekommt und ich eine rote Fjällräven Hose. Chic!!! So tolles Ölzeug das muß abgearbeitet werden, d.h. Hermann muß nur bis 90 segeln. Man muß sich Ziele setzen.


Am 23. Juni sind wir von Ebeltoft mit dem Bus nach Arhus gefahren. Und zwar nach TDC. Wenn das Internet nicht geht, keine Verbindung da ist, der Stick nicht mehr aufgeladen ist, dann ist im wahrsten Sinne des Wortes „Not am Mann“. Ja bald schlimmer als wenn die Waschmaschine kaputt ist oder das Auto nicht läuft. Es gehört schon ein bißchen Hartnäckigkeit dazu, sogar in diesem großen TDC Laden, bis die jungen Herren das schafften, den Stick zum Internet – Zugang auf 30 Tage aufzuladen.
Abends war Sankt Hans Feier. Ja, ja, wir haben schon wieder Sonnenwende, leider, leider werden die Tage wieder kürzer.
Auf der Wasserfläche vor der Fregatte Jylland hatte man auf einem Floß das Sonnenwendfeuer geschichtet und oben drauf die Hexe. Es war ein Bilderbuchsommerabend, kaum Wind, ein wunderschöne Sonnenuntergang.
Bloß singen tun die Dänen auch nicht mehr. Mittsommer wird in Schweden stimmungsvoller gefeiert. Als wir morgens, 24. Juni, ablegten, kohlte und qualmte das Feuer immer noch.
Wir waren schon mittags in Marselisborg fest, d.h. ich hatte einen freien Nachmittag für die interessante Stadt Arhus. Na klar, Lebensmittel müssen immer gekauft werden, macht ja auch so viel Spaß bei Salling.

Aber dann könnte man doch auch noch in’s Kunstmuseum, in die Domkirche…… Also per Bus los, an einer Haltstelle mit Baustelle ausgestiegen und mit Sandalen an einer Schwelle hängen geblieben und der Länge nach hingefallen. Ergebnis: Kinn aufgeschlagen, rechte Hand verstaucht, rechte Schulter Bluterguss, aber, aber das linke Knie tat so weh, daß ich nur noch humpeln konnte. Aber die schöne, neue, rote Hose war heil geblieben, gut! In der nahen Apotheke hab ich mir Kühlspray und eine elastische – Manschette gekauft bin zu Salling gehumpelt, lecker eingekauft und per Taxi wieder zum Hafen gefahren.

Hermann hat das angeschwollene Knie gekühlt. Morgens hab ich sehnsüchtig zu den Duschen geguckt, der Weg war mir zu weit und beschwerlich.


Am Freitag, 25. Juni, sind wir nach Tunö gesegelt ich hab vergnügt auf dem Sitz im Heckkorb gesessen, Bein hoch auf einem Fenderkissen. Das sollte doch wohl wieder was werden!!!!


Auf Tunö blieben wir bis Samstag, und ich bin zur Dusche gehumpelt. Aber mein linkes Bein war irgendwie nicht segeltauglich, Hermann war unruhig, so daß wir Sonntag, 27. Juni zurück nach Arhus segelten.
Im Logbuch des 28. Juni steht: „Grohmann hat das Auto und 2 Bauernbrote gebracht. Beides ist wichtig. Von nun an sind wir Kombi unterwegs, das ist besser für mein Humpelbein. Die Gehhilfen hat Grohmann auch mitgebracht“. Laufen konnte ich kaum, aber Auto fahren.
Das linke Knie war beschädigt, und unser Auto hat Automatic. Eigentlich war das nun eine tolle Sache. Diese Gegend Mols Berge, Helgenaes und Samsö wollten wir schon immer mal mit dem Auto erkunden.


Am 29. Juni verholte Hermann die „Windrose“ nach Nappedam in der Kalö-Vig. Hier waren wir 2 Tage „stationär“ und machten Ausflüge. Nach Draby oberhalb von Ebeltoft, das liegt in der Bucht im Kattegat, wo wir mit der großen „Windrose“ bei viel Südwest das Vorsegel gewechselt haben.. So unbequeme Sachen vergisst man nicht. Die schöne Bregnet – Kirche bei Rönde, noch ganz im ursprünglichen Stil erhalten, haben wir uns angesehen. Durch Mols Berge sind wir gefahren, eine hübsche Landschaft mit viel Wald und Heide. Helgenaes ist an einer Stelle so schmal, man kann nach Ebeltoft gucken und in die Begtrup Vig, also fast nach Arhus.


Abends haben wir unter dem wunderschönen Sletterhage Leuchtturm Picknick gemacht, in Ebeltoft hatten wir uns am Hafen Räucherfisch gekauft, Lecker!!

Wie oft haben wir unter Sletterhage dem Teufel ein Ohr abgesegelt, wenn wir bei viel Westwind nach Arhus wollten. Man kann ja fast auf den Strand segeln, so tief ist es. Ganz schnell sind da 30 m Wassertiefe, die großen Containerschiffe und die Schnellfähren fahren dicht an Sletterhage vorbei..
Wir hatten frischen Wind, Super-Sommerwetter, alles perfekt für Sletterhage – Fotografieren und für unser Picknick.

Am Donnerstag, 1. Juli, ist Hermann von Nappedam nach Langör gesegelt. Wieder Super - Wetter bei WSW 4. Ich bin nach How gefahren und dann mit der Fähre nach Saelvig auf Samsö.
Das war eine tolle Fähre für mein Humpelbein, die hatten einen Aufzug, ich brauchte nicht die unbequeme Schiffstreppe hoch steigen.
Wofür so eine Behinderung doch gut sein kann! Das hatten wir uns schon so viele Jahre gewünscht, und die schöne Insel Samsö mit dem Auto zu erobern. Und es war soo schön!
Wir sind an einem Feld vorbei gekommen, das war blau von Kornblumen und ein bißchen weiß mit Margeriten, Mohnblumen am Wegesrand. Wir konnten uns nicht satt sehen.
Und dann die vielen Einkaufsmöglichkeiten an der Gartenpforte. Kartoffeln gab’s in Hülle und Fülle, sogar einen Stand mit französischen Asparagus – Kartoffeln haben wir entdeckt. Unser Erdbeer – Favorit war eine Bio – Hütte, da passierte es allerdings auch, daß wir keine mehr abbekamen. Das waren leckere, ganz tiefrote und feste Erdbeeren.


Samsö ist schön und abwechslungsreich in der Landschaft. Das Hübschestes der Nordteil, von Nordby bis Issehoved fast „bayrisch hügelig“. Der große Südteil der Insel ist landwirtschaftlich genutzt mit Ackerbau, vor allem Mais, Rotkohl und eben immer wieder Kartoffeln.

Wir haben den 3. Juli, Hermann verholt die „Windrose“ von Langör nach Marup.. Es ist sehr warm, in der Kajüte immer noch ein paar Grad mehr. Mit meinem Humpelbein hab ich dazu kaum Bewegungsfreiheit.
Wir beschließen, daß ich erst mal nach Hause fahren soll, um das Knie röntgen zu lassen, die Schmerzen werden nicht weniger, und so lauf ich auch.

Am letzten Abend auf Samsö haben wir den schönsten Aussichtspunkt entdeckt. Von Nordby zum Bjalleberg dem kleinen, ausgedienten Leuchtturm, der „der 90 Jahre alten Dame“, wie es da dran steht. Man hat einen wunderschönen Ausblick, auf der einen Seite die Arhus – Bucht mit Tunö usw., auf der anderen Seite das Kattegat.

Samsö war ein wunderschönes Erlebnis, Wetter, alles hat gespaßt. .


Sonntag, 4. Juli, segelt Hermann von Marup nach Norsminde, und ich fahr wieder mit der Fähre nach How und dann auch nach Norsminde.

Montag, 5 Juli bin ich nach Hause gefahren, sehr, sehr wehmütig, Hermann und das schöne Leben zu zweit an Bord zurückzulassen.
Wenn ich geahnt hätte, daß das schon das Ende meiner diesjährigen Segelsaison sein sollte, hätte ich wohl noch mehr geweint oder einfach weiter gehumpelt.

Dienstag, 6. Juli, war ich bei Dr. Zidorn. Nach dem Röntgen stand fest, die Kniescheibe ist gebrochen. Innerhalb einer halben Stunde hatte ich eine Orthese d.h. das Bein ist durch die Schienen ruhig gestellt, also ganz steif. Bis zum 17. August, dann wird wieder Bewegung geübt. Ich hab Hausarrest verordnet bekommen.

Hermann bleibt an Bord, das soll er auch, helfen könnte er mir wenig. Mit fast 83 Jahren ist die Zeitrechnung eine andere. Hermann soll diesen Segelsommer fröhlich genießen, viel erleben und Spaß haben, alles andere wäre Egoismus von mir.


So geht die Reise der „Windrose“ weiter, mein Käpt’n bleibt erst mal in der Arhus – Bucht, Ebeltoft, Langör, in der Begtrup Vik, mal im Hafen mal auf Anker. Der Wind ist meist handig, aber es ist nicht warm, es ist heiß. Es wird der heißeste Monat Juli seit Beginn der Wetter-

Aufzeichnungen. Da kann ich mich zu Hause trösten, bei der Hitze hätte ich sowieso nicht an Bord sein können.

So geht das hin und her in der Arhus Bucht bis zum 18. Juli. Hermann schreibt fleißig Briefe an Katze Jule und an mich, und telefonieren tun wir jeden Tag ein paar Mal.

Also am 18. Juli geht’s um 9.00 Uhr in Langör Anker auf. W –SW 5- 6 das ist der richtige Wind für „Windrose“ und erst recht für Hermann. Am liebsten würden die Beiden gar nicht aufhalten zu segeln. So ist nach 45,8 sm Lundeborg erreicht.


 

Am nächsten Tag war Zwangspause oder „Schipper he sitt“ Hermann hatte sich an der Anlegebrücke von der Slippanlage festgemacht. Der Hafen von Lundeborg war proppevoll wie überall nun, es ist Hauptferienzeit. Die „Windrose“ lag richtig schief, und allen Lästermäulern erzählte Hermann „Weihnachten sind wir alle zu Hause“.

Na klar, das Wasser kam zurück, die „Windrose“ wurde wieder flott und an einen tieferen Platz verholt, so Daß am Dienstag, den 20. Juli, die Reise weiter gehen konnte nach Thurö und abends noch nach Aerösköbing auf Anker.

Es war weiter warm, wenig Wind, am nächsten Tag gab es nur ein kleines Verholmanöver und auch noch einen drauffolgenden Hafentag auf Avernakö, was sich ja auch wirklich lohnt.

Dafür wurde am Freitag, 23. Juli, schon morgens um 6,00 Uhr abgelegt, NW –W 3 -4 und natürlich sonnig. Schon um 13,15 in Damp fest, da war viel Zeit für die Badelandschaft.
Am Sonntag ist Hermann nach Kappeln gegangen mit NW 6. Da bin ich über Mittag rübergefahren und hab schon mal die schmutzige Wäsche geholt. Wichtiger und viel schöner aber war doch, daß wir uns endlich wiedersehen. Nach 3 Wochen! Leider konnte ich nur aus dem Auto raus, mich auf eine Bank setzen und zum Essen die 20 m zum ASC – Restaurant humpeln. Zur „Windrose“ war der Weg zu weit für das Humpelbein.
Hermann ist noch die Schlei rauf gewesen bis Brodersby, am nächsten Tag zurück, beide Male schön zum Segeln.


Am Montag, 26 Juli, hat die „Windrose“ wieder beim FSC festgemacht, es war die Geburtstagwoche. Hermann ist ja plietsch, er hat für diese Woche einen Rollstuhl gemietet, damit waren wir bummeln, einkaufen und Ostseemann – Triathlon gucken.
Das war sehr, sehr schön für mich, es war mal Abwechselung, so viel „andere Tapeten“ zu sehen.

Der Geburtstag war bestimmt auch noch Hermann’s Geschmack: viel Post, e-Mail’s und Telefon. 83 Jahre und so fit, daß er noch tüchtig allein segeln kann und das Boot beherrscht. Welch ein Geschenk – man kann dem lieben Gott nicht genug Dank sagen.

 

 

Am Montag, 2.August, wehte dann wieder der „blaue Peter“ ich weinte natürlich. Aber es warrichtig so. Bei sehr wenig Wind ging Hermann nach Dyvig und nächsten Tag nach Kalvö, wo er sich mit Freund Fred verabredet hatte. Mittwoch wurde noch ein Hafentag eingelegt, weil Kai für Restarbeiten kam, bevor es am Donnerstag nach Skaerbek ging. Da war doppelt was los, Barbara und ihr Hund kam zu Besuch, und Christel und Tage mussten auch besucht werden.

Samstag, 7.8., gab’s nur eine Verhol – Manöver, das nächste Treffen stand an, Inge und Dirk kamen von ihrer Norwegenreise zurück, und auch hier gab’s viel zu erzählen. Das war also eine richtige „Gesellschaftswoche“ für unseren „Rheinländer“, wie Dirk meinen Käpt’n schelmisch nennt.
Sonntag und Montag wurde dann mal wieder gereist, erst Tunö, dann Ebeltoft, ja und da gab’s wieder Gesellschaft. Edith und Holger von der Ronja machten auch Süd. Zusammen ging’s am 10. August, noch nach Arhus, bevor sich die Wege trennten, so bunt ist das Seglerleben.

Mittwoch, 11.Aug., war regnerisch, aber es musste sowieso eingekauft werden. Natürlich bei Salling die haben so eine feine Lebensmittelabteilung, da bleiben keine Wünsche für die Bord Küche offen..

Aber Donnerstag, 12. August, machte Hermann eine „Riesenreise“: Um 6,30 Uhr in Arhus abgelegt, anfangs Südwind, dann NO 4 -5, war die „Windrose“ nach 62,5 sm um 19 Uhr in Aerosund fest. Dazwischen gab’s nur eine Stunde Pause zum Tanken in Middelfahrt.


Freitag, 13. August, hatte Hermann es genauso eilig, um 5,30 Uhr abgelegt, mit NO bis NW – W 4 – 5 war er um 15.00 Uhr beim FSC in Glücksburg fest.
Ein paar Tage Heimaturlaub waren angesagt, der Patientin neuen Mut machen und ein bißchen Hausputz.

Ab dem 17. August.. brauchte ich die Orthese nicht mehr tragen. Eine Woche später waren auch die Stöcke im Keller.


 

Das Wochenende 21. und 22. August. war ich endlich wieder an Bord. Nicht mitgesegelt, die Verholmanöver habe ich mit dem Auto gemacht, aber auf der „Windrose“ gewohnt. War das schön!!!! Wir waren in Dyvig, Kalvö und Sonderburg.

Die Woche ab Montag, den 23. August. war regnerisch und stürmisch, trotzdem konnte Hermann es nicht lassen, am Mittwoch, den 25. August. nach Kappeln zu segeln, bei W – NW 6 -7, mit an Bord die Finks, alte Segelkameraden aus Essen.

Das Wochenende 28. und 29 August. verbrachten wir zusammen an der Schlei.


 


 

Dienstag, 31. August. und Mittwoch, 1. September, machte Hermann Pendelverkehr ASC / Strynö (Insel südl. von Rudköbing) und Strynö / Damp. Da gab es erst mal Fitness – Training. Und die Meilen werden immer mehr, 1.696,1 sm stehn für dieses Jahr schon im Logbuch.

Donnerstag, 2. Sept.., wurde nur zum ASC nach Kappeln verholt. Am Wochenende kommt doch wieder Besuch, die Bordfrau und das Krümelkind, so nennt Hermann die Jule, weil sie die Katzenstreu im Schiff verteilt. Z.Zt. ist es so, wenn Hermann die letzten Krümel weggeputzt hat, sind wir schon wieder da.
Es wurde am 4. / 5. Sept. ein schönes sonniges Stauertwedt – Wochenende. Zwar hatte Cafe’ Krogh „geschlossene Gesellschaft“, aber erstens haben andere Mütter auch schöne Töchter, und zweitens ist die Natur, das ganze Drumherum in Stauertwedt so wunderschön, daß dazu auch noch Pflaumenkuchen wirklich Luxus wäre.

Montag, 6. Sept. machte die „Windrose“ noch mal richtig Meilen, 38,5 sm bei O 4 – 5 nach Falsled. Um diese Zeit in die Walachei. Das ist ein Hafen für einen schönen Sommerabend, jetzt ist da nichts mehr los.
Spätestens am Dienstag merkte Hermann das auch. Bei SO 6- 7 und fixem Regen war er nämlich eingeweht, d.h. zwangsweise Hafentag.
Dafür stand er Mittwoch, 8. Sept., ganz früh auf, um 6,30 in Faldsled abgelegt und mit viel Seegang Richtung Alsen. Um 10,15 war die „Windrose“ in Dyvig fest, also schon mal wieder an der Wochenendküste, d.h. mit dem Auto zu erreichen, ich möchte ja nicht auch noch Fähre fahren.

Am Donnerstag war der Wind mit SO 5 ja schon zahmer, aber es regnete immer noch, d.h. die Reise ging bis Sonderburg und am Freitag, 10. Sept., bei W 4 -5 nach Damp. Das war auch ein schönes Wochenende für uns, 11/12 Sept. Baden war angesagt, gut für mein Knie, was schon wieder ganz schön fit ist.
Auf Gut Stubbe waren wir beide Tage, Obst im Hofladen eingekauft und im Selbstbedienungscafe’ Kaffee + Zwetschenkuchen gehabt. Und hahaha, am Sonntag war denen der Kuchen ausgegangen, zu viel Andrang. Was für ein Wunder, direkt an der Lindaunis – Brücke gelegen, da kommen alle vorbei.

Montag, 13. Sept., gehen wir beide also wieder „auf Arbeit“ jeder auf seine Art, ich nach Fl. Die „Windrose“ ist mangels Wind nach Kiel – Düsterbrook motort. Aber es war schönes Wetter, und auch nur 17,6 sm,da geht das.

Dientag war der nächste Herbst-Sturm angesagt, dies Mal S –SW 7, Boen 8, + Regen. Da bleibt man im Hafen, und nach Kiel kommt man ja auch nicht so oft, Tagesarte für den Bus gekauft und viel zum Gucken gehabt. Im Kieler Yacht – Club hat „alles seine Ordnung“. Jedenfalls hat ein Club – Mitglied von einem feinem A + R – Schiff die „Windrose“ mit angebunden, aber auch gleich gesagt, wo die Leinen hin sollten mit dem Kommentar „hier hat alles seine Ordnung“. Nach einer Zeit hatte der plietsche Hermann entdeckt, daß der Nachbar noch seinen Danebrog hängen hatte und hat da immer ganz aufmüpfig hingeguckt nach dem Motto „Da oben ist noch was“ Der schwarze Peter war nun auf der anderen Seite.
Aber sonst ist es schon okay beim KYC. 12.- € Hafengeld einschl. Duschen und auch einen Gutschein von € 2,50 fürs Restaurant, dazu kann man wirklich nichts sagen.
Doch: Einen tollen Service, mit Tischdecken, Stoff-Servietten und frischen Blumen den Kaffee frisch aus der Maschine in chicen modernen Tassen.

15. Sept.: Der Radiowetterbericht sagt heute morgen, der Herbst kommt mit Riesenschritten, und der Seewetterbericht sagt SW 7 – 8 mit Orkanboen voraus, das aber erst für den Spätnachmittag in die Nacht rein. Hermann kommt in Düsterbrook früh in die Puschen und sieht zu, wieder nach Damp zu kommen. Das schafft er bei SW 5 – 6und wenig Regen noch gut. Diese Woche bekommt die „Windrose“ schon Donnerstag Besuch von der Bordfrau und Jule.
Freitag und Samstag ist windiges Schauerwetter, Ausflüge nach Kappeln und Eckernförde werden gemacht, und nachmittags gibt’s auf Gut Stubbe Kaffee und Kuchen. Und jeden Tag gebadet, das ist auch nicht zu vergessen.


Sonntag, 19. Sept. sind wir es leid mit Petrus. Mit dem Auto bin ich schnell zu Hause, die „Windrose“ braucht 7,5 Std. von Damp nach Glücksburg bei SW – W 5 -6, Boen 7 und immer wieder dicke Regenschauer „Windrose“ und ihr Kapitän sind wirklich “kernig“

Montag übertreibt Petrus es, Regen von morgens bis abends. Aber am Dienstag leistet „der Mann da oben“ dann tatsächlich Abbitte, und mit Sonne und leichtem NW legt Hermann mittags wieder ab Richtung Schlei.

In Schleimünde ist er mit den Segelfreunden Edith und Holger von der Ronja zusammen.
Mittwoch gibt’s einen erholsamen Tag in Damp, und Donnerstag, 23. 9. „muß“ Hermann wieder nach Hause. Katze Jule hat eine Zahn OP und hat Schwierigkeiten; aus der Narkose zu kommen.
Die Saison neigt sich. Samstag ist zwar schönes, sonniges Wetter, dafür kaum Wind, und Hermann treibt ein bißchen „vor der Tür“. Am selben Tag auch Kalkgrund – Regatta, das war sportlich gesehen natürlich auch langweilig.

Sonntag, 26. Sept., ist offizielles Absegeln auf der Förde. Wir machen nicht mit, selbst bestrafen muß man sich nicht bei NO 6 und Nieselregen.
Mit NO nach Kappeln und mit SO zurück nach Glücksburg, das passt


Dientag, 28.9. segelt Hermann bei schönem, sonnigem Herbstwetter nach Kappeln. Mittwoch und Donnerstag verbringen wir mit Obst und Gemüseeinkaufen auf Gut Stubbe bei Lindaunis und einem Spaziergang in der Geltinger Birk. Donnerstagabend fährt Hermann mit mir nach Hause.

Freitagmorgen, 1. Oktober, bring ich „Windrose“ ihren Kapitän mitsamt „Tropenkapitän“,so nennen wir fast liebevoll unseren Freund Dirk.
Die Beiden segeln fröhlich bei SO 4 – 5 und natürlich Sonne zurück nach Glücksburg. Dieser Törn ist die „100“, Fahrt in diesem Jahr, wenn das nichts ist!!!

6. Okt.,: Die Segelsaison 2010 ist zu Ende gegangen. Die „Windrose“ ist wieder nach Freienwillen ins Winterlager gekommen. Je älter man wird, umso wehmütiger verabschiedet man sich von einer Segelsaison..

Packen wir es mit viel Gottvertrauen und dem Hermann angeborenen Optimismus an, Daß es auch im Jahre 2011 eine schöne, erlebnisreiche Segelsaison für uns geben wird, mit noch mal 2000 sm im Logbuch.


 

Irmgard Quay.


 

Nach dem Absegeln, ist vor dem Ansegeln.


 

Wie sagt Hermann: Weihnachten sind wir alle zu Hause.


 

Wo er recht hat, hat er recht, die Häfen sind leer..


Bl,esl. Hermann Quay.

steht für: Bleib lustig es lohnt sicht.